Home » Marihuana Growing » Outdoor-Gowing » Nutzhanf im großen Stil: Wie funktioniert das eigentlich?

Nutzhanf im großen Stil: Wie funktioniert das eigentlich?

Hanf… Eine wunderbare Pflanze! Die Fasern sind stabiler als Baumwollfasern, die Samen stehen in einer Reihe mit Chia oder Leinsamen und von den vielen Wirkstoffen, angefangen bei THC und CBD, muss ich hier wohl gar nicht erst anfangen…


Insgesamt können übrigens weit mehr als 30.000 verschiedene Produkte aus Hanf hergestellt werden, von Biotreibstoff, Papier oder Zellstoff bis hin zu hochwertigen Speiseölen und Medikamenten. Auf den ersten Blick ist Hanf also mehr als normale Kulturpflanze, sondern viel mehr ein Wundergewächs mit unendlich vielen Möglichkeiten.

DOCH HALT! Ganz so einfach ist es nämlich nicht!

Ein viel verbreiteter Irrglauben ist nämlich, dass die Hanfpflanze quasi komplett verarbeitet wird: Aus den Blüten werden CBD-Blüten und Tee, aus den Samen Speiseöl und Kunststoff, die Fasern und Schäben der Pflanze werden als Textilien oder Isoliermaterial verwendet. Auf dem Feld bleibt also nach der Ernte nur noch ein Wurzelballen zurück, der Rest wird verarbeitet… Das stimmt so nicht ganz!!

Verschiedene Sorten für verschiedene Anforderungen

Aktuell gibt es in Europa über 60 zugelassene Hanfsorten, die alle für verschiedene Zwecke gezüchtet wurden: Manche Sorten bilden beispielsweise sehr lange Fasern (z. B. Santhica 70) und eignen sich daher perfekt für die Herstellung von Hanffasern und Schäben, andere produzieren besonders viele Samen (z. B. Ferimon), wieder andere produzieren besonders schöne Blüten und haben einen höheren CBD-Gehalt (z. B. Felina 32, Fedora 17). Wichtig ist auch das Geschlecht der Hanfpflanzen: Männliche Pflanzen produzieren beispielsweise keinerlei Samen, können aber für die Faserproduktion eingesetzt werden.

Hanffaser

Die Landwirte müssen sich also bereits bei der Wahl des Saatgutes überlegt haben, welches Endprodukt sie denn herstellen möchten. Bei Anbau von Faserhanf spielt das Geschlecht der Pflanzen keine Rolle, auf dem Feld stehen also weibliche und männliche Pflanzen direkt nebeneinander.

Die Blüten sind also, wenn man sie sich denn so weit entwickeln lassen würde, voller Samen. Tatsächlich wird Faserhanf aber oft schon vor dem Ende der Blütephase geerntet, da die Qualität der Fasern nicht mehr merklich ansteigt. Faserhanf ist meistens dioziös, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen, die Verteilung liegt bei ca. 50:50.

Nach der Ernte bleiben die Hanfpflanzen übrigens einige Wochen abgeschnitten auf dem Feld liegen, damit sich die Fasern besser von den Stängeln lösen lassen. Dieser Prozess wird als Röste bezeichnet. Danach werden die Pflanzen gebrochen und die Fasern maschinell von den Stängeln getrennt (geschwungen und gehechelt) und dann gesponnen. Manchmal haben so alte Begriffe einen echten Charme…

Die fertigen Faserstränge können dann beispielsweise zu Textilien oder Seilen weiterverarbeitet werden. Als „Abfall“ entstehen bei diesem Prozess Hanfschäben, welche häufig als Einstreu für Tiere verwendet werden. Diese sind ca. 200 Prozent saugfähiger als Holzspäne und lösen keinerlei Allergien aus. Im Baugewerbe werden die Schäben auch oft als ökologischer Schüttdämmstoff eingesetzt.

Hanfsamen

Hanfsamen, korrekter, aber verwirrender, wäre die Bezeichnung Hanf-Nüsse, sind äußerst lecker und, wer hätte es gedacht, auch noch extrem gesund! Ein Eiweiß-Anteil von über 30% macht diese Samen für Sportler interessant. Das breite Spektrum an Aminosäuren überzeugt jeden Lebensmittelexperten und der Geschmack ist sehr angenehm. Und vielseitig sind sie auch noch: Ob ins Müsli, pur aufs Brot oder gemahlen und in Brot verbacken, Hanfsamen gehen immer!

Auch in gepresster Form findet man die Samen heutzutage in jedem Biomarkt: Hanf-Speiseöl passt perfekt zu Salaten und ist noch dazu gut für den Kreislauf und die Blutgefäße. Da die Schale der Hanfsamen Chlorophyll enthält, ist Hanf-Öl sehr grün, sowohl vom Aussehen als auch vom Geschmack. Kein Wunder also, dass selbst Seitenbacher nun ein Hanf-Öl im Programm hat.

Für den Anbau von Samen gibt es auch eigens gezüchtete Sorten, welche eine besonders reiche Ernte ermöglichen. Im Umkehrschluss sind die Fasern dieser Pflanzen nicht ganz so lang und lassen sich nur schwer zu hochwertigen Langfasern weiterverarbeiten. Manche Sorten können jedoch auch für die Produktion von Samen und Fasern genutzt werden. (z. B. Futura 75)

Die Pflanzen für die Produktion von Samen MÜSSEN männlich und weiblich sein, ansonsten findet logischerweise keine Befruchtung statt und es entstehen auch keine Samen. Doch auch hier gibt es einen winzigen Trick: Da die männlichen Pflanzen NUR zur Befruchtung benötigt werden, ansonsten aber nur Platz verbrauchen (da sie ja selbst keine Samen bilden), gibt es sehr viele monoziöse Sorten, also Zwitter.

Bei diesen Sorten kommen durch Kreuzung fast nur weibliche Pflanzen heraus, welche aber auch einzelne männliche Blüten bilden. So können sich die Pflanzen selbst befruchten und man spart den Platz, den die reinen Männer sonst verbrauchen würden.

Übrigens: Aus den „Samen-Sorten“ lassen sich natürlich auch Tee oder CBD-Konzentrate herstellen! Nur die Samen sollten davor aussortiert werden.

CBD-Blüten

Den Anbau von Hanf für die Produktion von CBD-Blüten ist eindeutig eine neue Disziplin, die erst in den letzten Jahren dazugekommen ist. Der Anbau an sich ist relativ einfach. Man wählt die richtige Sorte aus, gießt ein bisschen, sieht den Pflanzen beim Wachsen zu und erntet total versamte, komplett un(b)rauchbare Blüten. Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Wie auch beim Anbau von THC-haltigen Sorten muss man hier die männlichen Pflanzen frühzeitig aussortieren. Was in einer Growbox schon nervig ist, wird spätestens auf einem 20ha Acker komplett unmöglich. Homegrower greifen daher einfach auf feminisiertes Saatgut zurück.

Leider bietet der EU-Sortenkatalog aber noch keine feminisierten Sorten an. Daher greifen CBD-Blüten-Bauern eigentlich immer auf Stecklinge zurück. Stecklinge bieten noch einen anderen, entscheidenden Vorteil: Der CBD-Gehalt ist bei allen Pflanzen nahezu identisch. Viel wichtiger ist aber der THC-Gehalt: Würde dieser über 0,2% liegen, wäre die komplette Ernte in Gefahr: Staatliche Kontrolleure dürfen beim Hanfanbau Stichproben nehmen, welche dann im Labor untersucht werden.

Liegt der THC-Wert zu hoch, beispielsweise weil der Boden besonders fruchtbar war oder das Wetter zu gut: Kann es sein, dass die komplette Ernte vernichtet werden muss oder nicht verkauft werden darf. CBD-Blüten werden, auch aus diesem Grund, häufig Indoor angebaut. Die immer gleichen Bedingungen erlauben eine immer gleiche Ernte, sowohl von der Quanti- als auch Qualität.

Fazit

Hanf ist nicht gleich Hanf! Und auch Hanf ist keine Wunderpflanze, aus der man gleichzeitig CBD-Blüten, Öl, Samen UND Fasern gleichzeitig gewinnen kann. Dennoch ist Hanf eine sehr vielseitige Pflanze, deren Anbau weiter vorangetrieben werden sollte.

Und die beste Nachricht kommt ja bekanntlich zum Schluss: Hier könnt ihr ALLE ganz einfach mithelfen! KAUFT MEHR HANF-PRODUKTE! Die Shirts sind verdammt bequem, das Öl unheimlich gesund und Hanf-Häuser haben ein wirklich tolles Wohngefühl! Aber ohne Nachfrage wird sich diese Pflanze nicht weiter durchsetzen können. Also tut eure Pflicht als Verbraucher und zeigt dem Markt, wie der Hase läuft!

Hilf' mit und teile diesen Beitrag!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht Required fields are marked *

*