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Wann ist die Verschreibung von CBD-reichen Cannabissorten sinnvoll?

CBD (Cannabidiol), das bekannteste nicht psychedelisch wirkende Cannabinoid der Hanfpflanze, wird zunehmend hinsichtlich seines therapeutischen Potenzials untersucht und geschätzt. Das Cannabinoid bietet einige Vorteile. Es verursacht meistens keine und nur selten relevante Nebenwirkungen. In den deutschsprachigen Ländern ist es legal erhältlich, und viele Anbieter ermöglichen den Kauf von CBD-Extrakten aus Faserhanf als Nahrungsergänzungsmittel. CBD-Produkte sind kein Ersatz für THC, da sich das Wirkungsspektrum von THC und CBD erheblich unterscheidet. Nicht selten ist eine Kombination aus THC und CBD aber sinnvoll.


Die in Deutschland erhältlichen und vom Arzt verschreibungsfähigen Medizinalcannabisblüten enthalten überwiegend weniger als 1 Prozent, einige jedoch zwischen 7 und 12 Prozent CBD. Das Besondere der Sorte an Bedrolite ist die geringe THC-Konzentration, sodass es fast wie reines CBD wirkt.

Neben der Verschreibung von CBD-reichen Cannabisblüten kommt in Deutschland auch die Verschreibung von reinem CBD in Form von Tropflösungen aus der Apotheke infrage. Allerdings fällt CBD nicht unter das Gesetz, das seit März 2017 die Erstattungsfähigkeit bestimmter Cannabisprodukte und Medikamente auf Cannabisbasis regelt. Dieses Gesetz (§ 31 Abs. 6 SGB V) beinhaltet nur die Erstattungsfähigkeit von THC- und Nabilon-haltigen Präparaten. Nabilon ist ein synthetischer Abkömmling von THC.

In Deutschland erhältliche Cannabisblüten mit vergleichsweise hohen CBD-Gehalten

Sorte Gehalt THC Gehalt CBD
Penelope  ca. 10,4 % ca. 7,5 %
Argyle  ca. 5,4 %  ca. 7,0 %
Green No. 3  ca. 8,1 % ca. 11,7 %
Bediol, granuliert ca. 6,3 % ca. 8 %
Bedrolite granuliert < 1 % ca. 9 %
Pedanios 8/8 ca. 8 % ca. 8 %

In unterschiedlichen Cannabissorten wurden in den vergangenen 50 Jahren etwa 600 chemische Verbindungen nachgewiesen, darunter neben den etwa 120 Cannabinoiden Substanzen anderer Stoffgruppen, wie Aminosäuren, Proteine, Zucker, Alkohole, Fettsäuren, Terpene und Flavonoide. Die meisten Cannabis-Bestandteile außer den Cannabinoiden kommen auch in anderen Organismen (Tieren und Pflanzen) vor. Diese Inhaltsstoffe befinden sich nicht alle in einer Pflanze, sondern wurden weltweit zumindest in einer Pflanze nachgewiesen. So enthalten die meisten Cannabissorten nicht mehr als 5 oder 10 Cannabinoide in relevanter Konzentration (über 0,1 Prozent)

THC wirkt nicht auf jeden Menschen und nicht in jeder Situation gleich. So kann es in manchen Fällen Angst auslösen, aber auch Angst lindern. Es hilft oft sehr gut gegen Übelkeit und Erbrechen, aber einigen wenigen Menschen wird auch übel, wenn sie Cannabis verwenden.

Diese variable individuelle Ansprechbarkeit gilt grundsätzlich auch für Cannabidiol. In einer kleinen kontrollierten klinischen Studie wurden wachmachende Eigenschaften von geringen CBD-Dosen nachgewiesen. Andererseits berichten viele Patienten, dass sie durch die Verwendung von CBD-Extrakten oder Cannabissorten mit hohen CBD-Konzentrationen (z.B. Argyle oder Bediol) besser schlafen können. Daher gilt genauso wie beim THC, dass auch beim CBD eine klare Aussage zu den zu erwartenden Wirkungen nicht sicher gemacht werden kann. 

Ich hatte eine Patientin, die durch die Einnahme von CBD so wach wurde, dass sie während der gesamten Nacht nach der Einnahme nicht schlafen konnte. Die meisten Patienten geben dagegen eine Verbesserung des Schlafes an. Die Wirkungen der Cannabinoide werden zudem noch durch die Terpene (ätherische Öle) moduliert. Das Terpen-Profil von sogenannten Indica-dominanten Sorten (zum Beispiel Argyle) kann die schlafanstoßenden Eigenschaften verstärken, wie sie häufig bei CBD beobachtet werden, während sativa-lastige Sorten eher aktivieren. Daneben gibt es Hinweise auf weitere mögliche Einsatzgebiete, wie z. B. bei Kindern und Erwachsenen mit Autismus. Bislang sind diese kaum erforscht und es liegen nur Ergebnisse aus der Grundlagenforschung oder Berichte einzelner Patienten vor, wie beispielsweise hinsichtlich der krebshemmenden Eigenschaften des CBD.

Häufige Einsatzgebiete von CBD sind:

  • Epilepsie: insbesondere bestimmte Formen der Epilepsie, wie Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom
  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Schizophrene Psychosen
  • Entzündungen und entzündlich bedingte Schmerzen
  • Bewegungsstörungen: Dystonie, Dyskinesie
  • Abhängigkeit von THC, Nikotin und Opiaten

Bei den rechts oben aufgelisteten Erkrankungen können Cannabisblüten zum Einsatz kommen, die fast nur CBD enthalten, also in Deutschland die Sorte Bedrolite des niederländischen Unternehmens Bedrocan. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass die Einnahme von CBD in Form von Cannabisblüten vergleichsweise teuer ist. Bei einer CBD-Konzentration von 9 % enthält ein Gramm der Blüten 90 mg CBD. Bei einem Preis von 20 Euro pro Gramm in einer deutschen Apotheke, müsste man über 200 € für 1000 mg CBD bezahlen. 1000 mg CBD in Form von CBD-Extrakten aus Faserhanf sind dagegen bereits für etwa 40 bis 60 Euro erhältlich. In der Schweiz gibt es dagegen einige Sorten mit deutlich höheren CBD-Konzentrationen von mehr als 20 Prozent, die auch deutlich günstiger sind als Cannabisblüten in deutschen Apotheken. Da ist das Preis-Leistungs-Verhältnis schon wesentlich günstiger. In diesem Fall enthält ein Gramm der Blüten mehr als 200 mg CBD und ist für etwas über 10 Schweizer Franken erhältlich.

Wenn eine Therapie mit THC erforderlich ist, muss aus medizinischer Sicht überlegt werden, ob ein zusätzlicher CBD-Anteil sinnvoll oder weniger sinnvoll ist. Dabei kommt es nicht nur auf die Kenntnis der THC-Wirkungen (psychedelische Wirkungen, Schmerzlinderung, Appetitsteigerung, Linderung von Übelkeit, etc.) einerseits und der CBD-Wirkungen andererseits, sondern auch auf die Kenntnis möglicher Wechselwirkungen an.

CBD ist ein sogenannter allosterischer Modulator des Cannabinoid-1-Rezeptors. Das bedeutet, dass CBD den CB1-Rezeptor verändert, sodass THC nicht mehr so gut an diesen Rezeptor binden kann. Die Aktivierung dieses Rezeptors durch THC ist unter anderem für die psychedelischen Wirkungen des THC verantwortlich. CBD hemmt durch die vorübergehende Veränderung dieses Rezeptors eine Anzahl von THC-Effekten an diesem Rezeptor. 

Bereits in den 1970er Jahren haben Untersuchungen brasilianischer Forscher nachgewiesen, dass CBD die psychedelischen Wirkungen des THC abschwächt. Auch die Steigerung der Herzfrequenz oder die Steigerung des Appetits durch THC werden durch CBD abgeschwächt. So wäre die Kombination aus THC und CBD bei einem Patienten mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust kontraproduktiv. Es gibt auch Hinweise, dass die schmerzlindernden Wirkungen von THC am CB1-Rezeptor durch CBD gehemmt werden. Andererseits kann CBD bei bestimmten Schmerzarten selbst schmerzlindernd wirken.

So könnte CBD bei Schmerzen aufgrund einer Gelenkentzündung durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften die Schmerzlinderung durch THC verstärken. 

Ein weiteres Beispiel: 

Wenn ein Patient mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung) gleichzeitig auch depressiv ist oder an einer Angststörung leidet, kann die THC-Wirkung auf die Hyperaktivität und Aufmerksamkeit durch eine CBD-Wirkung auf Angst und Depressionen ergänzt werden. Es gibt also Situationen, in denen durch THC-reiche Sorten mit möglichst wenig CBD die besten Wirkungen erzielt werden können. Und es gibt andererseits Symptom-Konstellationen, bei denen eine Kombination der beiden Cannabinoide sinnvoll und reinem THC überlegen ist.

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