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Mutter Natur frisst ihre Kinder

Wie Schäden durch unsachgemäße Lagerung von Cannabis entstehen

Auf der ganzen Welt stecken Grower viel Zeit und Energie in die perfekte Aufzucht ihrer Pflanzen, sei es beruflich oder aus Leidenschaft. Es wird viel experimentiert und optimiert: Saatgut, Klone, Erden, Substrate, Dünger, Booster, Licht, wann flushen, wann ernten – alles ist regelmäßig auf dem Prüfstand bis ein möglichst perfektes Ergebnis erzielt wird. Das Ziel dabei: Die größten, schönsten und aromatischsten Blüten. Daher ist es normal, dass jeder der Ernte entgegenfiebert. „Croptober“ (Wortspiel aus dem englischen Wort Crop für Ernte und dem Erntemonat Oktober) wird dann schnell zum vorgezogenen Weihnachtsfest. Und auch der Gang zur Apotheke ist – zumindest wenn die Lager dort auch entsprechend gefüllt sind – immer ein gutes Gefühl.

Die unterschätzten Faktoren: Curing und Lagerung

Nach der Ernte ist der Prozess jedoch lange nicht beendet. Die erhaltenen Blüten wollen so schnell aber gleichzeitig so schonend wie möglich getrocknet werden, um Schimmel zu verhindern. Nach dieser ersten Trocknung, werden die Blüten in der Regel in geschlossene Behältnisse umgefüllt, um sie dort für 2-8 Wochen (oft auch viel länger) nachreifen zu lassen. Dafür gibt es vielerlei Begriffe und nicht alle werden korrekt benutzt. Wir wollen daher den englischen Begriff Curing verwenden, der eigentlich eine Reifetrocknung beschreibt, wie sie etwa bei Schinken üblich ist. Es handelt sich also um eine weitere Trocknung? Nicht so ganz. Im Grunde hat das Umfüllen in Gefäße genau einen Zweck: Weiteres Austrocknen deutlich zu verlangsamen und den Wassergehalt der Blüten so konstant wie möglich zu halten. Ansonsten könnte man alles ja auch weiterhin an der offenen Luft hängen lassen. Je nachdem wie gut das gewählte Behältnis also ist – und das gilt für die Medizin aus der Apotheke gleichermaßen – desto besser ist das Ergebnis.

Wasseraktivität ist der Schlüssel

Um zu verstehen, welche Prozesse in der Blüte bei welcher Feuchtigkeit ablaufen, muss man zunächst das Wort Feuchtigkeit definieren. Es gibt nämlich zwei Begriffe, die oft miteinander verwechselt werden. Die absolute Feuchtigkeit beschreibt sämtliches in der Blüte befindliches Wasser, die Wasseraktivität hingegen nur den Teil des Wassers, der ungebunden und frei beweglich ist – und damit für biochemische Prozesse zur Verfügung steht. Man stelle es sich vereinfacht so vor: Wenn man eine Pflanze auspresst, erhält man ihren Saft. Das ist das aktive Wasser (angereichert mit den ausgespülten sekundären Pflanzenstoffen, wie z.B. Terpenen – doch dazu später mehr). Der Teil, der zurückbleibt, ist das gebundene Wasser. 

Die Wasseraktivität ist also entscheidend, da nur dieser Teil für die Pflanze nutzbar ist. Von ihr hängen die wichtigsten Prozesse ab – zum Guten wie zum Schlechten. Zudem ist die Wasseraktivität universal und nicht wie die Gesamtfeuchtigkeit von Pflanze zu Pflanze oder je nach Zustand der Pflanze unterschiedlich. Cannabisblüten können zum Beispiel bei 12% absoluter Feuchtigkeit eine Wasseraktivität von 0.35 bis 0.65 aufweisen.

55% – 65% relative Luftfeuchtigkeit ist ideal

Doch welche Wasseraktivität ist nun für Curing und Lagerung von Cannabisblüten zu empfehlen – und warum? Die ASTM (www.astm.org) ist eine globale Organisation, die sich für Standards in den verschiedensten Bereichen einsetzt. Dort gibt es ein Komitee aus rund 400 unabhängigen Experten aus der Fachindustrie und verwandten Branchen, die sich allein mit Cannabis auseinandersetzen und einstimmig Standards verabschieden. Dort wurde festgesetzt, dass getrocknete Cannabisblüten bei einer Wasseraktivität von 0.55 bis 0.65 zu lagern sind. Klingt erst mal kryptisch, ist aber leicht zu überprüfen. Da Wasseraktivität das „bewegliche“ Wasser beschreibt, verändert sie sich immer analog zur relativen Luftfeuchtigkeit im Umfeld der Blüte. Das Stichwort ist: Osmose. Wenn das Umfeld trockener ist als die Blüte, verdunstet das Wasser und sie trocknet aus. Wenn die Umgebung hingegen feuchter ist, wird auch die Blüte feuchter. Wenn wir also die Feuchtigkeit in einem geschlossenen Gefäß mit einem handelsüblichen Hygrometer (bitte regelmäßig kalibrieren!) messen, kennen wir damit auch automatisch die Wasseraktivität: 0.55 – 0.66 sind nichts weiter als 55%-65% relative Luftfeuchtigkeit. 

Schimmelgefahr und verräterischer Duft

Die geforderte Maximalgrenze von 65% Luftfeuchtigkeit (bzw. 0.65 Wasseraktivität) ergibt sich ganz einfach daraus, dass Hefen, Schimmelsporen und andere schädliche Bakterien diese mindestens brauchen, um zu wachsen. Bleibt man darunter, ist man vor Schimmel ziemlich sicher. Das erklärt nun final auch, warum Blüten zunächst an der freien Luft trocknen, bevor sie in die Gefäße gepackt werden. Man muss die Wasseraktivität um jeden Preis unter 0.65 bekommen, sonst besteht Schimmelgefahr!

Unterhalb von 55% Luftfeuchtigkeit hingegen verlangsamen sich nicht nur eine ganze Reihe nützlicher Curing-Prozesse in der Pflanze, es kommt auch noch zu einem weiteren Verlust, der mitunter sehr erheblich sein kann. Viele der Aromastoffe der Cannabisblüte, auch Terpene genannt, sind sehr flüchtig (deshalb kann man sie ja auch so gut riechen!) und werden mit der Verdunstung des Wassers aus den Pflanzenhaaren (genannt Trichomen) der Blüte geschwemmt. Je trockener die Blüte, desto höher der Verlust – bis hin zum Verlust der strukturellen Integrität. Die Trichome verkümmern und brechen schließlich ab. Wenn Blüten also einen tollen Duft abgeben, ist das demnach eher ein Zeichen dafür, dass sie nicht optimal gelagert werden. Denn die Terpene in der Nase sind nicht mehr in den Trichomen. Guter Duft geht also immer auf Kosten von Geschmack und Wirksamkeit. Mutter Natur holt sich so einfach zurück, was vorher mühevoll angezüchtet wurde. 

Ein schützender Mikrofilm aus Feuchtigkeit

Möchte man also einen möglichst hohen Terpengehalt in der Blüte bewahren, muss man demnach die Verdunstung von Wasser aus der Blüte unterbinden. Das Aufbewahren in gut schließenden Gefäßen ist dabei nur der erste Schritt. Pilotstudien haben gezeigt, dass selbst in geschlossenen Behältnissen die Verdunstung fortgesetzt wird, wenn die Luft darin trockener als die Blüten ist. So wurden in einer Studie des Unternehmens Boveda Blüten des Strains Girlscout Cookies für 6 Wochen in Einmachgläsern geschlossen gelagert und wiesen dann trotzdem im Durchschnitt 15% weniger Terpene auf. 

Um diese Herausforderung zu bewältigen,  bedient man sich am besten des gleichen Prinzips. Erhöht man die relative Luftfeuchtigkeit im Umfeld der Blüten auf ein  perfektes Niveau, legt sich ein wenige Moleküle starker Film aus Feuchtigkeit um die Trichome, der die Osmose und damit die Verdunstung des Wassers aus der Blüte stoppt und die Terpene darin einschließt. Die Blüten bleiben so nicht nur perfekt in ihrer Konsistenz, sondern auch länger aromatisch. Für das volle Aroma braucht man den Mikrofilm an Feuchtigkeit nur wieder aufzubrechen, z.B. durch aussetzen an der trockenen Luft und/oder zerkleinern der Blüten. 

Achtung: Befeuchter ist nicht gleich Befeuchter!

Also: Ein kurzer Sprühstoß aus der Pflanzenspritze und gut? Oder etwas Apfelschnitzer? Orangenschale? Salat oder Brot? Die Liste an Hausmitteln ist wahrlich nicht kurz. In Wahrheit sind alle diese Methoden leider mehr als ungeeignet, weil alle diese Dinge eine Wasseraktivität von 75%-90% haben und daher Schimmelwachstum unterstützen. Zur Erinnerung: Über 65% wächst Schimmel, unter 55% verliert man Terpene. Wenn einem die Gesundheit wichtig ist, sollte man also zu einem professionellen Befeuchter greifen.

Professionelle Lösungen gibt es einige am Markt und sie sind nicht teuer. Allerdings gibt es auch hier Qualitätsunterschiede. Jeder Anbieter möchte natürlich sein Produkt bestmöglich verkaufen. Marktführer Boveda nutzt zum Beispiel seit über 22 Jahren Salzwasser-Lösungen in deren patentierten Befeuchterbeuteln, was sich millionenfach bewährt hat. Andere, neuere Anbieter setzen dagegen scheinbar bewusst auf salzfreie Lösungen, etwa aus Glycerin, und bieten darüber hinaus z.B. eine scheinbar nützliche Indikatorkarte (die mit einer Genauigkeit von +/- 10% bei einem Spielraum von 55-65% Feuchtigkeit allerdings nicht wirklich viel hilft). 

Die gute Nachricht ist: Man muss sich nicht durch die Marketingversprechen der Unternehmen quälen. Die 400 unabhängigen Experten der ASTM haben in ihrem aktuell gültigen Standard bereits im Jahr 2018 klar festgelegt, dass Salzwasser-Beutel alternativlos sind. Der Grund dafür ist auch recht einfach: Nur Salzwasserlösungen bieten einen genügend großen Puffer, um Feuchtigkeitsschwankungen abzufangen. Die Grafik oben zeigt: Auf dem Glycerin-Beutel mag zwar 62% stehen, er ist aber nicht in der Lage ein Pfund Blüten von 40% auf 62% zu befeuchten. Der Salzwasser-Beutel schafft das ohne große Probleme in einem Bruchteil der Zeit. In diesem Versuchsaufbau würde man sogar drei Glycerin-Beutel benötigen, um den gleichen Effekt zu erzielen. Diese Zahlen machen es der ASTM einfach, und sprechen eine deutliche Sprache. Zumal es bei der Aufnahme von Feuchtigkeit, und damit dem Schimmelschutz, ähnlich gelagert ist.

Fazit: Salzwasser-Befeuchter sind der Industriestandard

Wer viel Mühe in die Aufzucht seiner Blüten steckt oder einen hohen Qualitätsstandard von den Blüten aus der Apotheke erwartet, sollte sich demnach Gedanken machen, wie die Lagerung zu gestalten ist. So sind auch die bisher im Markt befindlichen Verpackungen von medizinischem Cannabis bisher am nur bedingt geeignet, die Austrocknung und damit den Terpenverlust wirkungsvoll zu verhindern. Professionelle Befeuchtungslösungen stellen daher eine gute und günstige Hilfe dar – auch wenn man dort unbedingt auf Qualität achten sollte, um zu verhindern, dass wertvolle Stoffe in die freie Natur zurückgehen, bevor sie im menschlichen Körper waren. 

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