Cannabis ist eine faszinierende Pflanze. Die Tatsache, dass die weibliche Pflanze THC-reiche Blüten produziert, um sich vor natürlichen Fressfeinden zu schützen und genau deshalb bei den Menschen so beliebt ist, ist ein wahres Wunder der Natur. Um genau diese Blüten geht es in diesem Artikel, genauer gesagt um die richtige Art des Curing von Cannabis, bei dem über mehrere Wochen oder sogar Monate hinweg ein kontrollierter Fermentationsprozess stattfindet.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Begriffserklärung: Curing vs. Fermentieren
- Der Prozess – Was ist Fermentation?
- Ein Einsteiger-Guide zur Fermentation
- Was beim Curing biochemisch abläuft
- Wasseraktivität: die Messgröße hinter dem Prozess
- Warum das Curing vor allem das Aroma verändert
- Glas, Wasser oder Beutel: drei Verfahren im Vergleich
- Nach dem Curing richtig lagern
- Was das Gesetz nach der Trocknung zählt
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
Begriffserklärung: Curing vs. Fermentieren
Da die Cannabisindustrie primär in englischsprachigen Ländern erfolgreich ist, findet, wie auch sonst so oft, eine Verschleppung des Englischen in die deutsche Sprache und, vor allem, den Alltagsgebrauch statt. Auf Englisch heißt der Vorgang des Fermentierens „curing“, also sind diese Begriffe im Gebrauch als Bezeichnung für den Fermentationsprozess beide korrekt und bezeichnen dasselbe.
Der Prozess – Was ist Fermentation?
Unter Fermentation versteht man das kontrollierte Lagern von Cannabis mit korrekter Lüftung über einen größeren Zeitraum. Man kann mit dem Fermentieren beginnen, sobald die Blüten getrocknet und damit trocken genug für die Weiterverarbeitung sind. Ziel des Prozesses ist es, stark duftende und geschmacklich intensive Blüten zu erhalten, die, ähnlich gereiftem Wein, ihren jungen, nicht fermentieren Schwestern, um Weiten voraus sind. Dieser Effekt entsteht dank der Fermentation, also der Umwandlung von organischer Materie in Säure, Gas oder Alkohol.
Es wird bei der Bierherstellung verwendet und auch für die Milchherstellung eingesetzt und kann auch Cannabis zu mehr Potenz und Geschmack verhelfen. Fermentation wirkt durch das Einschließen der Blüten in einem luftdichten Gefäß, sodass kein Sauerstoff an sie gelangt. Es ist sehr wichtig, dass die Blüten in einer keimfreien Umgebung in die Gläser kommen und diese steril sind. Nach einiger Zeit beginnen die verbliebenen Stoffe in den Blüten, durch Mikroorganismen zersetzt und umgewandelt zu werden, sodass aus ihnen andere Stoffe werden.
Die THC-Säure, die in den Trichomen gebildet wird, profitiert enorm von diesem Prozess, denn durch ihn wird sie in das psychoaktive Delta-9-THC verwandelt, das weltweit so beliebt ist. Es steigert also die Potenz der Blüten, wenn man sie fermentiert. Ein weiterer positiver Effekt des Fermentierens ist, dass sich das, von vielen Cannabiskonsumenten verhasste, Chlorophyll auflöst und dadurch die Blüten beim Rauchen/Vaporisieren wesentlich milder im Geschmack sind. Diese mikrobiologischen Prozesse, die in den Blüten stattfinden, benötigen jedoch eine Weile, mindestens 3 Wochen, bevor sie alle Stoffe umgewandelt haben und das Cannabis damit konsumierbar ist. Es ist die Königsdisziplin unter den Cannabisproduzenten, da es Geduld, Kontrolle und Präzision verlangt, um große (aber auch kleine) Mengen Cannabis diesem Prozess zu unterziehen.
Ein Einsteiger-Guide zur Fermentation
Nun, da klar ist, wobei es sich um Fermentation handelt, wird es Zeit, die praktische Seite zu beleuchten. Wichtig ist, wie oben bereits erwähnt, für eine keimfreie/sterile Umgebung, sowie keimfreie Behälter zu sorgen. Zusätzlich ist zu beachten, dass die Behälter nicht über 22 Grad gelagert werden und die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt ist. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist, dass die Behälter regelmäßig gelüftet werden, am besten für eine Stunde, sowie täglich auf Schimmel überprüft werden müssen.
Für Beginner eignen sich Einmachgläser, die vorher ausgekocht wurden, da diese günstig und widerstandsfähig sind. Die Blüten müssen jetzt in die Gläser gelegt werden, wobei es wichtig ist, dass die Blüten genug „Platz zum Atmen“ haben, also genügend Platz zwischen den Blüten ist. Innerhalb der Gläser verteilt sich die Feuchtigkeit nun gleichmäßig, was dazu führt, dass die Blüten gleichmäßiger, langsamer und damit besser trocknen. Da die Feuchtigkeit in den ersten Tagen allgegenwärtig ist, müssen die Gläser jeden Tag ein- bis zweimal für mindestens eine Stunde geöffnet werden. So kann die überflüssige Feuchtigkeit entweichen und es kommt neuer Sauerstoff an die Blüten, was die Prozesse weiter ankurbelt. Wenn die Gläser nicht ausreichend belüftet werden oder beim Befüllen nicht ganz keimfrei waren, ist Schimmel vorprogrammiert. Deshalb ist eine Kontrolle der Blüten mehrmals täglich von großem Wert und sollte nicht vernachlässigt werden. Nach etwa einer Woche, oder sobald erste Anzeichen von Schimmel auftreten, sollten die Gläser ausgetauscht werden, damit die Pflanzen in einer sterilen Umgebung weiterarbeiten können.
Nach etwa drei Wochen sollte die Feuchtigkeit so weit entwichen sein, dass die Blüten nur noch sehr langsam arbeiten und nur noch das Chlorophyll, also das Blattgrün, aus den Blüten entweicht. Je länger man die Blüten fermentiert, desto milder werden sie im Geschmack und desto besser wird das Raucherlebnis, doch 3 Wochen reichen bereits aus, um die Qualität der Blüte eindeutig zu erhöhen.
TIPP: Falls die Blüten während der Fermentation zu trocken werden, kann einfach eine Scheibe Obst zu ihnen ins Glas gelegt werden, das nach einigen Stunden wieder entfernt wird. So kann sogar ein leichtes Fruchtaroma erzielt werden und die Blüten werden befeuchtet.
Was beim Curing biochemisch abläuft
Im Glas laufen drei Vorgänge gleichzeitig ab, die sich in ihrer Geschwindigkeit stark unterscheiden. Der schnellste ist der reine Feuchteausgleich. Blüten trocknen von außen nach innen, der Kern bleibt länger feucht als die Oberfläche. Im geschlossenen Behälter gleicht sich dieses Gefälle innerhalb weniger Stunden aus, weshalb sich die Buds am Morgen nach dem Befüllen wieder weicher anfühlen als am Abend zuvor.
Der zweite Vorgang ist der pflanzeneigene Abbau von Pigmenten und Restzuckern. Für den Chlorophyllabbau ist eine Enzymkette zuständig, die in jeder Blüte bereits vorhanden ist. Zuerst löst eine Magnesium-Dechelatase das zentrale Magnesiumion aus dem Chlorophyll, es entsteht Pheophytin. Eine Pheophytinase spaltet daraufhin den fettlöslichen Schwanz ab, das Zwischenprodukt heißt Pheophorbid. Erst wenn eine Pheophorbid-a-Oxygenase den Farbstoffring öffnet, verschwindet das Grün endgültig. Genau dieser Schritt ist der Grund, warum lange gereifte Blüten milder schmecken und ihre Sortenfarben deutlicher zeigen.
Der dritte Vorgang ist der langsamste. Cannabinoidsäuren geben bei Raumtemperatur nach und nach ihr Kohlendioxid ab, gleichzeitig verschiebt sich das Verhältnis der Aromastoffe zueinander. Beides dauert Monate statt Wochen. Welche Aromastoffe dabei die Hauptrolle spielen, entscheidet am Ende darüber, wie die Sorte riecht.
Wasseraktivität: die Messgröße hinter dem Prozess
Wer das Curing kontrollieren will, braucht eine Zahl statt eines Gefühls. Die Fachbranche nutzt dafür nicht den Restfeuchtegehalt, sondern die Wasseraktivität, abgekürzt aw. Sie beschreibt nicht, wie viel Wasser im Material steckt, sondern wie viel davon chemisch und mikrobiologisch verfügbar ist. Praktisch entspricht der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit, die sich im geschlossenen Glas über den Blüten einstellt. Ein Hygrometer im Behälter liefert also eine brauchbare Näherung, ohne dass ein Labormessgerät nötig wäre.
Für getrocknete Cannabisblüten gibt es dafür eine eigene Spezifikation. Die Norm ASTM D8197 legt einen Zielkorridor von 0,55 bis 0,65 aw fest, was 55 bis 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit im Kopfraum entspricht. Die obere Grenze ist eine Sicherheitsgrenze. Oberhalb von 0,65 aw finden Schimmelpilze und Hefen genug verfügbares Wasser, um zu wachsen. Die untere Grenze ist eine Qualitätsgrenze. Unterhalb von 0,55 aw kommt die enzymatische Reifung praktisch zum Erliegen, die Trichome verlieren ihre schützende Wasserhülle und flüchtige Terpene verdunsten schneller.
Damit ist auch der scheinbare Widerspruch aufgelöst, der in vielen Anleitungen steckt. Im Korridor zwischen 0,55 und 0,65 aw wachsen Mikroorganismen gerade nicht mehr nennenswert. Was in dieser Zone weiterarbeitet, sind die pflanzeneigenen Enzyme. Das Curing ist deshalb kein Prozess, den man anfeuert, sondern einer, den man in einem engen Fenster hält. Wer den Wert kennt, braucht die tägliche Sichtkontrolle trotzdem, weiß aber, ob er zu feucht oder zu trocken unterwegs ist.
| Phase | Zeitraum | Zielwert im Glas | Lüften | Woran man den Fortschritt erkennt |
|---|---|---|---|---|
| Nachtrocknen vor dem Glas | 7 bis 14 Tage | noch oberhalb von 0,65 aw | entfällt, die Blüten hängen frei | Dünne Stängel knacken beim Biegen, statt sich nur zu biegen |
| Erste Woche im Glas | Tag 1 bis 7 | 0,62 bis 0,65 aw | ein- bis zweimal täglich für mindestens eine Stunde | Die Buds fühlen sich am Morgen wieder weicher an als am Vorabend |
| Zweite und dritte Woche | Tag 8 bis 21 | 0,58 bis 0,62 aw | jeden zweiten Tag für einige Minuten | Der heuartige Grasgeruch weicht dem eigentlichen Sortenaroma |
| Ab der vierten Woche | ab Tag 22 | 0,55 bis 0,62 aw | einmal wöchentlich zur Kontrolle | Der Rauch kratzt spürbar weniger im Hals |
| Langzeitreifung | 2 bis 6 Monate | 0,55 bis 0,60 aw | nur noch bei der Sichtkontrolle | Das Aroma wird runder und verschiebt sich ins Würzige |
Wer den Korridor ohne tägliches Nachjustieren halten will, greift zu Feuchtigkeitsregulatoren. Diese kleinen Beutel geben Wasser ab oder nehmen es auf, bis sich der aufgedruckte Wert eingestellt hat. Für das Curing sind 62 Prozent die übliche Wahl, für die spätere Lagerung wählen viele 58 Prozent. Sie ersetzen das Lüften in den ersten Tagen nicht, denn zu Beginn muss echte Feuchtigkeit aus dem Glas heraus und nicht nur umverteilt werden.
Warum das Curing vor allem das Aroma verändert
Die Umwandlung der Tetrahydrocannabinolsäure in Delta-9-THC läuft während der Reifung tatsächlich mit, sie ist allerdings eine Frage der Temperatur. Kinetische Untersuchungen beschreiben sie als Reaktion erster Ordnung. Bei Raumtemperatur liegt die Halbwertszeit im Bereich mehrerer hundert Tage, im Dunkeln gelagert länger als im Licht. In drei Wochen bei 20 Grad Celsius wandelt sich deshalb nur ein kleiner Teil der Säure um.
Genau darum existiert für die Küche ein eigener Arbeitsschritt. Wer Blüten für Gebäck oder Öl nutzt, erhitzt sie gezielt, statt auf die Lagerzeit zu setzen. Die Temperaturen und Zeiten dafür stehen in unserem Beitrag zur Decarboxylierung beim Kochen mit Cannabis. Für den Rauch- oder Verdampfergebrauch spielt der Punkt keine Rolle, weil die Hitze den Schritt ohnehin in Sekunden erledigt.
Messbar verändert sich dagegen das Aromaprofil. Untersuchungen zum Trocknen und Reifen finden nach einer Woche Trocknung bereits rund ein Drittel weniger Terpene als in der frischen Blüte, nach drei Monaten Trocknen und Curing über die Hälfte. Der Verlust trifft die Stoffgruppen unterschiedlich. Leichte Monoterpene wie Myrcen und Limonen verflüchtigen sich rasch, schwerere Sesquiterpene wie Caryophyllen und Humulen bleiben länger erhalten. Ihr Anteil am verbleibenden Aroma steigt dadurch sogar. Das erklärt, warum gut gereiftes Cannabis weniger frisch-fruchtig und dafür würziger und holziger riecht als frisch getrocknetes.
Glas, Wasser oder Beutel: drei Verfahren im Vergleich
Das Curing im Einmachglas ist der Standard, weil es nichts kostet und sich jederzeit kontrollieren lässt. Daneben haben sich zwei Alternativen etabliert, die etwas anderes leisten. Beim Water Curing werden die Blüten mehrere Tage in täglich gewechseltes Wasser gelegt. Wasserlösliche Bestandteile werden dabei buchstäblich ausgewaschen, das Ergebnis raucht sehr mild und verliert gleichzeitig einen großen Teil seines Aromas. Wie das Verfahren im Detail funktioniert und für wen es sich lohnt, steht in unserem Beitrag zum Water Curing mit Wasser statt Luft.
Die dritte Variante sind Spezialbeutel aus mehrlagigen Kunststofffolien. Sie lassen Kohlendioxid entweichen, halten Sauerstoff und Feuchtigkeit aber weitgehend zurück. Das Lüften entfällt damit, der Feuchtekorridor stellt sich von selbst ein. Für kleine Mengen ist das teurer als ein Glas, für größere Ernten spart es viel Handarbeit.
Ein Blick auf die Herkunft des Wortes lohnt sich an dieser Stelle. Der Begriff Fermentation stammt aus der Tabakverarbeitung. Dort werden Blätter zu großen Haufen geschichtet, in denen die Temperatur durch die eigene Stoffwechselwärme deutlich über die Umgebungstemperatur steigt. Dieses Verfahren ist ein anderer Vorgang als die kühle, kontrollierte Reifung im Glas, auch wenn beide dasselbe Ziel verfolgen. Eine ältere Betrachtung dieser Parallele findet sich in unseren theoretischen Gedanken zum Fermentieren.
Nach dem Curing richtig lagern
Irgendwann ist die Reifung abgeschlossen und aus dem Curing wird Lagerung. Der Übergang ist fließend, praktisch gilt er als erreicht, wenn sich der Feuchtewert über zwei Wochen nicht mehr verändert und das Aroma stabil bleibt. Ab diesem Punkt schadet häufiges Öffnen mehr, als es nützt, denn jeder Luftwechsel trägt Aromastoffe aus dem Glas.
Die drei Größen, die jetzt zählen, sind Licht, Sauerstoff und Temperatur. Licht baut Cannabinoide ab, weshalb dunkles Glas oder ein geschlossener Schrank die einfachste Maßnahme ist. Kühle Lagerung verlangsamt sämtliche Abbaureaktionen, der Kühlschrank ist wegen der Kondenswasserbildung beim Herausnehmen dennoch keine gute Idee. Welche Behälter sich bewähren und welche Fehler die Qualität am schnellsten kosten, ist in unserem Beitrag zur richtigen Lagerung zum Qualitätserhalt zusammengefasst.
Was das Gesetz nach der Trocknung zählt
Für Homegrower fällt die rechtlich entscheidende Messung genau an der Schwelle an, an der das Curing beginnt. Das Konsumcannabisgesetz knüpft seine Mengengrenzen ausdrücklich an das getrocknete Material. In § 3 Absatz 1 KCanG ist der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis erlaubt, und zwar bei Blüten, blütennahen Blättern oder sonstigem Pflanzenmaterial ausdrücklich bezogen auf das Gewicht nach dem Trocknen. Absatz 2 erlaubt am Wohnsitz oder am gewöhnlichen Aufenthalt bis zu 50 Gramm nach derselben Bezugsgröße, dazu bis zu drei lebende Pflanzen.
Dieser Halbsatz wird in vielen Ratgebertexten übergangen, obwohl er praktisch den Unterschied macht. Frisch geschnittene Blüten bestehen zum größten Teil aus Wasser und verlieren beim Trocknen den Großteil ihres Gewichts. Wer die Frischmasse wiegt, kommt deshalb zu einer Zahl, die mit der gesetzlichen Grenze nichts zu tun hat. Erst am Ende der Trocknung steht fest, wie viel Material tatsächlich zählt. Das anschließende Curing verändert daran kaum noch etwas, weil zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Prozentpunkte Restfeuchte ausgeglichen werden.
Ebenso häufig zu lesen ist die Behauptung, überschüssiges Erntegut müsse vernichtet werden. Eine ausdrückliche Vernichtungspflicht für Privatpersonen enthält das Gesetz nicht, sie steht dort für Anbauvereinigungen. Aus der Mengengrenze folgt aber, dass Material oberhalb von 50 Gramm am Wohnsitz nicht mehr vom erlaubten Besitz gedeckt ist. Wer diese Rechnung schon vor der Ernte aufmacht, plant die Erntemenge anders. Wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, klärt unser Beitrag zur Frage, wann man Hanf ernten soll.
Häufige Fragen zum Cannabis-Curing
Wie lange muss man Cannabis fermentieren?
Mindestens drei Wochen sollten die Blüten in den Einmachgläsern verbringen, bevor die mikrobiologischen Prozesse vollständig abgelaufen sind. Wer ein deutlich milderes Aroma und stärkere Potenz möchte, kann die Fermentation auf zwei bis sechs Monate ausdehnen, vergleichbar mit der Reifung eines guten Weins.
Bei welcher Temperatur läuft das Cannabis-Curing optimal?
Die Behälter sollten konstant unter 22 °C gelagert werden. Höhere Temperaturen begünstigen Schimmelbildung und beschleunigen den Abbau wertvoller Terpene. Ideal ist ein dunkler, kühler Raum mit gleichmäßiger Temperatur, Schwankungen sollten möglichst vermieden werden.
Was ist der Unterschied zwischen Curing und Fermentieren?
Beide Begriffe meinen denselben Prozess: das kontrollierte Lagern getrockneter Cannabisblüten in luftdichten Gläsern. „Curing“ ist die englische Bezeichnung, die sich aus der internationalen Cannabis-Szene in den deutschen Sprachgebrauch eingebürgert hat. „Fermentieren“ ist der deutsche Fachbegriff für denselben mikrobiologischen Reifungsvorgang.
Wie verhindert man Schimmel beim Curing?
Die Gläser müssen vorab steril ausgekocht werden, die Blüten dürfen nicht zu feucht eingelegt werden und die Behälter sind in den ersten Tagen täglich ein- bis zweimal für mindestens eine Stunde zu öffnen. So entweicht überschüssige Feuchtigkeit und frischer Sauerstoff erreicht die Blüten. Eine tägliche Sichtkontrolle ist Pflicht.
Wie lange muss Cannabis vor dem Curing trocknen?
Vor dem eigentlichen Curing sollten die Blüten rund 7 bis 14 Tage an der Luft trocknen, bis die dünnen Stängel beim Biegen leicht knacken, statt sich nur zu biegen. Erst dann wandern sie in die Einmachgläser. Wie schnell dieser Punkt erreicht ist, hängt stark von der Sorte ab – schnell blühende Autoflower-Genetiken wie die preisgekrönte Voyager F1 bringen oft besonders kompakte Buds hervor, die etwas länger nachtrocknen müssen.
Was ist Water Curing und wann lohnt es sich?
Beim Water Curing werden die Blüten einige Tage in täglich gewechseltes Wasser gelegt, um wasserlösliche Stoffe wie Chlorophyll herauszuspülen. Das Ergebnis raucht sehr mild, kostet aber Aroma und Optik. Wer Wert auf kompromisslose Blütenqualität und ein volles Terpenprofil legt, bleibt beim klassischen, langsamen Curing im Glas – es erhält die Aromastoffe deutlich besser.
Welche Luftfeuchtigkeit sollte im Curing-Glas herrschen?
Ein Hygrometer im Glas sollte 55 bis 65 Prozent relative Luftfeuchtigkeit anzeigen. Dieser Korridor entspricht der Wasseraktivität von 0,55 bis 0,65 aw, die die Spezifikation ASTM D8197 für getrocknete Cannabisblüten vorgibt. Oberhalb davon wird Schimmel wahrscheinlich, unterhalb davon stoppt die enzymatische Reifung und die Terpene verflüchtigen sich schneller.
Woran erkennt man, dass das Curing abgeschlossen ist?
Das beste Anzeichen ist ein stabiler Feuchtewert. Verändert sich die Anzeige im Glas über zwei Wochen nicht mehr und bleibt das Aroma gleich, ist die Reifung im Wesentlichen durch. Der zweite Hinweis ist der Geruch selbst. Solange die Blüten noch heuartig oder nach frischem Grün riechen, arbeitet der Chlorophyllabbau weiter.
Wird Cannabis durch das Fermentieren stärker?
Die Umwandlung der Säureform in Delta-9-THC läuft bei Raumtemperatur mit, aber sehr langsam. Kinetische Messungen beschreiben Halbwertszeiten im Bereich mehrerer hundert Tage. In drei Wochen im Glas verändert sich der Wirkstoffgehalt deshalb nur wenig. Deutlich spürbar ist dagegen, dass der Rauch milder wird und das Sortenaroma hervortritt.
Warum riecht frisch getrocknetes Cannabis nach Heu?
Der Geruch stammt von Chlorophyll und von Abbauprodukten der Blattzellen, die nach dem Schnitt noch in der Blüte stecken. Erst die pflanzeneigene Enzymkette baut den Farbstoff über mehrere Zwischenstufen ab. Solange dieser Vorgang läuft, überdeckt die grasige Note das eigentliche Aroma der Sorte.
Wie viel Cannabis darf man nach der Ernte zu Hause aufbewahren?
Das Konsumcannabisgesetz erlaubt Erwachsenen am Wohnsitz bis zu 50 Gramm, außerhalb bis zu 25 Gramm. Beide Grenzen beziehen sich laut § 3 KCanG ausdrücklich auf das Gewicht nach dem Trocknen. Die Frischmasse direkt nach dem Schnitt ist also nicht der Maßstab, entscheidend ist erst das getrocknete Material vor dem Einlagern ins Glas.
Weiterführend: Der ganzheitliche Cannabis-Guide zu Ernten, Trocknen und Curen deckt jeden Schritt von der Erntereife bis zum perfekten Buds-Aroma ab.







































