Cannabis und Urtikaria

Nahezu jeder Mensch wird im Verlaufe seines Lebens mindestens einmal von der Nesselsucht bzw. Urtikaria geplagt. Jeder versteht den Stress, welche die nervigen Quaddeln auf der Haut verursachen. Erfreulicherweise hat sich das Cannabis als eine erwünschte Behandlungsmethode dieser Erkrankung etabliert.

Was ist die Urtikaria?

Bekannter ist diese Krankheit vermutlich als Nesselsucht. Symptomatisch treten Rötungen, Quaddeln, Pruritus und/oder Angioödeme auf. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Sorten dieser Krankheit, eine akute spontane Urtikaria, welche in der Regel einige Tage lang andauert und eine chronische Form, welche ohne Pause über mindestens sechs Wochen erfolgt.

Rund 10 bis 25 % aller Menschen leiden im Verlaufe ihres Lebens mindestens einmal unter einer akuten spontane Urtikaria. Damit zählt die Nesselsucht zu einer der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Besonders Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren sind von ihr betroffen, Kinder können jedoch auch daran erkranken.

Die chronisch spontane Urtikaria quält hingegen nur 0,5 bis 1 % der Bevölkerung. Hier sind Frauen häufiger als Männer betroffen. Um das 50. Lebensjahr herum ist man am anfälligsten für dieses Leiden.

Die Ursachen der Nesselsucht 

Ausgelöst wird die Urtikaria in der Regel durch sogenannte immunologische Prozesse, also durch Fehlreaktion des eigenen Immunsystems. Diese führen bei der Urtikaria zu einer Histaminfreisetzung aus Mastzellen. Die Permeabilität, also die Durchlässigkeit, der Blutgefäße in der Haut erhöht sich, wodurch sogenannte Ödeme innerhalb der Haut entstehen sie treten in Form der unangenehmen Quaddeln auf.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Formen der Urtikaria, von ihrem Grundprinzip her sind alle nahezu gleich. Als Auslöser treten einige Medikamente auf, so beispielsweise Aspirin oder ACE-Hemmer. Autoimmunerkrankungen oder auch allergische Reaktionen durch bestimmte Lebensmittel können diese lästige Erkrankung auslösen.

Die chronisch spontane Form der Nesselsucht entsteht hingegen häufiger als Folge von entzündlichen oder infektiösen Krankheiten. Ganz besonders Infektionen im eigenen Verdauungsapparat haben häufig eine Nesselsucht zur Folge, genauso wie derartige Erkrankungen im Nasen-Rachenbereich. 

Die Entwicklung

Bei der akuten spontanen Urtikaria sind ganz besonders die Mastzellen an der symptomatischen Erscheinung beteiligt. Nach ihrer Aktivierung setzen sie über einige Mechanismen hinweg Histamin und weitere entzündungsvermittelnde Substanzen frei. Dabei kann diese Aktivierung durch zahlreiche Reaktion ausgelöst werden. Durch die entzündungshemmenden Stoffe weiten sich die Blutgefäße und werden zudem durchlässiger. Optisch macht sich das durch Rötungen und Ödembildung sichtbar, im Alltagsgebrauch nennt man diese Erscheinung „Quaddeln”. Bei diesem ganzen Prozess werden die Hautnerven aktiviert, weshalb der lästige Juckreiz entsteht. Einige weitere Faktoren bewirken auch, dass sich die Reizschwelle verändert, die Voraussetzungen für eine Wahrnehmung an dieser Hautstelle sind anders.

Über die Entstehung der chronisch spontanen Urtikaria ist man sich hingegen nicht so sicher. Vermutlich steckt eine Typ-1 Autoimmunität dahinter, bei welcher IgE-Autoantikörper über Umwege an Mastzellen gebunden werden, wodurch diese degranulieren. Des Weiteren erhöht sich die Mastzell-Zahl und weitere mikrobiologische im Körper durchlaufen Veränderungen, wobei die Ausführung dieser an dieser Stelle zu detailreich wäre. Letzten Endes können ganz besonders diese Details falsch sein, da es sich hier nur um eine offizielle Hypothese handelt.

Die symptomatischen Erscheinungen

Allem voran bemerkt man eine Nesselsucht an den Quaddeln, die sich auf der Haut bilden. Dabei erfüllen diese drei Kriterien, an erster Stelle sind sie flüchtig, verschwinden also wieder nach bis zu 24 Stunden. Dazu liegt ein Juckreiz vor, der seltener auch als Brennen interpretiert werden kann. Auch liegt eine oberflächliche Schwellung der Haut vor, welche im Normalfall von einem Erythem umgeben ist.

Nun kann es vorkommen, dass eine solche Schwellung innerhalb der tieferen Hautschichten vorliegt. Dann fehlen die typischen Quaddeln und stattdessen machen sich unscharf begrenzte, teigig anmutende Angioödeme breit. Diese werden durch drei Kriterien bestimmt, an erster Stelle treten sie plötzlich auf und befinden sich in tieferen Hautschichten. Des Weiteren kann man häufig eine Beteiligung der Schleimhäute dingfest machen. Eine Rückbildung der Angioödeme dauert überdies manchmal bis zu 72 Stunden.

Bei etwa der Hälfte aller Fälle ist eine Nesselsucht auch durch Angioödeme begleitet. Wenn diese im Hals-Nasen-Ohrenbereich auftreten, können sie tödliche Konsequenzen mit sich ziehen.

Außerdem kann die Größe der Quaddeln stark variieren, sie reicht von einigen Millimetern bis hin zur Handtellergröße. In manchen Fällen bewegt sich die Urtikaria über den gesamten Körper, wobei die Rückbildung einer akuten Urtikaria meistens drei bis vier Stunden beansprucht. Neben einer Einschränkung der Lebensqualität führt die Nesselsucht zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit in Arbeit und Schule.

Die Diagnostik dieser Krankheit

Diagnose der Urtikaria orientiert sich an der jeweiligen Ursache. Wenn beispielsweise eine sogenannte physikalische Urtikaria vorliegt, so probiert man diese anhand von physikalischen Provokationstests zu bestätigen. Hierfür kühlt man beispielsweise eine Hautstelle übermäßig ab und wartet die Reaktion ab, man kann der Haut auch besonders viel Licht aussetzen, je nachdem welche Ursache vermutet wird.

Ansonsten kann noch eine Nahrungsmittelallergie diagnostiziert werden. Im häufigsten Fall handelt es sich um eine sogenannte pseudoallergische Reaktion auf einzelne Nahrungsbestandteile. Diese testet man durch eine pseudoallergenarme Diät, welche mindestens vier Wochen in Anspruch nimmt. Mehr Details dazu erhalten Sie natürlich von Ihrem Arzt.

Die Therapie ohne Cannabis

Wie bei der Diagnose richtet sich auch die Therapie nach dem Auslöser dieser Krankheit. Hauptsächlich probiert man, die Symptome einzuschränken. Maßgebend am Prozess der Quaddelbildung beteiligt ist ein Effekt, den Histamin auf die H1-Rezeptoren von Endothelzellen und sensorischen Nerven hat. Die Endothelzellen bedingen die Quaddeln, die sensorischen Nerven verursachen den Juckreiz. Bei diesem Ansatz probiert man, eine H1-Rezeptorblockade durchzuführen, was über entsprechende Medikamente abläuft.

Diese Therapie wird zwei Wochen lang durchgeführt. Wenn anschließend keine Besserung eintritt, wird schrittweise die Dosierung erhöht. Wenn die vierfache Dosis erreicht ist und ein bis vier Wochen lang die Beschwerden erhalten geblieben sind, sollte entweder das Medikament gewechselt werden oder das Omalizumab zusätzlich eingenommen werden. Im Normalfall verschwinden die Symptome durch diese Therapie spätestens jetzt.

Wie kann Cannabis helfen?

Das therapeutische Potenzial von Cannabis ist inzwischen weltbekannt. Der medizinische Gebrauch wird in immer mehr Ländern legalisiert. Es ist bereits klinisch bestätigt, dass Cannabis bei zahlreichen Hautkrankheiten helfen kann, so auch bei der Urtikaria.

Maßgebend ist das auf die entzündungshemmenden Eigenschaft der Cannabinoide zurückzuführen. Es gibt zahlreiche Studien, welche die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD und THC belegen. Da es sich bei den Quaddeln der Urtikaria lediglich um Entzündungen handelt, kann man sich an dieser Stelle Abhilfe durch Cannabis versprechen.

Neben dem Cannabidiol und dem Tetrahydrocannabinol sind noch zahlreiche weitere Cannabinoide in der Cannabispflanze enthalten, so CBN, CBG, CBC und auch CBA. Diese haben sich klinisch durch ihre starken antifungischen und antibiotischen Effekte ausgezeichnet, welche bei der Genesung der Haut Wunder helfen

Eine Studie der Universität Nottingham aus dem Jahr 2007 beweist, dass durch Cannabinoide die Keratinozytenproduktion gehemmt wird. Die meisten Zellen der menschlichen Haut zählen zu dieser Klasse. Darum eignen sich Cannabispräparate hervorragend gegen Schuppenflechte.

Bestätigt wurde diese Studie im Jahr 2011 und 2013. Hier wurde belegt, dass die Aktivierung der CB1-Rezeptoren nicht nur die Keratinozytenproduktion verringert, sondern auch die Bildung einer Entzündung. Über komplexe Mechanismen greifen die Cannabinoide in die Histaminfreisetzung ein. Im Übrigen kann man auch Hautkrebserkrankungen durch Cannabinoide vorbeugen.

Die Therapie mit Cannabis in der Praxis

Die Therapie mit Cannabis kann auf zahlreichen unterschiedlichen Arten und Weisen erfolgen. Zum einen muss man zwischen CBD- und THC-Präparaten unterscheiden. Legal auf dem freien Markt erwerbbar sind Präparate mit CBD. Diese enthalten lediglich Cannabidiol und sie wirken nicht psychoaktiv. Cannabispflanzen mit THC sind in Deutschland illegal, außer man hat ein Rezept vom Arzt.

Prinzipiell eignen sich beide Arten für die Therapie der Urtikaria. Dabei ist es vergleichsweise aufwändig, sich ein Rezept für Cannabis lediglich für die Urtikaria zu besorgen. Das macht lediglich dann Sinn, wenn man noch weitere Krankheiten hat, die man therapieren möchte oder wenn man an der chronisch spontanen Urtikaria leidet. Ansonsten kann man sich von normalem Cannabis jedoch therapeutisch mehr Nutzen erhoffen, da hier auch das Cannabinoid THC mit all seinen Vorzügen enthalten ist. Über die psychoaktive Wirkung wird auch ein schmerzlindernder Effekt eintreten.

Beim Hausarzt sollte man anfragen, welche Präparate am geeignetsten für die Therapie sind. Bei der Urtikaria wird man vermutlich kein Gas zum oralen Konsum ausgehändigt bekommen. Wahrscheinlicher sind etwaige Präparate in Form von Cremes oder Ölen. In jedem Fall wird der Arzt natürlicherweise genauere Anweisungen geben.

Unterdessen kann man etwaige CBD-Präparate nicht nur völlig legal erwerben, sondern auch in zahlreichen Konsumformen. Für die Nesselsucht empfiehlt sich hier ganz besonders die Verwendung als Creme. Auf die betroffene Hautstelle sollte man diese auftragen und anschließend die Linderung genießen.

In Symbiose mit dieser Therapie würde die zusätzliche Einnahme eines Öls ergänzend wirken. Von einem entsprechenden CBD-Öl gibt man zweimal täglich zwei bis fünf Tropfen unterhalb der Zunge in den Mundraum. Anschließend muss das Präparat für rund 60 Sekunden einwirken, bevor es geschluckt werden darf. Für eine schnelle Linderung ist es am sinnvollsten, wenn man eine Creme aufträgt und das Öl zusätzlich einnimmt.

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