Chronische Schmerzen bei älteren Patienten sind eine erhebliche medizinische Herausforderung. Ein beträchtlicher Teil der Personen über 65 ist davon betroffen. Viele dieser chronischen Schmerzen können mit konventionellen Analgetika nicht vollständig beseitigt werden, wodurch die Lebensqualität drastisch beeinträchtigt wird.
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Hinzu kommt das Problem, dass ältere Menschen häufig eine ganze Reihe an Medikamenten einnehmen, wodurch bei vielen Schmerzmitteln eine erhöhte Gefahr von Wechselwirkungen besteht. Trotz weiterer Dämonisierung dieser Pflanze rückt Hanf zunehmend als fast nebenwirkungsfreie Alternative in den Fokus. Eine kürzlich veröffentlichte deutsche Studie ging der Frage nach, wie sich CBD-reiche Cannabisextrakte im Vergleich zu Dronabinol bzw. reinem THC in ihrer Fähigkeit, chronische Schmerzen zu lindern, unterscheiden.
Daten von fast 1.000 Cannabispatienten analysiert
Im Rahmen der CARE-Studie – einer retrospektiven Studie auf Basis von Daten des deutschen Schmerzregisters, wurden die Daten von 968 Patienten analysiert. Alle Patienten waren mindestens 65 Jahre alt und litten seit Jahren an chronischen Schmerzen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen mit jeweils 484 Personen unterteilt. Eine Gruppe bekam zur Behandlung ein Hanfextrakt in oraler Darreichungsform, welches deutlich mehr CBD als THC enthielt, während die andere Gruppe Dronabinol erhielt, was pharmakologisch reinem THC entspricht. Bei beiden Gruppen wurden jeweils über einen Zeitraum von 24 Wochen die aufgezeichneten Schmerzdaten analysiert, um die Effektivität der verschiedenen Cannabiszubereitungen zu evaluieren.
Die Schmerzproblematik der Patienten zum Beginn der Einnahme war erheblich: Der Wert auf der VAS-Skala lag bei allen Teilnehmern über 50. Als Grundvoraussetzung, um die Therapie als effektiv einzustufen, wurde ein Rückgang der Schmerzen um mindestens 20 Punkte auf der VAS-Skala oder eine Linderung um 50 % gegenüber dem Ausgangswert angenommen. Die VAS-Skala ist ein Punktesystem, bei dem Patienten die subjektiv empfundene Schmerzintensität von 0 bis 100 angeben können. Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der Wirksamkeit war, dass die Schmerzlinderung konstant über 24 Stunden aufrechterhalten werden konnte und auch der Nachtschlaf verbessert wurde.
Hanfextrakt als klarer Sieger
Beide Behandlungsmethoden führten zu einer Verbesserung, wobei das CBD-reiche Hanfextrakt im Vergleich zu Dronabinol erheblich besser abschnitt. Während Patienten, die Hanfextrakt bekommen hatten, in 85,7 % der Fälle das geforderte Mindestmaß an Schmerzlinderung erreichten, waren es bei der Dronabinol-Gruppe lediglich 21,9 %. Auch in ihrer Verträglichkeit unterschieden sich die beiden Darreichungsformen deutlich. Nur 15,5 % der Patienten, die Hanfextrakt erhielten, berichteten über Nebenwirkungen. Bei Dronabinol hingegen waren es 37,5 %.
In der Dronabinol-Gruppe brachen 19,2 % der Patienten die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab, unter den Patienten, die mit Hanfextrakt behandelt wurden, waren es hingegen nur 5,6 %. Als häufigste Nebenwirkungen wurden Schwindel, Kopfschmerzen und Muskelschwäche genannt. Unabhängig davon lässt sich festhalten, dass ein Vollspektrum-Extrakt die erheblich bessere Wahl als ein einzelnes isoliertes Cannabinoid wie THC ist.
Wegfall anderer Schmerzmittel
Nicht nur Schmerzen wurden deutlich gelindert, sondern auch Schmerzmittel konnten durch den Einsatz von Cannabis teilweise abgesetzt werden. Innerhalb von 12 Wochen konnten 70,5 % der Patienten, die ein Hanfextrakt erhalten hatten, mindestens eines der Schmerzmittel weglassen. In der Dronabinol-Gruppe waren es immerhin 38,2 %. Dieser Effekt verstärkte sich bis zum Ende des Beobachtungszeitraums noch deutlich. Bis zur Woche 24 konnten 86,1 % der Patienten, die ein Hanfextrakt bekamen, und 55,1 % in der Dronabinol-Gruppe mindestens ein Schmerzmittel vollständig absetzen.
Da chronische Schmerzen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, waren Depressionen unter den Patienten weit verbreitet. Durch den Einsatz der Cannabiszubereitungen konnte auch der Einsatz von Antidepressiva erheblich reduziert werden. Nach 24 Wochen hatten 78,8 % der CBD-Gruppe und 38,9 % der Dronabinol-Gruppe die Einnahme von Antidepressiva beendet. Die Studie verdeutlicht einmal mehr, dass für den maximalen medizinischen Erfolg stets das Gesamtpaket an Inhaltsstoffen, anstelle eines isolierten Cannabinoids genutzt werden sollte.




















