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Hanffasern beim Häuserbau

Eine Übersicht über die Anwendungsvielfalt

Wer Hanf beim Hausbau einsetzen möchte, kann dies auf viele unterschiedliche Arten tun. Vor allem für die Dämmung von Wänden, Dächern und Fußböden lassen sich Hanffasern einsetzen und auch im Trockenbau kann man durch den Einsatz von Hanf profitieren. Zur Isolation eignet sich der Allrounder auch, und bei der Verlegung einer Fußbodenheizung kann Hanf ebenfalls Vorteile bringen. Wir zeigen die vielfältigen, möglichen Anwendungsgebiete von Hanffasern beim Bau eines Hauses.


Vorteile beim Bauen mit Hanffasern, Hanf-Lehm und Hanfbeton

Das Bauen mit Hanf bringt allein ökologisch gesehen sehr viele Vorteile mit sich und anders als herkömmliche Baustoffe ist Hanffaser zu 100% natürlich und recyclebar. Hanf wächst 50-mal schneller als Holz, benötigt wenig Pflege und braucht keinerlei Pestizide. Noch dazu regeneriert es den Boden und ist somit für die Landwirtschaft eine rentable Option, wenn der Boden nur noch wenig Nährstoffe hat. Häuser, die aus Hanfprodukten gebaut werden haben somit eine positive CO2 Bilanz.

Hanf verfügt außerdem über die positive Eigenschaft, Wärme zu speichern und zu reflektierten. So wird es im Sommer nicht zu heiß und im Winter ist man vor der Kälte geschützt. Gleichzeitig wird die Feuchtigkeit der Raumluft ausgeglichen. Baustoffe aus Hanf sind nicht brennbar und wurden infolgedessen in die Brandschutzklasse A1 eingestuft.

Durch die gute Dämmeigenschaft ist keine zusätzliche Dämmung notwendig – ein weiterer Vorteil ist die Langlebigkeit des Baustoffs. So behält die extrem feste und widerstandsfähige Hanffaser über viele Jahrzehnte gleichbleibend ihre hohe Qualität. Hanfbeton, der aus Kalk, Hanf und Wasser besteht, ist bis zu siebenmal stärker, und ist doppelt so biegsam wie Standardbeton. Wenn der Hanfbeton altert, wird er hart. Dies beeinflusst allerdings nicht die Flexibilität des unkonventionellen Baumaterials. So bricht es bei kleineren Erdbewegungen nicht – wie Beton es tun würde – und kann teilweise Jahrtausende überdauern.

Übersicht: Das ist mit Hanf am Bau möglich

Dämmverfahren – Dächer, Wände, Fußböden und mehr

Mit Hanf-Dämmwolle kann man Dächer sowohl von außen als auch von innen abdichten – das Abdichten von außen ist allerdings die preiswertere Methode. Hanfwolle kommt bei der Dämmung von außen als Zwischensparrendämmung oder Aufsparrendämmung zum Einsatz, Stopfhanf-Dämmwolle für Steildächer und Schütthanf-Dämmwolle für flachere Dächer ohne Dachneigung.

Soll das Dach nicht von Grund auf erneuert werden, lohnt sich allerdings die Dämmung von innen.

Die Hanf-Dämmwolle wird dann zwischen die Sparren und die Sparschalung gebracht. Danach kommen Materialien aus bestimmten Materialien wie Holzweichfaser-, Lehm- oder auch OSB-Platten zum Einsatz. Unterschiedliche Wanddämmungen (halbtrocken und mit Vorsatzschale) sowie die Dämmung der Geschossdecke (Trittschal-, Schall- und Wärmedämmung) sind mit der Hanffaser als Baumaterial auch gut realisierbar, genau wie die herkömmliche Fassadendämmung, mit der die Wärme isoliert wird.

Doch Hanffaser lässt sich nicht nur für das Abdämmen von Dächern und Wänden bzw. Fußböden einsetzen, sondern auch beim Holzrahmenbau. Der Holzrahmenbau ist somit nicht nur preiswert, sondern auch noch aktuell und modern. Doch Hanffaser lässt sich auch in anderen Gewerken gut und effizient einsetzen.

Hanf auf der Baustelle – Trockenbau, Isolierung, Wände und die Fußbodenheizung

Im Trockenbau ist Hanffaser besonders nützlich – mithilfe von Trockenbauplatten und etwas Hanf-Dämmwolle sind ganz schnell Wände gezogen, die Räume trennen können. Doch auch die Trockenbauwand an bestehenden Außen- oder Trennwänden lässt sich mithilfe von Hanffaser aufbauen. Die Vorteile hierbei liegen vor allem darin, dass alle Unebenheiten wegen der Dämmung verschwinden und dass auch nicht rechtwinklige Wände ohne Zuschnitt gedämmt werden.

Hanf-Lehm LLS 400 hingegen kann zum Beispiel für den Wandaufbau im Riegel- und Ständerwerk hilfreich sein. Hanf-Lehm LLS 200 wiederum eignet sich als Schallschüttung für die neue Fußbodenheizung, die lagenweise verlegt wird. Wenn es an die Isolierung von Heizungsarmaturen und Kesseln geht, kann Hanffaser-Dämmwolle wahre Wunder wirken. Hanf ist also nicht nur im Freizeitgebrauch und in der Medizin, sondern auch auf dem Bau immer weiter dabei, sich zu verbreiten und die herkömmlichen Vorgehensweisen zu revolutionieren. Hanfziegel und Hanfbeton mit Hanflehm erfreuen sich außerdem auch immer größerer Beliebtheit.

Im Detail: Wie baue ich richtig, wenn ich Hanffasern verwenden möchte?

Wer mit Hanffaser selbst ein Bauprojekt verwirklichen möchte, darf natürlich nicht einfach drauf los werkeln – er sollte schon wissen, was er tut. Für unsere Leser haben wir deshalb hier auf Basis von Herstellerangaben eine kleine Übersicht über die möglichen Anwendungsfälle von Hanf und das praktische Vorgehen bei der Umsetzung eines Projekts zur Verfügung gestellt.

Dämmung von innen und außen für dichtere Dächer

Die Dachdämmung kann sowohl von innen als auch von außen erfolgen. Wenn nur der Dachboden ausgebaut und nicht das Dach erneuert wird, erfolgt die Dachdämmung von innen. Um die Hanf-Dämmwolle zu platzieren muss zunächst die Sparschalung für die später anzubringenden Platten montiert werden. Danach wird die Hanf-Dämmwolle zwischen den Sparren und der Sparschalung platziert.

Beim Abschluss muss darauf geachtet werden, dass alles möglichst luftdicht ist. Abgedichtet wird beispielsweise mit Holzweichfaser- oder Lehmbauplatten. Bei der Dachdämmung von außen muss innenseitig mindestens eine Sparschalung vorhanden sein damit die Dämmung nicht nach innen fallen kann. Die Hanfdämmwolle wird auch hier zwischen die Sparren gebracht.

Wichtig ist, dass die Hanfdämmung – wie jede andere Dämmung auch – vor Wasser geschützt werden muss. Nass gewordene Dämmwolle muss erst trocknen, bevor sie weiterverarbeitet wird. Um die Geschossdecke zu dämmen, wird die Hanf-Lehm-Schallschüttung LLS 200 schichtweise auf der Decke verteilt, mit einer Hake oder einem Rechen geebnet und mit einem Holzstampfer geglättet und verdichtet. So wird die Decke schall- und wärmeisoliert.

Fassadendämmung durch Unterkonstruktion – Hanf-Lehm LLS400

Bei der Fassadendämmung wird eine Unterkonstruktion an ein Gebäude gehängt und eine Sparschalung montiert. Auch hier wird zwischen die Sparschalung Dämmwolle gebracht. Die Wanddämmung erfolgt durch eine halbtrockene Dämmschüttung mit Hanf-Lehm LLS400.

Auch hier wird von innen eine Unterkonstruktion montiert. Diese wird entweder an die Wand oder als freier Ständer wie eine Zwischenwand befestigt.

Lagenweise wird LLS400 hinter den Putzträger gefüllt, eine Lage nicht höher als 15 cm. Es ist zu beachten, dass auf jeden Sack LLS400 3 Liter Wasser kommen müssen um das Ganze zu benässen.

Wenn man den Putzträger komplett befüllt hat, wird die Wand ohne Warte- oder Trocknungszeit verputzt. Zu empfehlen ist der Hanf-Lehm-Dämmputz HL-DU 04.

Die Wanddämmung kann ebenfalls durch eine erdfeuchte Stampflehmwand erfolgen. Hierzu muss die LLS 400 unmittelbar vor der Verarbeitung mit Wasser angerichtet werden. Zu einem Sack werden 20 Liter Wasser hinzugegeben. Es müssen 2 bis 3 Schalungsbretter montiert werden um die Hanf-Lehm Mischung zu halten. Die Mischung wird lageweise aufgetragen und die Schalbretter nach und nach abgenommen.

Trockenbauwand – als Zwischenwand oder Schallschutz

Eine Trockenbauwand mit Hanf-Dämmwolle wird meist als Zwischenwand genutzt um Räume zu trennen. Es werden vertikale Ständer an der oberen und unteren Geschossdecke befestigt und quer auf beiden Seiten je eine Sparschalung montiert. Danach werden auf einer Seite die Trockenbauplatten montiert und die Hanf-Dämmwolle zwischen die Platten Sparschalung geklemmt.

Auf der anderen Seite wird mit den anderen Trockenbauplatten abgeschlossen.

Beim Wandaufbau ist darauf zu achten, dass Stampflehm der gleichzeitig dämmen soll lediglich leichttragend ist. Somit muss einem Wandaufbau mit Leichtlehm immer ein Riegel-, Ständerbau oder ein Fachwerk voraussetzen. Eine Fußbodendämmung erfolgt ähnlich wie eine Deckendämmung. Jedoch wird hier zusätzlich mit einer Lehm-Feuchtesperre gearbeitet, die zuerst 4mm auf dem Boden aufgetragen wird um den Fußbodenuntergrund gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu sperren.

Auch wenn sich mit Hanf noch etliche weitere Szenarien abbilden lassen, ist das schonmal ein grober Überblick über die Möglichkeiten die dieser Rohstoff am Bau bietet.

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