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Cannabis und Borderline-Störung

Jeder von uns hatte wohl schon das eine oder andere Mal mit einem „Borderliner“ zu tun. Solche Kontakte und Begegnungen sind oft irritierend und auch anstrengend, weil man immer das Gefühl hat, vom Gegenüber mit Emotionen konfrontiert zu werden, die der Situation nicht angemessen, sondern deutlich übertrieben sind.

Noch viel unangenehmer sind diese übersteigerten Emotionen für die Betroffenen selbst, stehen sie doch jedem normalen zwischenmenschlichen Miteinander im Weg, was oft genug zu Vereinsamung und Depressionen führt.

Interessanterweise kann Cannabis dazu beitragen, dieses psychische Leiden und die mit ihm verbundenen Verhaltensweisen soweit abzumildern, dass Betroffene ein zumindest bis zu einem gewissen Grad normales Leben führen können, dauerhafte Beziehungen zu Mitmenschen eingeschlossen.

Was versteht man unter einer Borderline-Störung?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine psychische Erkrankung, die auf einer gestörten Selbstwahrnehmung beruht. Diese gestörte Selbstwahrnehmung drückt sich aus in schnell und heftig schwankenden Stimmungen, leichter Erregbarkeit und übertrieben starken emotionalen Bindungen. Als symptomatisch gelten außerdem die dauerhafte Empfindung innerer Leere, autoaggressives Verhalten, eine große Angst, von anderen nicht akzeptiert zu werden, übertriebene Verlustängste sowie ausgeprägte Dissoziationserlebnisse. Darunter verstehen Psychologen das Auseinanderfallen eigentlich zusammengehörender psychischer Vorgänge.

Normalerweise empfinden Menschen psychische Abläufe wie Gefühle, Sinneseindrücke, Gedanken oder Erinnerungen als zusammengehörige Einheiten und darüber hinaus als Teil ihrer Persönlichkeit. Im Falle einer Dissoziation löst sich diese Einheit auf und die einzelnen Bestandteile von Denk-, Handlungs- oder Verhaltensabläufen werden als voneinander abgetrennte Einzelerlebnisse empfunden. Die Folge sind oft von Außenstehenden kaum nachzuvollziehende Verhaltensweisen, die eine starke Belastung für soziale Beziehungen jeder Art darstellen können.

Oft tritt die Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht alleine auf, sondern wird von anderen psychischen Störungen begleitet, was wiederum die Diagnose sehr schwer macht. Solche begleitenden psychischen Störungen sind unter anderem Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Abhängigkeit von Alkohol oder anderen Suchtmitteln, narzisstische oder antisoziale Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, besser bekannt unter der Abkürzung ADHS. Treten zusätzlich zu einer Grunderkrankung solche diagnostisch abgrenzbaren Begleiterkrankungen auf, sprechen Mediziner von Komorbidität.

Wie wirkt sich eine Borderline-Störung aus?

Als zentrale Symptome einer Borderline-Erkrankung gelten neben einer gestörten Selbstwahrnehmung ein dauerhaftes Gefühl von innerer Leere und Verlassenheit sowie die Angst vor Verlust und überbordende, impulsive Gefühle. Am deutlichsten wirken sich diese psychischen Störungen aus im Sozialverhalten. Stark und schnell schwankende Emotionen, Aggressionen gegen sich selbst und andere sowie eine übergroße Angst vor möglichen Gefahren führen fast zwangsläufig zu Unverständnis beim Gegenüber, die Folge ist meist Distanzierung.

Die mit einer Borderline-Störung verbundene mangelnde Fähigkeit, Konflikte beizulegen, eine erhöhte emotionale Empfindlichkeit sowie eine extrem ausgeprägte Angst vor Zurückweisung tragen oft das ihre zu einem Sozialverhalten bei, das zu Ablehnung durch das Gegenüber führt.

Ursachen und Verlauf einer Borderline-Störung

Was die Ursache für die Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betrifft, ist sich die Forschung nicht einig. Die meisten Studien allerdings kommen zu dem Ergebnis, dass das Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu ihrer Entstehung beiträgt:

  • Vererbung
  • Umwelteinflüsse
  • Neurobiologie

Wie weit beeinflusst der Faktor Vererbung das Auftreten einer Borderline-Störung? Laut wissenschaftlichen Studien hängt die Entstehung einer Borderline-Störung zu 40 Prozent von den Genen ab. Welche Gene genau dazu beitragen, ist allerdings bisher unbekannt.

Auch Umwelteinflüsse können dazu führen, dass sich eine Borderline-Störung entwickelt. Ein allgemein feindseliges Klima in der Familie, aber auch ablehnendes Verhalten von Eltern oder Elternteilen gegenüber ihren Kindern erhöhen laut wissenschaftlichen Studien die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei den Kindern eine Borderline-Störung entwickelt, erheblich. Auch sexueller oder anderweitiger Missbrauch in der Kindheit kann zu einer Borderline-Störung führen.

Was den neurobiologischen Aspekt betrifft, spielen vor allem fehlerhafte Funktionen im präfrontalen Cortex eine wichtige Rolle, also in dem Teil der Gehirnrinde, der Sinnesreize verarbeitet, mit früher Erlebtem in Beziehung setzt und emotional einordnet. Ein reibungsloses Funktionieren des präfrontalen Cortex gilt als Voraussetzung dafür, dass das Gehirn Handlungen und Gefühle der jeweiligen Situation angemessen steuern kann.

Zum Verlauf von Borderline-Persönlichkeitsstörungen lässt sich sagen, dass sich die Symptome im Laufe der Zeit oftmals von selber zurückbilden, zumindest teilweise. Falls nicht, gibt es verschiedene Ansätze zur Behandlung.

Therapiemöglichkeiten

Am meisten Erfolg verspricht eine psychotherapeutische Behandlung. Dabei kommen verschiedene Ansätze infrage, wie etwa Verhaltenstherapien, kognitive Umstrukturierung und metakognitives Training sowie Psychoedukation.

Selbstverständlich versuchen Ärzte und Therapeuten auch immer wieder, Borderline-Störungen mit der Hilfe von Medikamenten in den Griff zu bekommen, obwohl die Wirksamkeit pharmazeutischer Mittel nie wirklich nachgewiesen konnte, auf der anderen Seite aber erhebliche Nebenwirkungen damit verbunden sind, die die Lebensqualität Betroffener stark einschränken können. Wie kann Cannabis hier helfen?

So hilft Cannabis bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Zunächst einmal muss man unterscheiden zwischen der Borderline-Störung selbst und den begleitenden psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, ADHS, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Diese komorbiden Beschwerden können über das Endocannabinoid-System positiv beeinflusst werden. Insbesondere CBD hat sich hier schon oft als heilsam erwiesen, indem es den Stoffwechsel der entsprechenden Neurotransmitter reguliert und eine Überproduktion dieser Stoffe verhindert.

Wie sieht es bei der Borderline-Störung aus? Borderline-Patienten können ihre Gefühle oft selbst nicht einordnen, geschweige denn kontrollieren. Hier kann Cannabis dabei helfen, die eigenen Emotionen für den Betroffenen wieder erlebbar zu machen. Das kann dazu beitragen, überschießende Impulsivität in emotionalen Reaktionen zu mindern, wodurch sich wiederum die Möglichkeit dauerhafter sozialer Beziehungen erhöht, was sich sehr positiv auf die Lebensqualität auswirkt.

Wissenschaftliche Studien zum Thema „Cannabis und Borderline“ gibt es bisher leider nicht. Aber Erfahrungsberichte sowohl von Borderline-Patienten als auch von behandelnden Ärzten und Psychotherapeuten bestätigen, dass Cannabis bei der Bewältigung von mit einer Borderline-Störung verbundenen Ängsten und starker innerer Anspannung helfen kann. Insbesondere CDB hat die Fähigkeit, unbegründete oder übertriebene Ängste aufzulösen, indem es den Stoffwechsel der entsprechenden Neurotransmitter reguliert. Weil auf der anderen Seite Cannabis, und zwar vor allem THC, Ängste aber auch verstärken kann, ist hier mehr noch als sonst eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt oder Therapeut wichtig. Zudem kann eine Behandlung mit Cannabis problematisch sein, wenn eine Borderline-Störung von Genussmittelmissbrauch und Suchtverhalten begleitet wird, was oft der Fall ist.

Ein großer Vorteil von Cannabis gegenüber pharmazeutischen Mitteln ist dabei neben dem Vermeiden schwerer, die Lebensqualität deutlich einschränkender Nebenwirkungen, auch die Möglichkeit, es gezielt und eigenverantwortlich genau dann einzusetzen, wenn der oder die Betroffene meint, dass es hilft. Psychopharmaka dagegen müssen durchgehend eingenommen werden, um ihre Wirkung entfalten zu können. 

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