Terpene im Cannabis

Geruch, Geschmack, Wirkung

Wer immer wieder ganz verschiedene Cannabis Strains anbaut oder raucht, der hat immer wieder gleiche Gerüche in der Nase. Dabei können die Strains weit auseinander liegen. Auch THC armer Hanf kann diese immer wieder kehrenden Geruchsnoten aufweisen. Diese Gerüche sind nicht auf die Cannabinoide, sondern auf die Terpene zurück zu führen. Es handelt sich um eine eigene Stoffklasse innerhalb der Natur, die als Grundheinheit das Isopren aufweist. Es handelt sich um ein C5H8 Molekül, welches kein Terpen ist. In der Erweiterung dieses Moleküls sind bereits jetzt über 8.000 Terpene bekannt. Zudem gibt es über 30.000 Terpenoide.

Terpene sind also flüchtige Stoffe, die Gerüche ausmachen. Drogenhunde schlagen nicht auf THC, sondern auf eines der Terpene an. Beim Konsum spielen die Terpene eine entscheidende Rolle für den Geschmack, die Wirkung und auch die Heilwirkung. Für sich allein hat ein Terpen teils keine Wirkung oder Heilwirkung. In der Kombination mit Cannabinoiden, anderen Terpenen oder noch anderen Stoffen nehmen sie oftmals Einfluss auf die Wirkung und auch Heilwirkung. Bei vielen Terpenen ist man sich sicher, dass sie auch ohne Cannabinoide eine Heilwirkung entfalten oder beim „Gesundbleiben“ helfen.

Viele Terpene verflüchtigen sich bereits an etwas wärmeren Tagen in der aufgeheizten Wohnung, weswegen Marihuana immer kühl, dunkel sowie von Frischluft abgeschirmt gelagert werden soll. Auch der Anbauraum soll nicht zu warm werden, weil dann die Terpene vom noch reifenden Cannabis verloren gehen. Die Siedetemperaturen sind häufig deutlich über 100° Celsius. Wasser verflüchtigt, beziehungsweise verdunstet jedoch auch bereits unter seinem Siedepunkt.

Über 200 Terpene im Cannabis

Geht es um die genaue Anzahl, der im Cannabis entdeckten Terpene, so kann sich die Zahl täglich ändern. Da nicht jeder Strain die gleichen Terpene bildet, hat jeder Strain zugleich seine eigene Terpen-Matrix. Zugleich werden diese nicht in jeder Wuchs- oder Reifephase oder in jeder Anbausituation auf gleiche Weise gebildet. Es gibt jedoch Gerüche, die einem immer wieder in der Nase liegen, wenn an einer neuen Blüte gerochen wird. Gewisse Terpene sind also nicht generell, aber immer wieder im Marihuana vorhanden. Wie bei einem Wein gibt der Geruch schon einen signifikanten Eindruck über das Genusserlebnis.

Der Marihuanakonsum kann also sehr gut mit Weintrinken verglichen werden: Es gibt immer viele, denen jeder trockene oder halbtrockene Wein oder jeder Weiß- oder jeder Rotwein gleich schmeckt. Dann gibt es jedoch diejenigen, die mit großer Sorgfalt ihre Flasche wählen, am Wein riechen und einen Schluck nehmen, damit sich der Geschmack entfaltet. So machen es viele Marihuanakonsumenten mit ihren Marihuanaknollen, Haschbrocken oder Extrakten. Ohne die Terpene wäre diese Vielfalt hingegen überschaubarer.

Funktionen in der Natur

Terpene können verschiedene Funktionen innerhalb der Natur aufweisen. Die Pflanze hat immerhin einen Grund, weswegen sie diese bildet und ausströmen lässt. Sie möchte Schädlinge oder Pflanzenfresser abhalten, Bestäuber oder „Samen-Transporttiere“ anlocken und sich gegen Krankheiten wappnen. Dass einige Terpene zugleich in passender Kombination beim Menschen medizinisch wirksam sind, ist eher unbeabsichtigter Zufall.

Bei 8000 bekannten Terpenen und noch mehr terpen-nahen Verbindungen können Parfüm-Designer aus dem vollen schöpfen. Wenn nur jedes zehnte Terpen leicht zu gewinnen wäre, sich sinnvoll einsetzen ließe und in der Kombination untereinander wieder etwas Neues entsteht, wären es fast unendlich viele Möglichkeiten.

Typische Terpene im Cannabis

Wenn es im Cannabis hunderte Terpene gibt, so sind die meisten davon vermutlich unbedeutend oder in einer derart geringen Konzentration, dass sie dadurch unbedeutend werden. Deswegen finden sich mit einer Recherche nicht Informationen zu hunderten Terpenen der Cannabispflanze, es werden einige der relevanten Terpene hervor gehoben.

a-Pinen – kommt auch in Kiefernadeln vor und macht den Kiefernadelgeruch aus – Siedepunkt bei 156-158° Celsius
Es wirkt antibakteriell und hemmt damit Entzündungen, soll aber auch das Gedächtnis verbessern oder bei der Krebstherapie helfen. A-Pinen wirkt einigen Effekten vom THC entgegen. Es gibt auch ß-Pinen. a-Pinen ist besonders häufig in Skunk-Strains enthalten und macht den intensiven Geruch aus.

Linalool – kommt auch im Lavendel vor – Siedepunkt bei 196-198° Celsius, es wird mitunter den Terpenoiden zugeordnet
Dieses Terpen kann schmerzlindernd, krampflösend oder auch angstlösend wirken. Es scheint entzündungshemmend zu wirken und damit entzündete Tabakraucher-Lungen beim Rauchen abklingen zu lassen. Außerdem kann Linalool gegen Akne helfen.

ß-Caryophyllen – kommt auch im schwarzen Pfeffer oder Nelkenöl vor – Siedepunkt bei 260-261° Celsius, teils wird auch 199° Celsius genannt, es wird mitunter den Terpenoiden zugeordnet
Es kann entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken und schützt den Magen und auch restlichen Verdauungstrakt. Auch bei Arthritis oder Geschwüren kann ß-Caryophyllen helfen. Es kann nachweislich an die CB2 Rezeptoren andocken. Riechen die Marihuanablüten scharf und pfefferig, ist dieses ß-Caryophyllen enthalten.

Myrcen – kommt auch im Hopfen oder Thymian vor – Siedepunkt bei 167° Celsius, es wird mitunter den Terpenoiden zugeordnet
Wirkt in starken Indicas häufig als Einschlafhilfe und Muskelentspannend. Es scheint krebshemmend zu wirken und auch gegen Depressionen zu helfen.
Myrcen erinnert im Geruch an Zitronen, Mangos und Minze oder auch Moschus. Es kann im Cannabis mit ca. 50% innerhalb der ätherischen Öle einen großen Anteil ausmachen. Es geht mit THC einen Synergieeffekt ein, womit beide Stoffe einander in der Wirkung verstärken.

Limonen – kommt in Zitrusfrüchten oder Minze vor und macht hier den Geruch aus – Siedepunkt bei 176° Celsius, es wird mitunter den Terpenoiden zugeordnet
Eine antidepressive und angstlösende Wirkung kann beobachtet werden, es hilft auch gegen Sodbrennen, löst Gallensteine auf und hilft bei Magen-Darm-Beschwerden. Es wirkt antibakteriell, verhindert Oxidation und wirkt gegen Pilzerkrankungen. Auch dieses Terpen soll eine krebshemmende Wirkung aufweisen. Wenn Marihuana etwas fruchtig frisch nach Zitrusfrüchten riecht, ist gewiss Limonene enthalten.

Humulen oder a-Caryophyllen – kommt auch im Koriander oder Hopfen vor – Siedepunkt bei 166-168° Celsius
Die Wirkung ist antibakteriell, entzündungshemmend, sowie der Appetit gezügelt wird. Es gibt dem Bier sein besonderes Aroma.

Borneol – kommt auch im Kampfer vor und ähnelt dessen Geruch – Siedepunkt bei 210° Celsius, es wird mitunter den Terpenoiden zugeordnet
Antibiotisch, beruhigend sowie psychoaktive Effekte. Kommt in Silver-Haze Strains vor.

Terpene - Petersielie enthält a-Pinen

Terpene – Petersielie enthält a-Pinen

Siedepunkte Terpene

Terpen Siedepunkt °C Siedepunkt °F
A-Pinen 156-158 313-316
ß-Caryophyllen 260-261 500-502
Myrcen 167 333
Humulen oder a-Caryophyllen 166-168 331-334
Linalool 196-198 385-388
Limonen 176 349
Borneol 210 410

 

Terpene und ihre Gerüche

 

Gerüche: A-Pinen ß-Caryophyllen Myrcen Humulen
a-Caryophyllen
Linalool Limonen Borneol
Erdig x x
Zimt x x
Nelken x x x
Gewürz x x
Pfeffer x x
Holzig x x x x
Kiefernadeln x x
Süßlich x x
Zitrusfrüchte x x x x x
Mango x
Blumen x
Salbei x x
Minzig x x
Kampfer x x
Rosmarin x x x
Lavendel x x
Limonen x
Orangen x
Moschus x
Kräuter x
Scharf x
Campher x
Euykalyptus x

Worin sind Terpene enthalten?

Enthalten in: A-Pinen ß-Caryophyllen Mycren Humulen oder a-Caryophyllen Linalool Limonen Borneol
Dill x
Petersilie x
Thymian x x
Basilikum x x x
Rosmarin x x
Kiefernadeln x x
Salbei x
Oregano x
Schwarzer Pfeffer x
Lavendel x x
Zimt x x
Nelke x x
Mango x
Zitronengras x
Verbene x
Lorbeerblätter x x Blätter
Pfefferminze x x
Birke x
Koniferen x
Hopfen x x
Koriander x
Wacholder x
Zitrusfrüchte x x x Schale
Rosenholz x
Kampferbaum x

Die medizinischen Wirkungsweisen von Terpenen

Wirkungsweise

A-Pinen

ß-Caryophyllen

Trans Caryophyllen

Caryophyllen Oxygen

Mycren

Humulen oder a-Caryophyllen

Linalool

Limonen

Borneol

Antiparasitär

x

Verbessert die geistige Auffassung und Energie

x

Antiseptikum – gegen Wundinfektion

x x x

Antimykotikum – gegen Pilzerkrankungen

x x x

inflammatory – Anti-entzündlich

x x x x x

Antikarzinogen – Anti-Krebserregend

x

Antioxidierend, bindet freie Radikale im Körper

x

Analgetikum – Schmerzstillend

x x x x

Antitumorbildung

x x

Gegen das Wachstum von Krebszellen

x

Schützt den Magen-Darmtrakt

x

Antibakteriell

x x x x

Beruhigend

x x x x

Antidepressiv

x x

Muskelentspannend

x

Appetitzügelnd

x

Antikonsulsivum – Anti-Epileptisch

x

Anästhetikum – Narkotisierend

x

Angstlösend

x x

Gegen Erbrechen

x

Antipsychotisch

x x

Gegen Sodbrennen

x

Stimuliert das Immunsystem

x

psychoaktive Effekte

x

Quelle: Chemie.de

Die Cannabinoid- und Terpen-Matrix

Marihuana ist ein ganzer Wirkstoffcocktail. Jede Pflanze hat ihre eigenen Schwerpunkte. Diese Schwerpunkte finden sich sehr oft auch in anderen Strains wenigstens teilweise wieder. Wir befinden uns in einer Zeit, in der vor allem aus medizinischen Gründen damit begonnen wird, zum Marihuana Inhaltsstoffe anzugeben. Neben den wichtigsten Cannabinoiden können auch die wichtigsten Terpene mit ihrem vermuteten Gehalt angegeben werden. Bei einer Pflanze ist es immerhin schwierig einen Wert anzugeben, der wirklich in jeder Blüte exakt eingehalten wird.

Für den Konsumenten und auch Patienten sind überschaubare Wirkstoffschwankungen jedoch kein Problem. Für den Produzenten wäre es ein Problem, für jede Charge die Gehalte der Cannabinoide und Terpene exakt zu ermitteln. Es wäre für Konsumenten und Patienten jedoch schon eine sehr große Hilfe, wenn einige Wirkstoffe wie das THC oder CBD möglichst exakt und andere Inhaltsstoffe mit einem zu erwartenden Richtwert angegeben werden. Wer als Konsument weiß, dass ihm ein Strain mit einem gewissen Terpen besonders gut hilft, der wird sich bereits freuen, wenn bei den Sorten angegeben wird, ob von diesem Terpen tendenziell eher wenig, viel oder gar nichts enthalten sein wird.

Wer einen Strain gefunden hat, der ihm sehr gut hilft, der kann also anhand der Angaben nach weiteren Strains suchen, die eine ähnliche Wirkstoffmatrix aufweisen, sollte der normale Strain im Laufe der Zeit nicht mehr verfügbar sein. Mit solch einer Wirkstoffmatrix, die wenigstens Richtwerte angibt, könnten Patienten und auch Konsumenten viel gezielter nach Ersatz suchen. Diese Idee ist hier nicht neu, es wird an verschiedenen Stellen genau aus diesen Gründen bereits an solchen Matrix-Angaben gearbeitet. Das alles geht natürlich nur durch sinnvolle Regulierungen. Im unkontrollierten Schwarzmarkt, in dem zugleich jeder alles unter falschem Namen oder falschen Angaben verkaufen kann, wäre solchen Angaben kaum zu trauen. Außerdem haben die meisten Grower und Dealer kaum die Möglichkeit, die Wirkstoffmatrix von ihrem Marihuana aufschlüsseln zu lassen, ohne zugleich aufzufallen.

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