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In Memoriam: Charlotte Figi

Ein junges Mädchen hat in den USA den medizinischen Wert von Cannabis aufgezeigt wie kaum jemand sonst. Ein pharmazeutisches CBD-Produkt, das zur Behandlung von Epilepsie-Erkrankungen bei Kindern konzipiert wurde, ist nach Charlotte benannt worden. Ihr lebenslanger Kampf gegen die Anfälle hat dazu beigetragen, dass viele Amerikaner ihre Meinung über Cannabis geändert haben. Am vergangenen Dienstag starb die 13-jährige Charlotte Figi am Covid-19 Virus.

Familie nicht auf Virus getestet

Die Nachricht vom Tod der Charlotte Figi erreichte viele Menschen durch einen Facebook Post, den ein Freund der Familie auf dem Profil der Mutter Paige hinterließ. Ende März waren insgesamt fünf Mitglieder der Familie Figi an Corona erkrankt und befanden sich seitdem in häuslicher Quarantäne in Colorado. Am frühen Morgen des 7. April hatte Charlotte einen Anfall, der zu einem Stillstand der Atem- und Herztätigkeit führte. Krampfanfälle sind zwar für ihre Erkrankung üblich und ein einmal durchgeführter Test war negativ auf den Sars-Cov-2-Virus, dennoch geht man nun doch davon aus, dass Corona eine Rolle bei Charlottes Tod gespielt hat. Anscheinend konnte sich die Familie zunächst nicht testen lassen, so dass die Corona-Infektion der Figis eine Mutmaßung gewesen war. Erst jetzt nach dem Tod von Charlotte gilt die Diagnose als mehr oder weniger gesichert. 

Charlotte's Web CNN Special Dr Sanjay Gupta
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Charlottes Web -- Ihre eigene exklusive Cannabissorte

Ein großer Teil von Charlottes Leben bestand aus dem Kampf gegen das Dravet-Syndrom, eine seltene und schwere Form der Epilepsie. Bei Kindern führt das Dravet-Syndrom zu langen, wiederkehrenden Anfällen. Die Epilepsie-Erkrankung gilt bis heute als besonders behandlungsresistent. Knapp 15 Prozent der Kinder, die daran erkranken erreichen das Erwachsenenalter nicht. Charlottes Fall erregte in den USA großes Aufsehen, als die Behandlung mit cannabidiolhaltigem Öl ihre Anfälle signifikant reduzieren konnte. Ein Hersteller von medizinischem Cannabis entwickelte auf der Grundlage ihres Falles eine Cannabissorte mit hohen CBD-Konzentrationen. Der Strain trägt daher auch den mittlerweile auch bei uns bekannten Namen Charlottes Web.

Dank Charlotte haben Kinder bessere Chancen auf Medizinalhanf

Der Behandlungserfolg von Charlotte motivierte viele Familien aus den Bundesstaaten, in denen der Zugang zu Medizinalhanf schwieriger ist, für die Therapie ihrer Kinder nach Colorado zu ziehen. 2013 hatte sogar CNN über die damals Sechsjährige berichtet. Der leitende medizinische Korrespondent des Senders hatte daraufhin seine Haltung Cannabis gegenüber geändert und ab diesem Zeitpunkt den medizinischen Gebrauch unterstützt. Charlottes Mutter Paige Figi gründete die gemeinnützige Organisation Coalition for Access Now, die sich für die Aufklärung über Cannabis und CBD als mögliche Behandlungsoption in den USA einsetzt. Ebenfalls engagiert sich der Verein für gesetzliche Reformen, die den legalen Konsum von Cannabis ermöglichen sollen. Charlotte Figi und ihre Familie hatte somit einen großen Anteil am Wachstum der Akzeptanz für Cannabis in Amerika. 

Charlotte war eine Kämpferin

Nach einem Monat, in dem die ganze Familie mit der Krankheit kämpfte, schien es auch Charlotte wieder besser zu gehen. Doch ein erneuter schwerer Anfall mit Atemnot brachte sie zurück ins Krankenhaus, wo sie im Beisein der Familie starb. Nun hat auch Charlotte tragischerweise das Erwachsenenalter nicht erreicht, trotz einer sehr erfolgreichen Behandlung mit Cannabis, die ihre Lebensqualität drastisch steigern konnte.

Charlotte wird nicht mehr miterleben, wie die Arbeit der Familie Figi für die medizinische Nutzung von Hanf gewürdigt wird. Angesichts der Schwere ihrer Erkrankung hatte man schon damit gerechnet, dass sie nicht älter als acht Jahre alt wird. Doch durch die erfolgreiche Behandlung mit Cannabidiol übertraf sie diese Schätzungen bei Weitem. Dank Charlotte haben nun zahlreiche Kinder einen leichteren Zugang zu einer Behandlung mit Cannabisarzneien. Ebenso wurde durch sie eine ganze Reihe von Forschungsprojekten angeregt, die das Potenzial von Cannabis als Medizin weiter ergründen sollen.

Abschied von Charlotte

In mehreren Social Media Posts verabschiedet sich Familie Figi nun von Charlotte, dem “Engel, der die Welt auf seinen kleinen Schultern trug” und sie bedanken sich für all die Liebe, die ihnen und besonders Charlotte durch die Menschen zuteil wurde. Außer ihren Eltern hinterlässt Charlotte einen Bruder, Max, und ihre Zwillingsschwester Chase.

We Are All Charlotte
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