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Eine kurze Geschichte von Hanf in Großbritannien

Hanf wird in Großbritannien schon seit Tausenden von Jahren angebaut und es gab eine Zeit, da zählte die vielseitige Nutz- und Heilpflanze zu den wertvollsten Gütern des Landes. Nachdem Hanf von technologischen Veränderungen allmählich verdrängt wurde, gibt es heutzutage eine immer größer werdende Auswahl unterschiedlicher Hanfprodukte.


Hanf in Großbritannien – die Annäherung

Der Legende nach war die keltische Prinzessin Cambri Formosa für den ersten Kontakt mit der Hanfpflanze verantwortlich, als sie 373 v. Chr. Frauen das Nähen und Weben mit Hanf beibrachte. In manchen Quellen wird berichtet, Hanf sei ungefähr 800 v. Chr. von Asien nach Großbritannien gebracht worden. Es gibt Funde von Römischen und Angelsächsischen Völkern aus dem Jahr 140–400 n. Chr., die allerdings auf den Gebrauch von Hanf hindeuten.

Hanf in voller Blüte

Ab dem Zeitalter Elisabeths I. (ungefähr 1558 – 1603) bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Anbau und Gebrauch der Hanfpflanze einen enormen Aufschwung. Schließlich war Hanf damals eine überaus wertvolle industrielle Ware mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. So wurden die Fasern damals hauptsächlich für Segel und Seile kommerzieller Schiffe sowie der Handelsflotte verwendet. Durch die viele Kolonien und weltweiten Handelsposten zählte das britische Königreich seiner Zeit unter anderem zu den größten der Erde. Aufgrund der Erweiterung nahmen auch Einsatz und Nachfrage von Hanf immer weiter zu.

Hanffasern wurden nicht nur für die Herstellung von Seilen oder Segeln verwendet, sondern auch für viele weitere Produkte. Transportsäcke und selbst Kleidung und Uniformen der Seeleute wurden wegen ihrer robusten Eigenschaften aus den Fasern der Hanfpflanze gefertigt. Zu dieser Zeit leistete Hanf einen enorm wichtigen Beitrag für die erfolgreiche Umsetzung der Marine- und Handelsflotte Großbritanniens, sodass man alles dafür tat, Feinden den Zugang zu verweigern. Nicht zuletzt schaffte die hohe Nachfrage wirtschaftliches Wachstum und Tausende von Arbeitsplätzen.

Da sowohl die Royal Navy als auch zahlreiche Handelsflotten auf Hanffasern angewiesen waren, wurde die Pflanze auch überall im Land angebaut. Während der Zeit Heinrich VII. war jeder Landwirt ab 60 Ackern dazu verpflichtet, einen Viertel Acker Hanfpflanzen anzubauen. Das sollte die Versorgung mit Fasern sichern. Darüber hinaus veranlasste das britische Königreich, in seinen Kolonien Hanf anbauen zu lassen. Wer dies nicht tat, wurde damals tatsächlich mit Strafen belegt.

Wo Cannabis angebaut wurde

Berichten zufolge wurde Hanf überall in England, Irland, Schottland und angebaut. Tatsächlich stammen noch einige Ortsnamen vom keltischen und anglosächsischen Wort für Hanf ab. Zu den womöglich bekanntesten Namen, die bis in die heutige Zeit überlebt haben, gehört New Hampshire, das aus den skandinavischen Wörtern „hampa“ oder „hamp“ hervorging.

Mit der Zeit wurden der Transport von Waren auf dem Seeweg immer günstiger und Großbritannien begann, immer mehr Hanf aus dem Ausland zu importieren. Hinzu kam, dass die Landwirte über die gesamten Inseln des Königreichs verteilt waren und eine Produktion in größerem Stil damit nur schwer realisierbar gewesen wäre.

Aufzeichnungen geben einen Hinweis darauf, welchen Stellenwert Hanf damals hatte. So wurde die Abhängigkeit von anderen Ländern als Problem der nationalen Sicherheit eingestuft. Durch die Aufrechterhaltung des eigenen Anbaus wollte man sichergehen, dass trotz der Abhängigkeit von anderen Ländern bei einer Verschlechterung der Beziehungen noch genügend Hanf zur Verfügung steht, um Marine und Handelsflotte weiter betreiben zu können.

Ablösung durch Dampfschiffe und Baumwolle

Im 19. Jahrhundert führten technologische Veränderungen wie die Erfindung des Dampfschiffs dazu, dass man für die Schifffahrt plötzlich keine Segel mehr benötigte und die Nachfrage an Hanffasern nahm dramatisch ab. Mit der Zeit nahm auch der Bedarf der Marine an Uniformen aus Hanffasern ab.

Diese Entwicklung wurde in anderen Ländern bereits früher eingeleitet, als Baumwolle in der globalen Textilindustrie eine immer größere Rolle spielte und Hanfs als Faserlieferant für die Herstellung von Segeln und Kleidung allmählich ablöste. Traurigerweise war Baumwolle aus mehreren Gründen günstiger als Hanf. Zum einen ist die Verarbeitung von Baumwollfasern weniger aufwändig und zum anderen ermöglichte die Sklavenarbeit auf den Baumwollplantagen niedrige Preise. All das führte dazu, dass Baumwolle Hanf allmählich den Rang ablief und Großbritannien in einem Handelsabkommen mit Afrika und Amerika Sklaven, Baumwolle, Tabak, Kaffee und Zucker verschiffte.

Hanf in Großbritannien im 20. Jahrhundert

Mit dem Ende der Sklaverei und immer unrentableren Handelsbeziehungen bezog das britische Königreich immer mehr Baumwolle aus den Kolonien, vorwiegend aus Indien. Während Baumwolle immer beliebter wurde, fanden Hanffasern nur noch in Nischensektoren wie Militäruniformen oder Arbeitskleidung Anwendung.

Es gibt Berichte über die Verwendung von Hanf im Ersten Weltkrieg, während die USA mit dem Marijuana Tax Act 1937 die Hanfpflanze derartig hoch besteuerten, sodass sich Anbau und Verarbeitung kaum mehr lohnten.

In den Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Cannabis nicht zuletzt wegen der psychoaktiven Eigenschaften anderer Cannabisarten belächelt. Medien und Politik sorgten dafür, dass der Ruf der Hanfpflanze immer schlechter wurde.

Erst 1993 wurde der Anbau von Hanfpflanzen in Großbritannien wieder re-legalisiert. Man benötigt dafür eine Lizenz und darf nur Pflanzen mit einem THC-Gehalt von unter 0,3% anbauen, die sich nicht in der Nähe von Fußwegen, Straßen und Schulen usw. befinden.

Hanf in Großbritannien im 21. Jahrhundert

Heutzutage lässt sich Hanf in Großbritannien in zwei Kategorien einteilen: Verwendung und Produktion.

Wie bereits erwähnt gab es in der Vergangenheit Großbritanniens jede Menge Hanffelder. Heute existieren davon nur noch wenige Hektar. 2015 wurden in Großbritannien ungefähr 1.000 ha Land mit Hanfpflanzen bewirtschaftet. Im Vergleich dazu wurde Hanf in Frankreich zu dieser Zeit auf 11.000 ha und in Kanada auf 33.000 ha angebaut.

Darüber hinaus gibt es in Supermärkten Hanfsamenöl, Hanfsamen und andere Hanfprodukte für die Verwendung in der Küche oder in der Kosmetik sowie Hanfprotein und Hanfmilch für eine vollwertige pflanzliche Ernährung. Laut der Cannabis Trades Association UK ist die Anzahl der Anwender von CBD-Öl, einem Nahrungsergänzungsmittel aus dem nicht psychoaktiven Wirkstoff der Hanfpflanze, innerhalb des letzten Jahres erheblich angestiegen.

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