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High Grade Hemp Seeds – Die etwas andere Seedbank

Unter einer Seedbank stellt man sich einen Online Shop vor, der Grower mit einer großen Auswahl an Cannabissamen beliefert. Dies ist nur eine Seite des Geschäfts mit Hanfsamen, das wesentlich vielseitiger ist. Gesundheitsbewusste verwenden die Samen der Hanfpflanze aber eher in Form von Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen Gesundheitsprodukten. Auf diese Nutzung von Hanf und auf die Züchtung von dafür geeigneten Genetiken hat sich das Unternehmen High Grade Hemp Seeds spezialisiert.


Das US-amerikanische Unternehmen High Grade Hemp Seeds konzentriert sich auf den Markt der Hanfsamen, die im industriellen Bereich eingesetzt werden. Dies beinhaltet zwar Samen, aus denen cannabinoidreiche Pflanzen erwachsen, doch steht dabei nicht unbedingt das berauschende Cannabinoid Tetrahydrocannabinol im Vordergrund. High Grade konzentriert sich auf Hanfsamen, die in industriellem Ausmaß genutzt werden können, und die wertvolle Inhaltsstoffe liefern. Die Hanfbranche benötigt diese für all die anderen, nützlichen Produkte, die aus Hanf hergestellt werden können. Mike Leago ist der Chief Operating Officer von High Grade Hemp Seed und der erste lizenzierte Hanf Broker der USA. Er stand uns für die Beantwortung unserer Fragen über das Geschäft mit Hanfsamen zur Verfügung.

Interview mit Mike Leago, Chief Operating Officer von High Grade Hemp Seed

Hanf Magazin: Die Firma High Grade Hemp Seed hat ihren Sitz im Bundesstaat Colorado, den man als den Pionierstaat für Cannabis in den USA bezeichnen könnte. Hilft diese Art von Reputation Ihrem Unternehmen, auch wenn sie eher mit THC-reichem Cannabis in Verbindung gebracht wird? 

Mike Leago: Colorado steht seit 2007 oder sogar schon früher an der Spitze der legalen Cannabisbranche. Als Hanf 2014 in den USA wieder auftauchte, war es in Wirklichkeit eine neue Version von Nutzhanf, die sich mehr auf die Cannabinoidproduktion als auf die eigentliche industrielle Verwendung der Pflanze konzentrierte. Aus diesem Grund macht es sehr viel Sinn, dass High Grade mit Staaten wie Colorado und Oregon in Verbindung gebracht wird und dort auch seine Geschäfte macht. Diese Staaten haben einen erfahrungsmäßigen Hintergrund und schon lange einen legalen Zugang zu medizinischen Cannabissorten, und das verleiht unseren Zuchtprogrammen und unserem Ansehen in der Industrie insgesamt mehr Glaubwürdigkeit.

Hanf Magazin: High Grade Hemp Seed ist nicht das, was die durchschnittlichen Cannabis-Grower sich unter einer Seedbank vorstellen, denn es geht nicht um THC-reiche Sorten. Stattdessen produzieren Sie qualitativ hochwertige Hanfsamen, auch für die Farmer-Betriebe von Interesse sind. Erhalten Sie oft Anfragen von Kunden, die die beiden unterschiedlichen Dinge verwechseln? 

Mike Leago: Wir bekommen diese Anfragen mit der Zeit immer weniger. Da die Hanfindustrie immer mehr Anerkennung in der Gesellschaft findet, wird der Öffentlichkeit der Unterschied zwischen den verschiedenen Seiten der Hanfpflanze immer bewusster. Da sich jedoch unsere Geschäftsbeziehungen weltweit ausgeweitet haben, sehen wir, wie verschiedene Kulturen die Hanfpflanze und ihre Legalisierung und Kommerzialisierung betrachten. Die Lern- und Adoptionskurve in den verschiedenen Ländern ist oft sehr unterschiedlich.

Hanf Magazin: Erinnerst Du Dich, welcher der erste Cannabis- oder Hanfsamen war, den Du in Deinen Händen hieltst? Wie hat es angefangen, zu einem Geschäft zu werden? 

Mike Leago: Meine erste Begegnung mit einem Hanfsamen hatte ich durch ein billiges Gras, das ich in meinen frühen Tagen mit Cannabis gekauft habe. Sowohl Bodhi als auch ich sind von Anfang an in das Hanfgeschäft eingestiegen und gehörten zu den ersten Bauern in den USA, die legalen Hanf anbauen.  Wir sahen damals beide eine riesige Chance und beschlossen, Hanf als Geschäft zu betreiben.

Hanf Magazin: Wo findet Ihr neue Sorten? Entwickelt Ihr sie selbst oder gibt es Firmen und Züchter, die ihre neuen Pflanzen, die sie gekreuzt haben, bei Euch vorstellen?

Mike Leago: Unzählige Stunden und viel Energie stecken in unseren internen Züchtungs-Bemühungen durch ein starkes Team von Wissenschaftlern, Doktoranden und langjährigen Cannabis-Züchtern.

Hanf Magazin: Eure Auswahl enthält qualitativ hochwertige Hanfsamen mit einer Feminisierungsrate von 99,98% und Keimungsraten von über 95%. Wie erreicht Ihr Eure Qualitätsstandards? 

Mike Leago: Bei High Grade arbeiten wir sehr hart daran, die Feldleistung unserer Sorten zu verbessern und die hohe Qualität des Saatguts, das unsere Kunden erhalten, zu gewährleisten. Die Qualitätssicherung besteht aus Kontrollmaßnahmen, verschiedenen Betriebsverfahren und Sortierprozessen, die es uns ermöglichen, das Qualitätsniveau unseres Outputs sehr hoch zu halten.

Hanf Magazin: Was ist Dein Lieblingssaatgut? Welche Art von Gentechnik magst Du am liebsten und warum? 

Mike Leago: Ich liebe Merlot und Matterhorn. Sie sind ideal für den Landwirt, der in diesem Jahr nach einigen ausgezeichneten Vollzeit-Sorten sucht. Auch mit Berry Blossom kann man nichts falsch machen – es ist eine bewährte Genetik. Die passende genetische Auswahl hängt wirklich davon ab, was ein Landwirt sucht und wo er sich befindet. Auch das Wetter kann einen starken Einfluss darauf haben, welche Sorte die richtige Wahl ist.

Hanf Magazin: In Eurem Angebot an Saatgut habe ich die Matterhorn CBG gefunden. Erzähl mir davon. Wie ist die Genetik, was sind die Eigenschaften?

Mike Leago: Matterhorn ist der bisherige Höhepunkt der Zusammenarbeit zweier etablierter Unternehmen, die sich zusammengetan haben, um den Bauern ein vertrauenswürdiges, feminisiertes CBG-Saatgut zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Wäre es uns nicht gelungen, diese Sorte dieses Jahr auf den Markt zu bringen, so scheint es, dass andere Hanfgenetik-Unternehmen den Bauern weiterhin zwei US-Dollar oder mehr pro Samen für CBG berechnen würden. Das ist mehr, als sich die Bauern eigentlich für solche Samen leisten können. 

Hanf Magazin: Das Cannabinoid CBG kommt in der durchschnittlichen Hanfpflanze nur in sehr geringen Konzentrationen vor, aber es ist medizinisch sehr interessant. Glauben Sie, dass CBG-reiche Pflanzen in Zukunft stärker nachgefragt werden? 

Mike Leago: Auf jeden Fall. Wir können es kaum erwarten, zu sehen, was die Zukunft für CBG und die Forschung, die über seine Eigenschaften und Vorteile herauskommen wird, bringen wird. Die Verbraucher können erwarten, in naher Zukunft viel mehr über CBG zu sehen und zu erfahren. 

Hanf Magazin: Matterhorn CBG ist eine in der Schweiz gezüchtete Sorte. Die Schweiz ist das fortschrittlichste Land in Europa, wenn es um CBD-reiche Hanfsorten geht. Sucht Ihr häufig nach neuen Schweizer Sorten oder war es ein glücklicher Zufall, dass Sie auf Matterhorn CBG gestoßen sind? 

Mike Leago: Diese Partnerschaft war eher das Ergebnis von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung als das von einem bestimmten Markt oder einer bestimmten Region. In unserer modernen digitalen Welt ist es immer einfacher geworden, diese Verbindungen herzustellen und dauerhafte Geschäftsbeziehungen zu entwickeln. 

Hanf Magazin: Durch Hanfpflanzen mit niedrigem THC-Gehalt konnte sich eine Hanfindustrie abseits vom Drogen-assoziiertem Cannabis entwickeln. Glaubst Du, dass die umfassende Legalisierung dem Hanfgeschäft trotzdem helfen kann? 

Mike Leago: Auf jeden Fall. Der Zugang zu Cannabis muss sich weiter verbessern, und die ganze Welt muss aufwachen und aufhören, Menschen für die Nutzung der Pflanze einzusperren oder anderweitig zu bestrafen.  Die Cannabispflanze ist unglaublich nützlich und die Hanfindustrie wird definitiv durch den rechtlichen Status von Cannabis beeinflusst. Heute verbessert sich der Zugang zu legalem Cannabis, und so verbessert sich auch die rechtliche Situation für alle, deren Leben durch ungerechte Cannabisgesetze negativ beeinflusst wurde. 

Hanf Magazin: Was ist der nächste Schritt in der Entwicklung der industriellen Hanfpflanzen? Welche Eigenschaften von Hanfpflanzen sind für die Zukunft erwünscht? 

Mike Leago: Dies ist erst der Anfang, wenn es um die Hanfgenetik geht. Wir haben eine spannende Liste von Projekten, an denen wir arbeiten oder die wir bald starten wollen. Schädlings- und Pathogenresistenz, Photoperiodenabhängigkeit, geringe Cannabinoid- und Terpenproduktion, samenlose Sorten und vieles mehr. Die Industrie darf sich also auf die Zukunft des Hanfs freuen.

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