In Nepal hat Cannabis eine lange Tradition. Seit Jahrhunderten wird es dort nicht nur als Genussmittel und wichtiger Teil der ayurvedischen Medizin geschätzt, sondern vor allem ist es ein heiliges spirituelles Werkzeug. Es ist im Hinduismus der Gottheit Shiva geweiht. Auch Charas, eine legendäre Form von Haschisch, geht geschichtlich auf diese Region zurück.
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Das Ganze änderte sich in den 1970er Jahren leider drastisch. Ausgehend von den USA wurden Drogen als der Staatsfeind Nummer 1 erklärt. Der von den USA ausgehende Druck zwang schließlich auch Nepal, die vielleicht wichtigste Pflanze seiner Kultur zu verbieten. 1973 wurde zunächst der Verkauf verboten und 1976 folgte das vollständige Verbot vom Konsum. Jedoch gibt es bis heute eine gewisse Lücke, mit der es möglich ist, in Nepal an einem Tag im Jahr die spirituellen Traditionen von Cannabis wieder aufleben zu lassen.
Shivaratri, die Nacht des Shiva
Im Hinduismus ist für Verehrer der Gottheit Shiva Shivaratri oder auch Mahashivaratri genannt, der wichtigste Feiertag des Jahres. Nach westlichem Kalender findet dieser Feiertag Ende Februar oder Anfang März statt. Im Hindu-Kalender ist es der 14. Tag im Monat Phalguna. Gefeiert wird dieses Fest von Millionen von Hindus unter anderem mit Cannabis. Traditionell wird in Nepal Cannabis in einem Chillum, einer konusförmigen Tonpfeife, geraucht. Besonders rund um den Pashupatinath-Tempel in Kathmandu versammeln sich Gläubige, um dieser alten Tradition zu folgen.

Diese spirituelle Praxis ist so tief in Nepal verwurzelt, dass an diesem heiligen Tag der Konsum von Cannabis toleriert wird, obwohl er per Gesetz noch immer illegal ist. In der Regel wird der Konsum von Cannabis an diesem einen Tag von den Behörden geduldet. Es wäre auch schwierig, Millionen Konsumenten zu ahnden, auch wenn dortige lokale Presseaussendungen auf die Illegalität hinweisen.
Für Hindus ist der Konsum von Cannabis an diesem besonderen Tag nicht einfach nur ein Freizeitkonsum zu hedonistischen Rauschzwecken. Es ist ein heiliges spirituelles Ritual, welches mit einer besonderen Geisteshaltung durchgeführt wird. Es dient dazu, die Meditation zu vertiefen und der Gottheit Shiva näherzukommen. Im Hinduismus sind Shiva und Cannabis eng miteinander verbunden. Für Hindus ist diese Pflanze bis heute ein heiliges Sakrament.

Auch in Nepal bröckeln die Prohibitionsmärchen
Obwohl Millionen Gläubige an diesem besonderen Tag Cannabis rauchen, darf man nicht vergessen, dass es rein juristisch betrachtet noch immer illegal ist. Das ist etwa so, als wäre in Bayern Bier verboten und nur beim Oktoberfest wird es geduldet. Etwa so verhält es sich in Nepal mit Cannabis. Doch auch in Nepal werden die Stimmen immer lauter, dass ein Verbot dieser heiligen Pflanze absolut nicht gerechtfertigt ist. Die Thematik wird aktuell auch von einer VICE-Doku aufgegriffen. Ein Reporterteam reiste nach Nepal, um die Feiernden zu treffen und sich aus erster Hand ein Bild davon zu machen.
Interviews zeigten, dass vor allem das Märchen der Einstiegsdroge dort nicht mehr länger haltbar ist. „Wir wurden 50 Jahre lang belogen, indem uns erzählt wurde, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist“, sagt einer der Feiernden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Cannabis seit Anbeginn ihrer Kultur ein heiliger Bestandteil war. Auch die Absurdität, dass Alkohol unzählige Menschen tötet, während eine in der Kultur verankerte Pflanze noch immer streng verboten ist, wird erwähnt. Trotz des Verbotes wird Cannabis in Nepal bis heute angebaut. Ein Verbot von Drogen funktioniert einfach nicht.
Das VICE-Team trifft einen der Bauern, der von der Gehirnwäsche und der Stigmatisierung der Konsumenten erzählt, mit der das Verbot einherging und teilweise bis heute anhält. Er selbst baut Cannabis aus medizinischen Gründen an und ist davon überzeugt, welches Heilungspotenzial diese Pflanze hätte. Aufgrund dieser Tatsache setzt er sich für die Legalisierung von Cannabis ein. Tausende unterstützen ihn bereits. Auch in der modernen Musikkultur Nepals ist Cannabis schon lange angekommen. Der Rapper 5:55 propagiert in seinen Texten den Konsum und findet landesweit Fans.
Legalisierung von medizinischem Marihuana angekündigt
Auch wenn der Konsum dieser sakralen Pflanze bis auf einen Tag im Jahr noch immer verboten ist, gibt es zumindest im Bereich des medizinischen Cannabis Fortschritte. Im Mai 2024 kündigte Finanzminister Barsaman Pun an, in dieser Legislaturperiode den Anbau für medizinische Zwecke zu legalisieren.
Sollte Cannabis für religiöse Zwecke legal sein?
Häufige Fragen zu Cannabis in Nepal
Ist Cannabis in Nepal legal?
Nein. Cannabis ist in Nepal seit dem Verbot von 1973 illegal – mit einer einzigen Ausnahme: Am Shivaratri-Fest dürfen Sadhus und Gläubige im Tempelbezirk Charas und Ganja straffrei konsumieren. Eine Legalisierung für den medizinischen Anbau ist angekündigt, aber noch nicht umgesetzt.
Was ist Charas und wie wird es hergestellt?
Charas ist von Hand gerolltes Cannabisharz, das im Himalaya-Raum traditionell aus frischen, lebenden Blüten gewonnen wird – im Gegensatz zu gepresstem Haschisch aus getrocknetem Material. Wie das Harz konkret extrahiert wird, erklären wir in unserem Beitrag Wie macht man eigentlich Haschisch?
Warum darf am Shivaratri-Fest Cannabis konsumiert werden?
Shivaratri ehrt den Gott Shiva, dem die Hanfpflanze in der hinduistischen Überlieferung heilig ist. Der rituelle Konsum gilt als Weg zur spirituellen Verbindung – ein Beispiel für das jahrtausendealte Verhältnis von Cannabis und Religion.
Woher stammt das Haschisch in der Himalaya-Region?
Das hochwertige Cannabisharz der Region stammt aus dem traditionellen Hasch-Gürtel zwischen Nepal, Indien und Afghanistan, wo die Haschischproduktion seit Generationen betrieben wird. Wie begehrt es ist, zeigt auch dieser Fall eines Schmugglers, der über 100 Gramm Haschisch verschluckte.
Wird Nepal Cannabis legalisieren?
Die nepalesische Regierung kündigte 2024 an, den Anbau von medizinischem Cannabis zu legalisieren. Ähnliche Debatten über Legalisierung und Rückkehr zum Verbot gibt es auch in anderen asiatischen Ländern – etwa in Thailand, wo die Bevölkerung über ein erneutes Cannabisverbot diskutiert.










































