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Cannabispflanzen, Stecklingszucht & Samen – und das möglichst bio. Aber wie?

Nachdem wir uns in der letzten Ausgabe mit der idealen Hanfplantage auseinander gesetzt haben, stellt sich nun die Frage: Woher die Cannabis-Pflanzen nehmen?


Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Sie ziehen die Pflanzen selbst aus Samen. Sie können – wenn Sie bereits Hanfpflanzen besitzen – selbst Stecklinge produzieren. Oder Sie kaufen sich Hanfpflanzen in einem Geschäft, insofern das an Ihrem Wohnort möglich, sprich legal ist. Jede der drei Varianten hat ihre Vorteile, wie auch ihre Tücken. Nicht jede wird für Ihre Situation geeignet sein, Anderes wird sich vielleicht als einfacher heraus stellen, als Sie angenommen haben. Und natürlich stellt sich auch hier wieder die Frage: Was kann man tun, um möglichst nach biologischen Prinzipien zu arbeiten? Worauf man im Speziellen bei den verschiedenen Möglichkeiten zu achten hat, wird im Folgenden beleuchtet – genaue Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden Sie in meinem Buch „Bio-Grow“, erschienen im Nachtschattenverlag. 

Grundsätzliches zum Thema Bio-Pflanzen

Ganz egal, ob man sich nun Samen oder Stecklinge kauft, um mit dem Growen zu beginnen, stellt sich die Frage, worauf achten, wenn man möglichst biologisch arbeiten möchte?

Je nachdem in welchem Land Sie leben, haben Sie vielleicht sogar das Privileg der Wahl, und können bereits bio-zertifizierte Samen oder Stecklinge kaufen. Gehen wir doch einmal davon aus, Sie haben dieses Glück nicht, sondern sind bereits froh darüber, aus ein paar konventionellen Sorten wählen zu können. In diesem Fall hier drei Grundsätze, von denen ich persönlich mich leiten lasse: 

1. Ich lasse die Finger von feminisierten Sorten.

2. Ich entscheide mich niemals für Automatiksorten.

3. Wenn möglich, nehme ich eher ältere Sorten, als neue Züchtungen.

Feminisierte Samen und Pflanzen meide ich einerseits aufgrund ihrer Produktionsmethoden (eine Ausführung hierzu gibt es in meinem Buch), vor allem jedoch auch, weil sie erfahrungsgemäß relativ stressanfällig, und genetisch wenig stabil sind. Stressanfällige Pflanzen sind empfänglicher für Schädlinge und andere Erkrankungen, außerdem neigen sie (trotz ihres Namens) zu Stresszwittern. Die genetische Instabilität kann zur Ausbildung sehr unterschiedlicher Eigenschaften bei Pflanzen von ein und derselben Generation führen – ein Problem, das meiner Erfahrung nach, viele der neu gezüchteten Sorten haben.

Auch die Autoflowering-Cannabis-Sorten, auch Automatikpflanzen genannt, kann ich im Sinne des biologischen Anbaus nicht empfehlen. Der oft genannte Vorteil, des automatischen Erblühens, unabhängig vom aktuellen Lichtzyklus, wiegt die Nachteile, die diese Züchtungen mit sich bringen, nicht auf. Ähnlich wie feminisierte Pflanzen sind auch sie verhältnismäßig stress-, temperatur- und damit krankheitsanfällig und neigen zu Stresszwittern. Gleichzeitig jedoch bringen sie im Vergleich zu „normalen“ Sorten verhältnismäßig wenig Ertrag, und eignen sich aufgrund der Automatikfunktion nicht zur Stecklingsgewinnung – man ist und bleibt mit solchen Pflanzen also abhängig von einem Züchter, von dem man Samen oder Pflanzen kaufen kann.

Das Thema „ältere Sorten“ ist etwas schwieriger, denn ähnlich wie Bio-Samen oder -Pflanzen, sind auch sie meist nur schwer erhältlich. Ich bevorzuge alte Sorten, da sie meiner Erfahrung nach genetisch sehr stabil (sprich: die Tochtergenerationen entsprechen in ihren Eigenschaften der Mutter), und wenig temperatur- und stressempfindlich sind. Aber wie kommt man nun zu solchen Sorten?

Stecklinge schneiden Egal, ob Sie aus Stecklingen erwachsene Pflanzen ziehen möchten, oder ob sie nur Stecklinge machen, um das Geschlecht der Hanfpflanzen zu bestimmen, die sie aus Samen gezogen haben: Markieren Sie unbedingt, von welcher Pflanze welche Stecklinge stammen! Hier wurden die Stecklinge vor dem Einsetzen in unterschiedliche, selbstverständlich beschriftete Gläser gesteckt.

Ich kann nur eines raten: Augen und Ohren offen halten! Hören Sie sich um und gehen Sie auf Messen. Es gibt zunehmend mehr Grow-Shops, die sich spezialisieren, auf alte Sorten, oder wenn Sie besonders Glück haben, auf Bio-Produkte. Auch bereits sehr lange bestehende Grow-Shops können interessant sein. Es kann sich schon auszahlen, einfach in seinem üblichen Grow-Shop einmal nach alten Sorten zu fragen. Und auch auf Reisen und im Urlaub kann man auf wahre Schätze stoßen, wenn man nur die Augen offen hält – wobei dies vor allem Samen betrifft. 

Alles beginnt mit einem Samen

Wie die meisten anderen Pflanzen, vermehrt sich auch Cannabis auf natürliche Weise über Samenbildung. Wem es wichtig ist, den gesamten Lebenszyklus seiner Pflanzen mitgestalten zu können, kann sich seinen Rauch daher „einfach“ aus Hanfsamen ziehen.  Ich schreibe „einfach“, weil diese Art sich mit Cannabispflanzen auszustatten mit Sicherheit die Anspruchsvollste und Zeitaufwendigste ist. Das Praktische an Samen: Im Kühlschrank bleiben sie sehr lange keimfähig! Man kann also immer einige Samen zurück behalten, die man nicht anbaut, sondern stattdessen eine kleine, persönlichen Samenbank anlegen. Jene Sorten, die sich besonders bewährt haben, markiert man sich für später. So kann man nicht nur sicher gehen, die besten Sorten noch in Reserve zu haben, sondern bleibt auch unabhängig von etwaigen Gesetzesverschärfungen.

Es gibt wahrscheinlich 1001 Anleitungen, wie man Cannabissamen zum Treiben bringen. Ich würde jedoch dafür plädieren, dass Sie einfach verschiedene Methoden ausprobieren, die jeweiligen Vor- und Nachteile selbst erforschen und sich ihre eigene, persönlich passende Zieh-Methode zusammenstellen. Hier ein paar allgemein gültige Tipps:

Wenn Sie die Hanfsamen 8 bis maximal 24 Stunden (danach setzt der Verrottungsprozess ein und die Samen verlieren ihre Keimfähigkeit) in Wasser einweichen, tun sich die jungen Sprieße leichter beim Durchbrechen der Samenschale. Dies erhöht den Anteil an keimenden Pflänzchen.

Das Vorkeimen der Samen ist kein Muss und ist nur empfehlenswert, wenn Sie viel Muse haben, die Keimbedingungen zu überwachen.

Das Keimen in Erde (in einem Mini-Treibhaus) ist natürlicher, macht weniger Arbeit und ist unempfindlicher – gleichzeitig muss man jedoch damit rechnen, dass nicht alle Samen aufgehen, die man eingesetzt hat.

Durch die Beeinflussung der Umweltbedingungen können Sie dazu beitragen, dass sich mehr weibliche Pflanzen entwickeln:

  • Temperaturen zwischen 21 – 23°C
  • hohe (Luft-)Feuchtigkeit
  • Lichtzyklus bei nur 14 Stunden
  • hoher Blauanteil im Licht
  • Stress vermeiden!

Das Schwierigste am Selbstziehen ist wahrscheinlich die Geschlechtsbestimmung der Pflanzen, denn naturgemäß sind sowohl weibliche, wie auch männliche Pflanzen gekeimt – auch dann, wenn Sie die Umweltbedingungen zu Gunsten der Weibchen beeinflusst haben. Es ist daher essenziell, nun die männlichen Pflanzen auszusortieren: Eine einzige männliche Pflanze in der Anlage wird dazu führen, dass die weiblichen Blüten Unmengen an Samen produzieren!

Auch wenn es schwer fällt: Meist sind es genau jene Pflanzen, die am schnellsten wachsen, die sich später als Männchen entpuppen. Also noch vor dem ersten Umtopfen: Weg damit! Ganz sicher geht man, indem man (sobald die samengezogenen Pflanzen groß genug sind) Stecklinge produziert, sie den Mutterpflanzen zuordenbar markiert und sofort in die Blüte schickt. So kann man schnell erkennen, welche „Mutterpflanzen“ weiblich, und welche männlich sind. Aber Vorsicht: das Ganze macht nur Sinn, wenn man bei der Markierung der Stecklinge ganz genau arbeitet!

The easy way: Pflanzen kaufen

Die einfachste und schnellste Variante seine Anlage mit Cannabis-Pflanzen auszustatten, ist natürlich sie in einem Geschäft zu kaufen. Glücklich sind all jene, in deren Umgebung es einen Bio-Growshop gibt. Denn ansonsten weiß man nie, womit die Pflänzchen vor dem Kauf behandelt wurden (Sprich: Hormonbeinhaltende Wurzelhilfen; mineralische Dünger, chemische Schädlingsbekämpfungsmittel). Daher gilt in Bezug auf die Stecklingsgröße beim Kauf von konventionell gezogenen Pflanzen: So groß wie nötig, so klein wie möglich. Sprich: Sie müssen beim Kauf so groß sein, dass man jedenfalls die Wurzeln deutlich aus dem Stein-/Kokos-/Erdwürfel heraus sprießen sieht (keine Wurzeln → FINGER WEG!). Gleichzeitig jedoch, sollen sie ansonsten so klein, bzw. jung wie möglich sein, sodass man selbst möglichst viel der Wachstumsperiode beeinflussen kann. 

Jedenfalls – ganz gleichgültig, ob Sie bio oder konventionelle Stecklinge kaufen – sollten Sie die Pflanzen VOR DEM KAUF unbedingt auf Schädlingsspuren hin untersuchen. Betrachten Sie die Blattunterseiten und Triebsprossen genau. Finden Sie helle gelbe Punkte auf den Blättern, irgendwelche Fraßspuren, oder gar dünne Spinnmilben-Fäden: FINGER WEG! Natürlich sollte dies beim Kauf in einem professionellen Grow-Shop nicht vorkommen, in diesem Fall jedoch ist Vorsorge sicherlich besser, als Nachsorge. 

Außerdem empfehle ich immer einen Steckling pro Lampe mehr zu kaufen, als benötigt wären. So hat man die Möglichkeit, die schwächsten, kleinsten Pflänzchen auszusortieren, bevor man in die Blüte geht. Dies ist im Sinne der Auslese besonders empfehlenswert, wenn man vor hat in Zukunft selbst Stecklinge zu produzieren. Schließlich möchte man nur mit den gesündesten, stärksten Pflanzen weiter arbeiten.

Wenn man schon Pflanzen hat: Eigene Bio-Stecklinge produzieren!

Es erstaunt mich immer wieder, wie wenige Leute sich selbst ihre Stecklinge produzieren. Dabei ist dies zwar etwas zeitaufwendig, jedoch nicht all zu schwer, wenn man auf einige Grundbedingungen achtet. Und die Vorteile sind gerade für Menschen, die biologisch Anbauen möchten, groß: Die eigenen Stecklinge müssen niemals mineralischen Düngemitteln und/oder chemischen Pestiziden ausgesetzt sein; und man kann sie von Klein auf in Erde ziehen – auf Steinwollwürfel kann komplett verzichtet werden. 

Zusatzplus: Die Gefahr, Schädlinge von Außen einzuschleppen, besteht auch nicht! Außerdem kann man immer wieder mit genau jenen Pflanzen weiter arbeiten, die sich als besonders robust, gesund und ertragreich erwiesen haben. Das ist das Praktische, wenn man mit Klonen – und nichts anderes sind Stecklinge – arbeitet. 

Weiterer Zusatzbonus: Man ist nicht immer wieder auf’s Neue darauf angewiesen, welche Sorten  und Qualität man von einem Stecklingsproduzenten bekommt.

Aber Vorsicht! Beim Klonen gilt das Selbe, wie beim Kopieren von Bildern: Wenn man ständig Kopien von Kopien macht, leidet irgendwann die Qualität darunter! Man kann sich also entweder eine gepflegte Mutterpflanze in einem eigenen Grow-Bereich behalten, von der man Stecklinge nimmt, wenn man sie braucht; oder man sorgt ab und an für frische Genetik von außen.  

Gleich wie für das Ziehen von Hanfsamen, gibt es auch für das Produzieren von Stecklingen unzählige Anleitungen. Wenn es darum geht, Bio-Stecklinge zu produzieren, sollte man jedoch auf einige Grundsätze achten, die auch später für die großen Pflanzen gelten:

Das Anbaumedium der Wahl ist eindeutig Erde.

Die richtigen Standort-, bzw. Umweltbedingungen (Luft, Wasser, Licht, Temperatur) helfen den Pflanzen gesund und robust zu bleiben.

Biologische Bewurzelungshilfen (bestimmte Mikroorganismen und Pilzkulturen) helfen den Pflanzen erfolgreich Wurzeln zu schlagen. Auf Mittel, die künstliche Hormone beinhalten, sollte im Bioanbau unbedingt verzichtet werden!

Nun kennen Sie also nicht nur die Grundsätze für eine gut eingerichtete Anlage, sondern auch für das Kaufen, sowie selbst Produzieren von Hanfpflanzen. 

In der nächsten Ausgabe werden Sie dann mehr über das Topfen und Düngen im Bio-Indoor-Anbau erfahren.

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