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Home Hanf allgemein

Die Ethnobotanik der Cannabaceae – über den Hopfen und andere Hanfgewächse

von Kevin J.
09.10.2019
in Hanf allgemein
Lesezeit: 9 Minuten
Die Ethnobotanik der Cannabaceae 1 750x375
⏱ 9 Min. Lesezeit·1.676 Wörter
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Die Pflanzenfamilie der Hanfgewächse umfasst etwa elf Gattungen mit insgesamt 170 botanisch gesicherten Arten, von denen Cannabis sativa und Humulus lupulus zweifelsohne am bekanntesten sind. Beide Pflanzen sind seit etlichen Generationen für medizinische, rekreative und rituelle Absichten in Gebrauch und erfreuen sich in den unterschiedlichsten Darreichungsformen auch heute noch einer beständigen Beliebtheit. Daneben wird den Hanfgewächsen eine ganze Reihe weiterer Arten zugeordnet, die zwar nur kaum bekannt, als traditionelle Nutz- und Heilpflanzen aber ebenfalls von hohem ethnobotanischen Interesse sind.

📑 Inhaltsverzeichnis

  1. Taxonomie
  2. Cannabis sativa – Das weltweit bekannteste Hanfgewächs
  3. Humulus lupulus – Die „Seele des Bieres“ und beruhigendes Phytotherapeutikum 
  4. Weitere Hanfgewächse im Kurzporträt
  5. 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!

Taxonomie

Lange Zeit bestand die Familie der Hanfgewächse ausschließlich aus den Gattungen Cannabis und Humulus; zugeordnet wurde sie ursprünglich der früheren botanischen Ordnung Urticales (Brennnesselartige). Dies ist heute, infolge einiger molekulargenetischer Untersuchungen allerdings nicht mehr der Fall und so wurden inzwischen alle einstmaligen Urticales-Familien mit insgesamt über 2500 Arten in die Ordnung Rosales (Rosenartige) überführt. Die Erstveröffentlichung des Familiennamens Cannabaceae erfolgte im Jahre 1820 durch den russischen Botaniker Ivan Ivanovic Martinov in seinem Werk „Tekhno-Bot. Slovar“. Die Bezeichnung Cannabidaceae stammt hingegen von Stephan Endlicher und tauchte erstmalig 1837 in seiner „Genera plantarum secundum ordines naturales disposita“ auf. Heutzutage nicht mehr geläufige Synonyme für Cannabaceae MARTINOV sind Cannabidaceae ENDL., Celtidaceae ENGL. sowie Lupulaceae SCHULTZ SCH.

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Cannabis sativa – Das weltweit bekannteste Hanfgewächs

An dieser Stelle ausführlich auf die Ethnobotanik von Cannabis einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels um ein Vielfaches sprengen. Wir denken an die jahrtausendealte Verwendung des Hanfes als Faserlieferant oder an seinen Einsatz für Heilzwecke und psychoaktive Rituale, was für zahlreiche Volksgruppen auf dem gesamten Planeten gilt. Es ist aber bereits eine ganze Vielzahl guter und umfassender Bücher geschrieben worden.

GanjaFarmerGanjaFarmer

Humulus lupulus – Die „Seele des Bieres“ und beruhigendes Phytotherapeutikum 

Die weiblichen und grünlich gelben Blütenstände des Echten Hopfens, die sogenannten „Zapfen“, gehören in Europa zu den ältesten Volks-medizinischen Naturheilmitteln, wenn es um die Behandlung von Einschlafstörungen, nervöser Unruhe, Angstleiden und leichten Depressionen geht. Sonstige Beschwerden, die von damaligen Kräuterärzten mit Zubereitungen aus den Humulon- und Lupulon-haltigen Zapfen behandelt wurden, waren etwa Erkrankungen der Blasen und Nieren, Fieber, Haarausfall, Magenschmerzen, Menstruationsstörungen und Wunden. Ähnlich in Nordamerika, wo die Pflanze von den Ureinwohnern ebenfalls schon seit langen Zeiten für Heilzwecke eingesetzt wird: zur allgemeinen Beruhigung und Einschlafförderung (Cherokee, Delawaren, Meskwahki), als Fiebermittel (Dakota), bei Nierenerkrankungen (Cherokee), zur Schmerzlinderung (Mohegan) sowie bei Verdauungsstörungen (Dakota).   

In der Bierbraukunst wird der Hopfen aufgrund seiner aromatisierenden und konservierenden Eigenschaften genutzt; gemäß dem Bayerischen Reinheitsgebots gehört er zu den vier elementaren Bierzutaten (neben Malz, Hefe und Wasser). Viele Braumeister bezeichnen die Pflanze häufig als die „Seele des Bieres“, durch die das Getränk seinen bitteren und der Malzsüße entgegen gerichteten Geschmack erhält. Zudem wirkt Hopfen leicht libidosenkend, worüber sich damals besonders die in sexueller Enthaltsamkeit lebenden Mönche freuten.  RÄTSCH (1998: 270) schreibt in diesem Zusammenhang: „Die keuschen Männer tranken riesige Mengen Bier, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen.“

Als sakrale Ritualpflanze ist der Hopfen in Europa nur bedingt von Bedeutung; weitaus wichtiger ist seine Verwendung als Heilmittel. Vereinzelt wurden die Zapfen, die pflanzenastrologisch den Planeten Mars und Merkur und ferner dem Element Wasser zugeordnet werden, als Zutat von beruhigenden und geistklärend wirkenden Räuchermixturen verwendet. Über die Medizinmänner und -frauen der nordamerikanischen Omaha-Indianer heißt es, dass sie den Hopfen, zusammen mit dem Nachtschattengewächs Physalis heterophylla (engl. Clammy ground cherry) und dem Doldenblütler Osmorhiza longistilis (wilder Anis), zu ihren wichtigsten pflanzlichen Verbündeten gezählt und im Rahmen ihrer Heilzeremonien verwendet haben. Dazu wurden die drei Pflanzen zunächst zu einem Brei zerkaut und anschließend auf die zu behandelnden Körperstellen gespuckt. 

Humulus japonicus (Syn. H. scandens), der Bruder des Echten Hopfens, ist in Asien und inzwischen auch in Teilen Nordamerikas verbreitet und in der Japanischen Volksheilkunde zur Behandlung von Harnwegserkrankungen bekannt. Das aus den Samen gepresste Öl dient traditionell der Herstellung von Seifen. Da sich die chemische Zusammensetzung der beiden Humulus-Arten stark unterscheidet, wird zur Bierherstellung ausschließlich Humulus lupulus verwendet; der Japanische Hopfen (auch Wilder Hopfen genannt) ist für diese Zwecke ungeeignet.   

Weitere Hanfgewächse im Kurzporträt

Aphananthe aspera: (engl. muka tree) Dieser Baum ist in China eine wichtige Quelle für die Schleifpapierherstellung. Aus den Borkenfasern werden Seile erzeugt. 

Aphananthe cuspidate: (chin. dian cao ye shu) Die Rinde dieser Aphananthe-Art wird in Indien und Sri Lanka ethnomedizinisch als Mittel zur Blutreinigung und Juckreizlinderung verwendet. Appliziert wird sie innerlich, meistens in Kombination mit Zitronensaft. 

Celtis africana: (engl. white stinkwood) In Afrika werden Blätter, Rinde und Wurzel dieses Baums traditionell als Heilmittel verwendet: die zerstoßene Rinde beispielsweise zur Linderung von Fieber, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein, während eine Blattabkochung zur äußerlichen Behandlung wunder Augen eingesetzt wird. Die faserige Rinde ist ein beliebtes Ausgangsmaterial für die Herstellung von Seilen. Aus dem harten und zähen Holz werden Axtgriffe, Bretter und Eisenbahnschwellen u. a. erzeugt. 

Chaetacme madagascariensis: (engl. thorn elm) Die Wurzel der „Dornigen Ulme“ ist in der afrikanischen Naturheilkunde als Abführ-Schmerz sowie als Lungenmittel bekannt; Blätter und Rinde werden von afrikanischen Heilern zur Behandlung von Nasen- und Rachenerkrankungen verwendet. Das Holz dient der Anfertigung von Kunsthandwerk, Musikinstrumenten und Spielzeug.

Gironniera nervosa : (may. hampas) Die kleinen gelben Früchte sind in Südostasien ein beliebtes Nahrungsmittel. Das Holz wird als Baumaterial verwendet. 

Gironniera subaequalis: (engl. greater rough laurel) Die Blätter sind ethnomedizinisch als „Wochenbettmittel“ von Relevanz. Aus dem Holz werden bevorzugt Möbel und aus den Borkenfasern Zellwolle hergestellt.

Pteroceltis tatarinowii: (engl. blue sandalwood) Aus den Borkenfasern dieser in China heimische Spezies wird das sogenannte Xuan-Papier hergestellt. Aus den Samen wird Öl gewonnen.

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Trema cannabina: (chin. guang ye shan huang ma) Das Samenöl wird in weiten Teilen Asiens zur Herstellung von Schmiermitteln und Seifen genutzt. Aus den robusten Fasern werden Papier und Seile erzeugt. 

Trema cannabina: (chin. guang ye shan huang ma) Das Samenöl wird in weiten Teilen Asiens zur Herstellung von Schmiermitteln und Seifen genutzt. Aus den robusten Fasern werden Papier und Seile erzeugt. 

Trema orientalis: (engl. charcoal-tree) Diese Trema-Art ist in Afrika gleichermaßen als Heilpflanze sowie als Nahrungsmittel von Bedeutung. Abkochungen aus den Blättern, Zweigen sowie der Rinde werden ethnomedizinisch bei Atemwegserkrankungen, Durchfall, Gelbfieber, Halsschmerzen, Vergiftungen und Zahnschmerzen eingesetzt – als Bad, Getränk, Gurgelmittel, Inhalation oder Lotion. Stammeszugehörige der Zulu bereiten die Blätter als Spinat zu und essen diese. 

Tabellarische Übersicht der zugehörigen Gattungen und Arten 

* Die fett gedruckten Arten werden in den Kurzporträts vorgestellt

Gattung Vorkommen Arten
Aphananthe PLANCH. Ostasien, Madagaskar, Mexiko Aphananthe aspera (THUNB.) PLANCH. Aphananthe cuspidata (BLUME) PLANCH. Aphananthe philippinensis PLANCH.  Aphananthe sakalava LEROY
Cannabis L. Zentralasien Cannabis sativa L.
Celtis L. Ostasien Celtis adolfi-friderici ENGL. Celtis africana BURM.f. Celtis australis L. Celtis bifida LEROY Celtis edulis NAKAI  (insgesamt etwa 80 gesicherte Arten)
Chaetacme PLANCH. Afrika, Madagaskar Chaetacme madagascariensis BAKER
Gironniera GAUDICH. Südostasien Gironniera celtidifolia GAUDICH. Gironniera hirta RIDL. Gironniera nervosa PLANCH. Gironniera parvifolia PLANCH. Gironniera rhamnifolia BLUME  Gironniera subaequalis PLANCH.
Humulus L. Asien, Europa, Nordamerika Humulus japonicus (LOUR.) MERR. Humulus lupulus L. Humulus neomexicanus (A. NELSON & COCKERELLl) RYDB. Humulus yunnanensis HU
Lozanella GREENM. Mittel- und Südamerika Lozanella enantiophylla (DONN.SM.) KILLIP & C.V.MORTON Lozanella permollis KILLIP & C.V.MORTON
Parasponia MIQ. Pazifische Inseln Parasponia andersonii PLANCH. Parasponia melastomatifolia J.J.SM. Parasponia parviflora MIQ. Parasponia rigida MERR. & L.M.PERRY Parasponia rugosa BLUME
Pteroceltis MAXIM. China Pteroceltis tatarinowii MAXIM.
Trema LOUR. Asien, Australien, Südamerika Trema angustifolia (PLANCH.) BLUME Trema aspera (BRONGN.) BLUME Trema aspera (BRONGN.) BLUME Trema cannabina LOUR. Trema micrantha (L.) BLUME Trema orientalis (L.) BLUME Trema tomentosa (ROXB.) H. HARA (insgesamt 15 Arten)
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Häufige Fragen zu Hopfen und Cannabis

Gehören Hopfen und Cannabis zur gleichen Pflanzenfamilie?

Ja, sowohl Hopfen (Humulus lupulus) als auch Cannabis (Cannabis sativa) gehören zur Pflanzenfamilie Cannabaceae. Diese Verwandtschaft erklärt, warum beide Pflanzen ähnliche Wirkstoffe wie Myrcen und andere Terpene enthalten. Mehr über Cannabis-Terpene und ihre Wirkung im ausführlichen Guide.

Enthält Hopfen Cannabinoide wie THC oder CBD?

Nein, Hopfen enthält weder THC noch CBD. Allerdings sind Terpene wie Myrcen und Linalool nachgewiesen, die auch in Cannabis vorkommen. Prenylierte Flavonoide wie Xanthohumol verleihen dem Hopfen eine beruhigende Wirkung. Spannend: CBGA wurde inzwischen auch in einer Pflanze außerhalb der Cannabaceae nachgewiesen, was die Forschung zu pflanzlichen Cannabinoiden neu öffnet. Das Endocannabinoid-System wird durch Hopfeninhaltsstoffe jedoch nicht direkt aktiviert.

Kann man Hopfen vaporisieren?

Technisch ist es möglich, getrocknete Hopfenblüten zu vaporisieren. Die Wirkung unterscheidet sich allerdings deutlich von Cannabis: Hopfendampf erzeugt kein High, sondern wirkt entspannend und schlaffördernd. Inhaltsstoffe wie Myrcen sind für diese sedierende Wirkung verantwortlich. Hopfeninhaltsstoffe sind nicht psychoaktiv.

Was ist der botanische Unterschied zwischen Hopfen und Cannabis?

Hopfen (Gattung Humulus) und Cannabis (Gattung Cannabis) sind verwandt, aber verschiedene Gattungen innerhalb der Familie Cannabaceae. Hopfen ist eine mehrjährige Kletterpflanze, Cannabis wächst als einjährige Krautpflanze. Beide eignen sich übrigens als Zierpflanze – wer es ausprobieren möchte, findet im Beitrag zu Hanfpflanzen im Garten Inspiration. Wie Cannabis ist der Hopfen eine traditionelle Nutz- und Ritualpflanze – ähnlich wie Ayahuasca in der Amazonas-Region.

Welche Pflanzen gehören zur Familie der Cannabaceae?

Die Cannabaceae umfassen rund 170 Arten in etwa elf Gattungen. Am bekanntesten sind Cannabis (Cannabis sativa) und Hopfen (Humulus lupulus); dazu kommen weniger geläufige Verwandte wie die Zürgelbäume (Celtis), Trema, Aphananthe und Pteroceltis. Der prominenteste Verwandte des Cannabis bleibt der Hopfen, der seit Jahrhunderten dem Bier sein Aroma gibt – wie eng Bier- und Cannabiskultur historisch verflochten sind, zeigt der Beitrag über Bier auf Hawaii und Cannabis in der DDR.

Kommen Cannabinoide auch im menschlichen Körper vor?

Ja. Während Cannabis die pflanzlichen Cannabinoide THC und CBD bildet, produziert der menschliche Körper eigene, cannabinoid-ähnliche Botenstoffe – die sogenannten Endocannabinoide wie Anandamid. Auch das körpereigene N-Arachidonoyldopamin gehört dazu und bindet an dieselben Rezeptoren wie pflanzliche Cannabinoide. Hopfen und die übrigen Cannabaceae bilden dagegen keine klassischen Cannabinoide, sondern verwandte Terpene und Bitterstoffe.

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