Dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist, ist eine hartnäckige Behauptung, die sich bis zum heutigen Tag in den Köpfen konservativer Legalisierungsgegner hält. Obwohl diese These bereits 1994 widerlegt wurde, ist das Feindbild der Einstiegsdroge bis heute tief in der Gesellschaft verankert. In den vergangenen Jahren zeigten immer mehr Studien, dass Cannabis das Gegenteil ist: eine Ausstiegsdroge.
Viele Konsumenten berichteten darüber, dass Cannabis ihnen hilft, den Konsum anderer suchterzeugender Drogen – zu denen im Übrigen auch Alkohol zählt – zu reduzieren. Nun gibt es eine neue Studie, die sich mit dem Wirkungsmechanismus von CBD bei der Behandlung einer Methamphetamin-Sucht beschäftigt. Erwähnenswert ist, dass diese Studie aus dem Iran stammt. Auch in arabischen Ländern verschließt man sich nicht mehr vollständig der medizinischen Wirkung von Hanf.
Wirksam trotz anderer Rezeptoraktivität
Viele Konsumenten anderer Drogen, die eine Sucht entwickelt hatten, konnten ihre Entzugserscheinungen mit Cannabis deutlich lindern, was den Ausstieg erleichterte. Noch nicht vollständig verstanden sind einige Wirkungsmechanismen, die zu diesem Effekt führen. Da es sich bei diesen Substanzen nicht um Cannabinoide handelt, weisen sie einen völlig anderen Wirkungsmechanismus auf.
Es stellt sich die berechtigte Frage, wie CBD, dessen primäre Wirkung über den CB2-Rezeptor vermittelt wird, Auswirkungen auf völlig andere Rezeptoren und Areale des Gehirns haben kann. Vermutet wird ein komplexes Zusammenspiel über mehrere Signalwege, die insbesondere den Dopaminhaushalt beeinflussen. Die aktuelle Studie erforscht, wie CBD es schafft, die Entzugserscheinungen von Methamphetamin zu lindern und den Kreis der Abhängigkeit zu durchbrechen.
Methamphetamin ist eine weltweit relativ häufig anzutreffende Droge mit hohem Sucht- und Schadenspotenzial. Bereits in der Vergangenheit konnten mehrere Studien zeigen, dass Cannabis eine Ausstiegsdroge für Methamphetamin sein kann. Unklar war bislang, wie über die Wirkung am CB2-Rezeptor andere Areale des Gehirns beeinflusst werden können, die für die Suchtentwicklung verantwortlich sind.
CBD hilft beim Löschen des Suchtgedächtnisses
Durch Beobachtungen an Ratten konnten Forscher feststellen, dass CBD seine Wirkung nicht nur am CB2-Rezeptor entfaltet, sondern über einen komplexen Signalweg zu einer indirekten Beeinflussung des Dopaminhaushalts führt. Der Dopaminhaushalt spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung psychischer Abhängigkeiten – so auch bei Methamphetamin. Dopamin ist das zentrale Hormon des Belohnungssystems. Es wird bei Erfolgserlebnissen ausgeschüttet und erzeugt ein Hochgefühl. Drogen wie Methamphetamin führen unter anderem dazu, dass Dopamin künstlich ausgeschüttet wird, was diesen Effekt simuliert. An dieses Wohlgefühl gewöhnt sich das Gehirn und verlangt diesen Effekt erneut.
Dieser Mechanismus wird auch Suchtgedächtnis genannt. CBD kann offenbar dabei helfen, genau dieses Suchtgedächtnis wieder zu überschreiben. Forscher stellten fest, dass CBD über eine indirekte Wirkung zu Aktivitäten am Dopamin-D2-Rezeptor beiträgt. Der Dopamin-D2-Rezeptor spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem. Er trägt dazu bei, dass ein auf Belohnung konditioniertes Verhaltensmuster schrittweise erlernt, aber auch wieder verlernt werden kann. Genau dieses Verlernen scheint CBD offenbar zu verstärken und zu erleichtern. Ratten, die CBD erhielten, zeigten ein signifikant schnelleres Verlernen und Umprogrammieren des Suchtgedächtnisses.
CBD führte zu einer indirekten Aktivität am D2-Rezeptor, wodurch das Suchtverhalten gemildert wird, ohne jedoch direkt eine Belohnung auszulösen. Dadurch wird die sogenannte Extinktion erleichtert – das Verlernen erlernter Belohnungsmuster. Dass CBD tatsächlich eine Auswirkung auf Dopaminrezeptoren hat, wurde mittels einer Gegenprobe bewiesen: Bei Ratten, die den D2-Antagonisten Sulpirid erhalten hatten, konnte die beschriebene Wirkung von CBD aufgehoben werden. Die Entdeckung stellt einen wichtigen Meilenstein in der Erforschung der genauen Wirkungsmechanismen von CBD bei der Behandlung von Suchterkrankungen dar.
CBD reduziert Folgeschäden von Methamphetamin
Unabhängig davon konnte eine weitere, 2025 veröffentlichte Studie zeigen, dass CBD auch Folgeschäden des Konsums von Methamphetamin reduzieren kann. Methamphetamin ist neurotoxisch, was vor allem durch die starke Freisetzung von oxidativem Stress bedingt ist. Maßgeblich an der Regulierung von oxidativem Stress beteiligt ist der TRPV1-Rezeptor.
Durch Beobachtungen an Mäusen konnte ein chinesisches Forscherteam zeigen, dass CBD die Aktivität von TRPV1 hemmt. Dadurch konnten die neurotoxischen Auswirkungen von Methamphetamin deutlich reduziert werden. Forscher gehen davon aus, dass dieser Wirkungsmechanismus in Zukunft auch beim Menschen eine Therapieoption bei der Behandlung von Methamphetamin-Sucht darstellen könnte.
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