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Die wirtschaftliche Entwicklung von Cannabis aus globaler Perspektive

Innerhalb der letzten Jahre erlebte die globale Cannabis-Industrie einen phänomenalen Wachstumsschub. Aus bisher konservativen Märkten entwickelten sich neue Branchen und die bereits bestehende Industrie wurde ausgebaut, wodurch Unternehmen wachsen und im Handumdrehen Tausende neue Arbeitsplätze entstehen konnten.


In den letzten zwei Jahrzehnten haben 37 Länder den Konsum von Cannabis zu medizinischen Zwecken legalisiert, wobei die meisten Reformen innerhalb der letzten fünf Jahre durchgesetzt wurden. Viele Neuerungen haben dazu geführt, dass Konsum und Anbau von legalem Cannabis  weltweit Jahr für Jahr angestiegen sind. Auf diese Weise entwickelte sich eine neue Industrie mit jeder Menge wirtschaftlichem Potenzial, die einer Vielzahl von Patienten den Zugang zu medizinischen Cannabis-Produkten ermöglicht.

Während sich Finanzunternehmen hauptsächlich auf die Entwicklungen in den USA und Kanada konzentrierten, gibt es im globalen Vergleich in Europa die meisten Konsumenten und man geht davon aus, dass der europäische Kontinent in Sachen Cannabis in Zukunft noch viel bedeutender werden und Nordamerika dabei den Rang ablaufen wird. Es gibt eine Reihe europäischer Länder, die die Gesetzgebung rund um Cannabis gerade überarbeiten, um den Zugang zu Cannabis als Medizin zu erleichtern und den Anbau in dafür geeigneten Regionen wie Portugal, Griechenland, Deutschland und Dänemark zu ermöglichen.

Auch Lateinamerika, Australien und Afrika wollen sich an diesem lukrativen Markt beteiligen, wobei Nordamerika derzeit meilenweit vor anderen Märkten agiert. Das zeigen die Prognosen einer Datenanalyse des North American Cannabis Report. Experten schätzen, dass die Cannabis-Industrie in den USA und Kanada in den nächsten fünf Jahren auf 47,3 Milliarden US-Dollar anwachsen wird.

Als Berater der globalen Cannabis-Industrie – assistierende Anbauer, Lieferanten, Marken und Investoren – haben wir den Vorteil, mehrere Sektoren aus der Vogelperspektive betrachten zu können. Dabei lassen sich mehrere wichtige Trends beobachten.

Medizinischer Gebrauch

Dadurch, dass Cannabis das Potenzial für die Linderung einer Vielzahl von Beschwerden besitzt, erhalten allein in Kanada immer mehr Menschen ein Rezept für medizinisches Cannabis. Angaben der kanadischen Regierung zufolge, wurden im Jahr 2019 über 364.000 kanadische Patienten mit Cannabis behandelt. Im Vergleich zu 2017 macht das einen Anstieg um 86%.

Blickt man über den Atlantik, gab es in Europa durchaus eine Art Legalisierungswelle, wobei die geltende Politik größtenteils immer noch nicht dem steigenden Bedarf an medizinischen Cannabis-Produkten gerecht wird. Der Zugang zu medizinischem Cannabis wird zum Missfallen von Patienten, Befürwortern und Unternehmen langsam aber sicher besser.

Mit geschätzten 40.000 Patienten, die nach der Legalisierung von medizinischem Cannabis im März 2017 derzeit Zugang zu medizinischen Cannabis-Produkten haben, ist Deutschland in Bezug auf Konsumentenzahlen Marktführer. Der liberale rechtliche Status, ein zugängliches Cannabis-Programm und die Möglichkeit der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse (Angaben der Techniker Krankenkasse zufolge wurden im Jahr 2018 67% aller Anträge erstattet) haben dazu geführt, dass Deutschland in dieser Hinsicht die Nase vorn hat.

Zwischenzeitlich haben ehemals konservative Gesetzgebungen wie in Frankreich, Großbritannien und Irland damit begonnen, den Zugang unter strengen Auflagen zu ermöglichen und das oftmals mit Unterstützung öffentlicher Medienkampagnen. Während jedes Land in Sachen medizinischem Cannabis einen eigenen Ansatz verfolgt, spiegelt sich der Wandel der Einstellung der Gesellschaft auch allmählich auf politischer Ebene wieder.

Anbau von Cannabis

Mit steigendem internationalem Bedarf an medizinischem Cannabis steigen auch Erwartungshaltung sowie Wertschätzung für ein qualitativ hochwertiges, standardisiertes und konformes Produkt. Mit einem öffentlich regulierten System und hervorragenden Bedingungen für Cannabis-Unternehmen hat sich Kanada hinsichtlich der Versorgung mittlerweile eine international führende Position erarbeitet und gibt hinsichtlich Cannabis-Exporten, Unternehmen und inländischen Verkäufen den Ton an. Sollte sich der rechtliche Status in den USA allerdings ändern, könnten die Vereinigten Staaten den kanadischen Markt überholen, da viele internationale Unternehmen außerhalb ihrer Landesgrenzen operieren wollen.

Es ist zu erwarten, dass Investitionen in die europäische Infrastruktur den dortigen Anbausektor erheblich verändern werden. Man geht davon aus, dass Dänemark und Portugal bis zum Jahr 2020– 2021 den Markt mit riesigen Produktionsflächen und -unternehmen beherrschen werden. Mit 26 genehmigten Anträgen für die Produktion von medizinischem Cannabis gibt auch die Regierung in Griechenland grünes Licht für eine vielversprechende Zukunft. Entgegen relativ strenger Zugangsprogramme hat man in Mazedonien in Anbaueinreichtungen investiert. Durch die ganzen Veränderungen in Europa versuchen nun die Niederlande, Italien und Deutschland die Position als regionale Führungsländer zu festigen und suchen durch die Öffnung landesinterner Märkte nach internationalen Exportmöglichkeiten.

Eine Vielzahl asiatischer, lateinamerikanischer und afrikanischer Länder sind gerade dabei, durch die entspannte rechtliche Lage eigene Anbauanlagen zu realisieren. Lateinamerika und Afrika werden dabei als Anbaugebiete immer wichtiger werden, um die sinkende Nachfrage an Marktkulturen und landwirtschaftlichen Gewinnen zu dämpfen.

Trimming of the flowering marijuana buds. Medical strains in 2019

Forschung und die nächste Entwicklungsstufe

Den größten Teil des vergangenen Jahrhunderts wurde Cannabis regelrecht verteufelt. Das hat dazu geführt, dass klinische Studien und weitreichende Daten über die therapeutische Wirkung von Cannabis eher Mangelware sind. Nichtsdestotrotz rückt die aktuelle Forschung den medizinischen und sozialen Nutzen von medizinischem Cannabis in ein neues Licht. Mit fortschreitenden Erkenntnissen über die wissenschaftlichen Eigenschaften und chemische Zusammensetzung von medizinischem Cannabis sowie wirtschaftliche Vorteile eines legalen Cannabis-Markts, ist es für Gesetzgeber schlichtweg unmöglich, eine der größten Entwicklungen im Gesundheitsbereich des vergangenen Jahrzehnts zu ignorieren.

Da Cannabis als seriöses Medizinprodukt immer legitimer wird, wird sich die Veränderung der öffentlichen Einstellung auch auf internationaler politischer Ebene widerspiegeln. Regierungen und führende Industriemächte müssen in der relativ neuen Industrie noch viel lernen, doch es ändert sich bereits vieles. Angesichts der beeindruckenden Wachstumsrate liegt es an Pädagogen und Beratern, die Entwicklung einer beständigen Industrie sicherzustellen, von der Patienten und Unternehmen auf internationaler Ebene profitieren können.

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