Hanfzigaretten aus der Schweiz: der Präzedenzfall von Bermuda
Weil das Schweizer Unternehmen Koch & Gsell Hanfprodukte der Marke Heimat nach Bermuda exportierte, kam es dort aufgrund rechtlicher Unklarheiten zu einer Gerichtsverhandlung. Zusammen mit dem Import-Partner hat das CBD-Unternehmen nun den Rechtsstreit gewonnen, sodass die Schweizer Produkte nun legal auf Bermuda verkauft werden können.
Im Frühling 2018 importierte die Firma Infinity Hemp Bermuda die ersten CBD-Zigaretten der Marke Heimat. Obwohl der rechtliche Status von CBD-Produkten noch nicht eindeutig geklärt war, konnte der Importpartner von Koch & Gsell die nötigen Bewilligungen für den Import der CBD-Zigaretten einholen. Kurz darauf beschlagnahmte die bermudische Polizei jedoch die importierten Hanfprodukte.
Weil in Bermuda Hanfprodukte mit einem THC-Gehalt von unter 1 % nicht als Betäubungsmittel gelten, legten Koch & Gsell zusammen mit Infinity Hemp Bermuda Widerspruch ein. Wie Koch & Gsell in einer Pressemitteilung erklärten, behandelte das Parlament von Bermuda die Frage nach der Legalität von Hanfprodukten während der Session Anfang November 2019 und kam zum Schluss, dass die Beschlagnahmung der Heimat-Hanfprodukte nicht gerechtfertigt war.
Laut Premierminister David Burt sei dies eine wegweisende Entscheidung, da Hanfunternehmen von der Polizei nun nicht mehr unfair behandelt werden können. Hanfprodukte der Marke Heimat dürfen weiterhin nach Bermuda exportiert und dort verkauft werden.
Häufige Fragen zu Hanfzigaretten
Was sind Hanfzigaretten?
Hanfzigaretten sind Zigaretten, die statt reinem Tabak zerkleinerte Blüten von Nutzhanf enthalten. Der prägende Wirkstoff ist Cannabidiol (CBD), der Anteil des berauschenden THC bleibt unter der jeweiligen gesetzlichen Grenze, in der Schweiz unter 1 Prozent. Wie diese Produktkategorie entstanden ist, beschreibt unser Bericht darüber, wie die Hanf-Zigi boomt.
Machen Hanfzigaretten high?
Nein. Für die berauschende Wirkung ist THC verantwortlich, und davon enthalten Hanfzigaretten zu wenig. Genau dieser Punkt entschied den Fall in Bermuda: Weil dort Hanfprodukte mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent nicht als Betäubungsmittel gelten, war die Beschlagnahmung nicht gerechtfertigt. Womit CBD stattdessen in Verbindung gebracht wird, zeigt eine Untersuchung zu Heimat Hanf-Zigaretten bei psychischen Erkrankungen.
Sind Hanfzigaretten in Deutschland legal?
Entscheidend ist der THC-Grenzwert, und der ist national unterschiedlich. In Deutschland und der EU gilt für Nutzhanf ein Wert von 0,3 Prozent, in der Schweiz dagegen 1 Prozent. Schweizer Hanfzigaretten liegen damit häufig über der deutschen Grenze und lassen sich nicht ohne Weiteres einführen. Wie stark solche Grenzwerte ganze Märkte bestimmen, zeigt die Übergangslösung für CBD-Blüten in Österreich bis 2028.
Was unterscheidet Hanfzigaretten von normalen Zigaretten?
Der wichtigste Unterschied ist das Nikotin: Reine Hanfzigaretten enthalten keines, viele Schweizer Produkte mischen den Hanf allerdings mit Tabak. Verbrannt wird in beiden Fällen Pflanzenmaterial, es entstehen also ebenfalls Verbrennungsprodukte. Was die Forschung beim Vergleich der Rauchbestandteile findet, fasst der Artikel Rauch ist nicht gleich Rauch zusammen.
Welche Marken stellen Hanfzigaretten her?
Bekannt wurde die Kategorie durch die Schweizer Marke Heimat des Herstellers Koch & Gsell, um deren Produkte auch der Rechtsstreit in Bermuda geführt wurde. Inzwischen sind ebenso klassische Tabakhäuser im Markt, etwa mit den CBD-Zigarillos der Marke Cannard von Villiger.
Wie ist die Rechtslage international?
Sehr uneinheitlich. Der Fall Bermuda aus dem Jahr 2019 gilt als Präzedenzfall, weil Premierminister David Burt die Entscheidung als wegweisend bezeichnete und Hanfunternehmen seither nicht mehr unfair behandelt werden können. Andere Staaten öffnen sich über Zulassungsverfahren, so wurde etwa in Peru ein neues CBD-Produkt zugelassen. Wer Hanfzigaretten mitführt, sollte die Regeln des Ziellandes vorher prüfen.


































