Die japanische Gartenkunst Bonsai ist vielen ein Begriff. Dabei werden Bäume, die in freier Natur riesig wachsen, über Jahre und Jahrzehnte in kleinen Töpfen als kunstvolle Zimmerpflanzen gehalten. Es wäre doch toll, wenn man eine Cannabispflanze als hübschen Miniaturbaum auf der Fensterbank ziehen könnte, der gut aussieht und dann noch köstliche Früchte trägt.
Grundsätzlich geht das auch. Natürlich wäre das kein „echter“ Bonsai mit einem mehrjährigen Baum, der richtige Äste bildet und dann ein verkleinertes Abbild seiner selbst ist. Aber man kann Hanf dazu „erziehen“ klein zu bleiben und dann wie ein Baum auszusehen. Der Hanf wächst schnell und ist dabei formbar. Man kann ihn klein halten, stark verholzen lassen und sogar mehrfach zur Blüte bringen, entgegen seiner Natur als einjährige Pflanze.
Das ist aber relativ aufwendig, ein Grower müsste dafür schon sehr viel ästhetischen Ehrgeiz aufbringen. Denn die schnell wachsende Hanfpflanze hat, anders als eine hundertjährige Kiefer, auch einen hohen und sehr spezifischen Nährstoffbedarf.
Bis zur ersten Ernte wäre ein Bonsai-Grow sogar relativ einfach. Man könnte sich mit etwas Aufmerksamkeit tatsächlich ein kleines Marihuana-Bäumchen für die Blumenschale ziehen. Dazu kann man ein Pflänzchen, nach Möglichkeit feminisiert, oder einen weiblichen Steckling, in der Wachstumsphase über längere Zeit kleinhalten und verholzen lassen. Wenn man dann die Blüte einleitet, sollte das Bäumchen robust genug sein, um mit schweren Buds beladen die Fensterbank zu zieren.
Um die Pflanze klein zuhalten müssen ab der gewünschten Größe die Triebe beschnitten und in die gewünschte Form gebunden werden, entweder mit Fäden oder, wie beim klassischen Bonsai, mit Drahtwicklung. Auch muss der Wurzelballen beschnitten werden, damit die Pflanze ständig im selben, kleinen Topf überleben kann. Die Pflanze soll lernen, dass sie nicht mehr Platz bekommt, das fördert gedrungenen Wuchs.
Wenn der Topf voller Wurzeln ist und alle Nährstoffe heraus gesogen wurden, verkleinert man den Ballen, kleidet den alten Topf mit neuer Erde aus und setzt die Pflanze wieder ein. Dafür kann man entweder die verbrauchte Erde am Ballen rundherum mit den Fingern ein wenig herauskratzen oder tatsächlich mit einem scharfen Messer seitlich und von der Unterseite Scheiben abschneiden. Um die so behandelte Pflanze gesund zu halten, bedarf es aber einige Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Die Haltung in einem kleinem Topf mit ausgelaugtem Boden erfordert genau die richtige Düngermenge, damit keine Mangelerscheinungen, aber auch keine Überdüngungsschäden auftreten. Damit die Pflanze schön verholzt, muss sie länger in der Wachstumsphase bleiben. Im Ergebnis hätte man also eine Pflanze, die bei längerer Wachstumszeit gleichviel oder sogar weniger Ertrag bringt, als der normale Grow. Als Zimmerschmuck wäre der Hanf auch nur bedingt geeignet, da die Einleitung der Blütephase wieder unter kontrollierter Beleuchtung im Growroom stattfinden müsste. Das wäre also eine Spielerei für sehr ehrgeizige Gärtner oder ein Marketing-Gag, wenn Profis so einen Zwergbaum irgendwo präsentieren wollen.
Jetzt könnte man sogar noch einen Schritt weitergehen und die Pflanze tatsächlich nach der Ernte weiterleben lassen. Unter idealen Bedingungen lässt sich Hanf erneut zum Wachsen und Blühen anregen. Die Verholzung würde dabei deutlich fortschreiten. Dazu müssen bei der ersten Ernte die Blätter und kleinen Buds im unteren Bereich an der Pflanze belassen werden. Dann muss die Pflanze weiter mit Nährstoffen und Licht aus Wachstumslampen versorgt werden. Wenn die Pflanze überlebt, beginnt sie eine erneute Wachstumsphase und kann wieder blühen.
Mit jedem Zyklus wird sie zunehmend verholzen. Die Qualität der Blüten nimmt aber ab und die Haltung erfordert viel Aufmerksamkeit. Es ist fraglich, ob sich eine Pflanze unter den besonderen Stressbedingungen in einem beengten Bonsaitopf zum Weiterleben bewegen lässt.
Bei Mutterpflanzen für die Stecklingsproduktion ist Bonsaikultur aber tatsächlich eine lohnenswerte Option. Die Mutterpflanzen sind ohnehin für mehrjährigen Einsatz vorgesehen und sollen nie in Blüte gehen. Wer genügend Platz und Licht zur Verfügung hat, braucht das natürlich nicht. Der lässt die Mamis ordentlich wachsen, das gibt mehr Stecklinge und die Pflanze bleibt leichter gesund, wenn sie sich nach Belieben ausbreiten kann. Wenn aber an Licht gespart werden soll, kann es die vernünftigere Lösung sein, kleine Pflanzen mit wenigen, weit aufgefächerten Ästen heranzuziehen. Die regelmäßige Ernte der Stecklinge entspricht dann dem notwendigen Beschneiden. Der regelmäßige Wurzelbeschnitt wiederum spart dem Grower Erde und Platz.
Das Cannabis Bonsai look a like
Wer einen echten, beständigen Bonsai haben will, der wie originaler Hanf aussieht, sollte sich nach japanischem Fächerahorn Acer Palmatum umsehen und seine Heilkräuter weiter im Growzelt mit ausreichend Erde pflegen.
Häufige Fragen zum Hanf-Bonsai
Kann man eine Cannabispflanze als Bonsai ziehen?
Ja, mit Geduld lässt sich Hanf zum Mini-Baum erziehen – allerdings kein „echter“ mehrjähriger Bonsai. Über regelmäßigen Trieb- und Wurzelbeschnitt sowie Drahtwicklung bleibt die Pflanze klein, verholzt stark und kann sogar mehrfach zur Blüte gebracht werden, entgegen ihrer Natur als einjährige Pflanze.
Wie züchtet man einen Hanf-Bonsai Schritt für Schritt?
Mit feminisiertem Samen oder weiblichem Steckling starten, in der Wachstumsphase über Wochen klein halten, Triebe mit Faden oder Draht in Form binden und den Wurzelballen periodisch beschneiden. Die Blüteneinleitung erfolgt erst, wenn das Bäumchen ausreichend verholzt ist – dann unter kontrolliertem Licht im Growroom.
Welche Cannabis-Sorte eignet sich für einen Bonsai?
Indica-dominante, kompakt wachsende Sorten mit kurzen Internodien sind ideal – sie verholzen früher und tolerieren Beschneidung besser. Empfehlenswert ist, frühzeitig das Geschlecht zu erkennen und nur weibliche Pflanzen als Grundlage zu nutzen, da männliche Hanfpflanzen für den Bonsai-Zweck ungeeignet sind.
Lohnt sich die Bonsai-Kultur für Mutterpflanzen?
Ja, für die Stecklingsproduktion ist Bonsai-Kultur eine sinnvolle Option: Mutterpflanzen sollen mehrjährig leben und nie in Blüte gehen. Kompakte Mütter mit weit aufgefächerten Ästen sparen Licht und Platz, und das richtige Gießen und Düngen im kleinen Topf wird durch die Routine planbar.













































