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Sinicuichi – Der „Sonnenöffner”

Heimia salicifolia ist eine psychoaktive Pflanze aus der Familie der Weiderichgewächse, deren botanische Heimat in Mittel- und Südamerika liegt. Von ethnopharmakologischer Relevanz ist Sinicuichi in erster Linie in Form eines geistbewegenden Tranks, der im alten Mexiko – aufgrund seiner gedächtnisanregenden Wirkung – als schamanisches Werkzeug eingesetzt wurde.

Daneben hat Sinicuichi ein beruhigendes und leicht euphorisierendes Wirkverhalten und kann, abhängig der eingenommenen Dosis, außerdem Gelbsichtigkeit hervorrufen – daher auch der Trivialname „Sonnenöffner“.

Botanische Synonyme

Heimia syphillitica, Nesaea salicifolia

Volkstümliche Namen

Abre-o-sol (port.), Sinicuiche (engl.), Yerba de las ánimas (span.)

Aussehen

Heimia salicifolia ist bei frostfreien Bedingungen ein immergrüner und verzweigter Strauch, der als Wildpflanze eine Höhe von über drei Metern erreichen kann. Als Topfpflanze gehalten erreicht sie etwa einen Meter. Die Pflanze trägt schöne gelbe Blüten und lanzettförmige Blätter. Die Blüten verfügen über sechs Blütenblätter und befinden sich an der Blattachsel. Bei den Früchten handelt es sich um kleine, glockenförmige Kapseln. In ihnen ist das winzige Saatgut enthalten.

Vorkommen

Heimia salicifolia ist in großen Teilen Mittel- und Südamerikas sowie auf den karibischen Inseln verbreitet. Besonders häufig findet man die Pflanze im Hochland des nordmexikanischen Bundesstaates Baja California.

Inhaltsstoffe

Das Chinolizidinalkaloid Cryogenin (= Vertin) ist der zentrale Wirkstoff des Sinicuichi-Krauts. Nebenalkaloide sind Abresolin, Anelesin, Cryofolin, Dehydrodecodin, Demethyllasubin I und II, Epidemethocyabresolin, Heimin, Lyfolin, Lythridin, Sinin und Vesolidin. Diese Wirkstoffe sind jedoch ausschließlich im Kraut enthalten. Wurzeln und Samen hingegen sind alkaloidfrei. Zudem enthält das Kraut, – im Besonderen jedoch die Blätter -, Tannin, Harze und Bitterstoffe.

Sinicuichi

Anzucht

Sinicuichi verträgt keinen Frost, weshalb sich der Freilandanbau, zumindest in Mitteleuropa, als schwierig erweisen wird. Die Anzucht als Topfpflanze ist jedoch auch hierzulande gut möglich. Im frühen Sommer kann die Pflanze dann in den Garten gestellt werden und im Winter bringt man sie einfach in einen hellen und kühl temperierten Innenbereich. Zur Anzucht wird am besten das Saatgut verwendet, das im Internet problemlos erworben werden kann. Dieses wird auf Anzuchterde gestreut und nur leicht angedrückt, nicht mit Erde überdeckt.

Will man sicher gehen, dass die Keimung erfolgreich verläuft, wird besser ein Anzuchtkasten verwendet. Die Erde muss durchlässig und immer ein bisschen feucht sein. Gelegentlich sollte gesprüht werden. Nicht wundern, wenn die Keimlinge schubweise wachsen. Das ist für Sinicuichi normal. Sobald die jungen Pflanzen ihr erstes Blattpaar entwickelt haben, können sie vorsichtig pikiert und in Töpfe gepflanzt werden. Nach den „Eisheiligen“, also wenn kein Frost mehr zu erwarten ist, kann die Topfpflanze ins Freiland an einen sonnigen Standort gestellt werden. Sinicuichi lässt sich problemlos zurückschneiden, vorausgesetzt, die Pflanze ist gesund und robust.

Ritueller Gebrauch

Der rituelle Gebrauch von Heimia salicifolia ist nicht sonderlich gut erforscht. Man weiß jedoch, dass die Pflanze den Azteken heilig war und aufgrund der Gelbsichtigkeit, die sie hervorrufen kann, von diesen auch als „Sonnenöffner“ bezeichnet wurde. Von mexikanischen Indianern wurde die Pflanze meist in Form des sogenannten „Vergessenstranks“ eingenommen, dem nachgesagt wurde, dass er weit zurückliegende, bisweilen sogar pränatale Ereignisse und vergessene Erinnerungen wieder ins Bewusstsein holen kann.

Von Schamanen wurde der Trank außerdem zu Divinationszwecken eingenommen. Doch nicht nur als Trank, sondern auch als Räucherwerk wurde Sinicuichi einstmals häufig verwendet.

Medizinischer Gebrauch

Die in Paraguay lebende Ethnie der Makâ verwendet die frischen Blätter äußerlich aufgelegt zur Behandlung von Wunden, quasi als Pflaster. Die mexikanische Ethnomedizin kennt Zubereitungen aus Sinicuichi zu diuretischen, fiebersenkenden und narkotisierenden Zwecken sowie zur Behandlung von Syphilis und diversen Frauenkrankheiten.

Wirkung

Die psychoaktive Wirkung des Sinicuichi-Tranks ist stark abhängig von Dosis, Set und Setting.

Niedrig dosiert kann es durchaus passieren, dass man überhaupt keine oder nur eine subtile Wirkung verspürt. Höher dosiert kommt es nach der Einnahme zu euphorisierenden, gedankenanregenden und sedierenden Effekten sowie einer leichten Veränderung der akustischen Wahrnehmung. Dass Sinicuichi außerdem als Entheogen wirkt, ist zwar eher selten, kann aber abhängig der obigen Einflussfaktoren nicht ausgeschlossen werden. Außerdem ist es möglich, zumindest wird dies in der Literatur immer wieder beschrieben, dass sich in Folge hoher Dosierungen gelbsichtige Visionen einstellen können. Auf der physischen Ebene wirkt Sinicuichi muskelentspannend, blutdrucksenkend und herzgefäßerweiternd.

Nebenwirkungen

Unangenehme Nebenwirkungen, die von Konsumenten zwar schon beschrieben wurden, aber keinesfalls generalisiert werden können, sind Schwindelgefühle, Kopf- und Magenschmerzen sowie Muskelkrämpfe. In Folge eines chronischen Konsumverhaltens soll es zu einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung kommen.

Dosierung

Als psychoaktive Dosis gelten 10 bis 30 g der getrockneten, leicht angewelkten Blätter.

Rechtslage

Sinicuichi fällt nicht unter die Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes.

Zubereitung

Teeaufguss

Hierzu werden die frischen oder getrockneten Blätter verwendet, die einfach mit kochendem Wasser übergossen werden. Die Dosis bestimmt sich anhand der gewünschten Wirkung. Ein Sinicuichi-Tee ist sehr bitter und nichts für schwache Geschmacksnerven.

Sinicuichi-„Vergessenstrank“

Gemäß einem alten Rezept werden die angewelkten Blätter zunächst über einen Zeitraum von 24 Stunden in Wasser eingeweicht, dann kräftig ausgepresst. Der Saft wird in einem Gefäß aufgefangen, an einen sonnigen Platz gestellt und der Gärung überlassen.
Alternativ zu dieser Rezeptur ist es ebenfalls möglich, nicht die Blätter, sondern die frischen Zweigspitzen auszupressen. Der Saft wird dann mit etwas Wasser vermischt zur Gärung gebracht. Sobald das Gebräu beginnt zu fermentieren kann es getrunken werden.

Räucherwerk / Rauchware

Die Blätter eignen sich in Kombination mit anderen Pflanzen auch gut zum Räuchern. Von manchen Personen werden das Kraut, die Blätter oder potente Extrakte auch geraucht oder vaporisiert.

Bezugsquellen für Sinicuichi-Saatgut

www.magicgardenseeds.de
www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

 

photocredit:  Andreas Fái-Pozsár/magicgardenseeds

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