Schlafstörungen sind ein weit verbreitetes Problem, welches häufig mit unverhältnismäßig risikoreichen Medikamenten behandelt wird. Häufig kommen Benzodiazepine zum Einsatz, die jedoch ein sehr hohes Abhängigkeitsrisiko bergen und zu einem rapiden Anstieg der Toleranz führen. Obwohl den meisten Menschen bekannt sein dürfte, dass Cannabis einen sedierenden Effekt hat, ist seine Nutzung als Schlafmittel in der Schulmedizin bis heute umstritten.
Obwohl seine medizinische Nutzung seit 2017 in Deutschland zugelassen ist, wird es bis heute so dargestellt, als sei es lediglich die allerletzte Option bei schwersten Krankheiten. Dass Cannabis auch bei Volksleiden wie Schlafstörungen eine sehr wirkungsvolle und vor allem nicht suchterzeugende Alternative zu Medikamenten wie Benzodiazepinen darstellen kann, konnten kürzlich veröffentlichte Studien erneut zeigen.
Langzeitstudie über 12 Monate
Eine 2025 veröffentlichte US-Studie untersuchte, welche langfristigen messbaren Auswirkungen die Einnahme von medizinischem Cannabis auf die Schlafqualität hat. 137 Patienten, die ursprünglich wegen einer anderen Grunderkrankung Cannabis verschrieben bekamen, aber zusätzlich an Schlafstörungen litten, nahmen an dieser Studie teil. Ziel war es unter anderem herauszufinden, ob auch die Art der Verabreichung einen Einfluss auf die Schlafqualität hat.
Sowohl zu Studienbeginn als auch nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten wurde die Schlafqualität der Teilnehmer mittels einer standardisierten Skala bewertet. Zur Anwendung kam hierbei der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Dabei handelt es sich um einen Selbstbeurteilungsfragebogen, der aus 19 Fragen besteht und verschiedene Aspekte der Schlafqualität abdeckt. So werden neben der Schlafdauer und der Schlafeffizienz auch Unterbrechungen des Schlafes oder Beeinträchtigungen am nächsten Tag erfasst.
Das Ergebnis: Cannabis führte zu einer raschen und signifikanten Verbesserung der Schlafqualität auf der PSQI-Skala. Die Verbesserung trat dabei in allen in der PSQI-Skala erfassten Parametern auf. Dabei zeigte sich die größte Verbesserung unmittelbar nach Beginn der Einnahme und konnte während des restlichen Beobachtungszeitraums nicht weiter gesteigert werden. Es kam jedoch auch zu keiner Abnahme der Verbesserung. Dies deutet darauf hin, dass Cannabis rasch und nachhaltig gegen Schlafprobleme hilft und auch bei dauerhafter Anwendung keine nennenswerte Toleranz erzeugt.
Konsumform hatte keinen Einfluss auf die Schlafqualität
Interessant war, dass zwischen den verschiedenen Konsumformen kein Einfluss auf die therapeutische Wirkung festgestellt werden konnte. Auch die Primärerkrankung, wegen der ursprünglich Cannabis verordnet wurde, zeigte keinen statistisch signifikanten Einfluss. Nicht erwähnt wurden in dieser Studie jedoch die Zeitpunkte der inhalativen oder oralen Einnahme. Primär ging es darum, die Langzeitauswirkungen von medizinischem Cannabis auf die Schlafqualität bei Dauergebrauch zu beurteilen.
Britische Studie mit vergleichbarem Ergebnis
Zum gleichen Ergebnis kam unabhängig davon eine britische Studie, die ebenfalls 2025 veröffentlicht wurde. 124 Patienten, die medizinisches Cannabis aufgrund von Schlafstörungen einnahmen, wurden über einen Zeitraum von 18 Monaten beobachtet. Die subjektiven Veränderungen der Schlafqualität wurden ebenfalls in regelmäßigen Zeitabständen mittels Selbstbeurteilungsfragebogen erfasst. Auch hier zeigte sich bereits zu Behandlungsbeginn eine signifikante Verbesserung sämtlicher Schlafparameter, die über den gesamten Beobachtungszeitraum konstant aufrechterhalten werden konnte.
Zusätzlich wurde in dieser Studie die seelische Befindlichkeit der Teilnehmer erhoben. Es zeigte sich, dass es durch die Einnahme von medizinischem Cannabis zu einer Reduzierung von Ängsten und Depressionen kam, was unter anderem auf den deutlich verbesserten Schlaf zurückgeführt wurde. Die Behandlung wurde von der Mehrheit der Patienten sehr gut vertragen. Lediglich bei 9 % kam es zu leichten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit. Der Toleranzanstieg oder ein Suchtverhalten waren vernachlässigbar gering.
Zum Vergleich: Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu 1,5 Millionen Menschen von Benzodiazepinen abhängig sind. Etwa jeder zwanzigste Bürger in Deutschland bekommt mindestens einmal im Jahr ein Benzodiazepin oder ein nahe verwandtes Z-Medikament verschrieben, wobei Schlafstörungen eine der häufigsten Indikationen sind. Die Herausgeber der Studie betonen, dass Cannabis eine Alternative für suchterzeugende Schlafmittel darstellen kann und auch wirksam ist, wenn konventionelle Medikamente versagen.




















