CBD wirkt nachweislich gegen eine Reihe von Erkrankungen und ist auch in der Schulmedizin angekommen. Häufig erfolgt die Anwendung oral in Form von Tropfen. Ein limitierender Faktor ist hierbei jedoch die vergleichsweise geringe Bioverfügbarkeit. Typischerweise werden nur zwischen 6 % und 20 % des eingenommenen CBD tatsächlich vom Körper aufgenommen.
Dieser Wert kann stark schwanken und ist abhängig von der Darreichungsform, der Nahrungsaufnahme sowie der individuellen Metabolisierung. Die stark variierende Menge an aufgenommenem CBD kann zu inkonsistenten Behandlungserfolgen führen. Australische Forscher haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Bioverfügbarkeit von CBD drastisch verbessert werden kann.
Chemischer Trick verbessert Löslichkeit
CBD ist stark lipophil und in Wasser praktisch unlöslich, während es sich in Fetten sehr gut löst. Mit einem speziellen chemischen Verfahren lässt sich dieses Problem umgehen und eine Wasserlöslichkeit erreichen. Australische Forscher stellten Nanopartikel aus einem sogenannten Cannabidiol-Phospholipid-Komplex (CBD-PLC) her, der wasserlöslich ist und in In-vitro-Versuchen eine deutlich verbesserte Resorption in einem Zellmodell des menschlichen Dünndarms zeigte. Ein Phospholipid ist ein komplexes Molekül aus Fettsäuren, bei dem eine Seite hydrophil und die andere hydrophob ist. Zusätzlich befindet sich eine Phosphatgruppe am Molekül, woraus sich auch die Bezeichnung „Phospholipid“ ableitet.
Der Trick besteht nun darin, einen Wirkstoff wie CBD mit dem Phospholipid zu verbinden, um so eine deutlich bessere Löslichkeit zu erzielen. Man kann sich das stark vereinfacht so vorstellen, als würde das CBD-Molekül in das Phospholipid eingebaut – ähnlich wie ein Legostein. Genau diese Kombination aus CBD und einem Phospholipid fertigte das Forscherteam an und verarbeitete sie anschließend zu Nanopartikeln mit einer Größe von 194,3 Nanometern. Mittels Löslichkeitsversuchen und Tests an Zellkulturen wurden die Eigenschaften dieser neuen Verbindung untersucht.
Deutlich verbesserte Bioverfügbarkeit
Die Forscher testeten die Löslichkeit dieser neu entwickelten Darreichungsform von CBD in Wasser. Während sich reines CBD nach drei Stunden zu 0 % gelöst hatte, lag die Löslichkeit des CBD-PLC-Komplexes nach dieser Zeit bei 67,1 %. Auch die Zellgängigkeit – also die Fähigkeit, bestimmte Zellen zu durchdringen und so in den Blutkreislauf aufgenommen zu werden – war abhängig von der Konzentration erheblich verbessert. Zu diesem Zweck stellten die Forscher eine Zellkultur aus menschlichen Dünndarmzellen her, da bei der Einnahme von CBD ein beträchtlicher Teil über den Dünndarm aufgenommen wird. Es zeigte sich, dass sich bei einer Konzentration von 30 µm (Mikromolar) die Zellgängigkeit um 32,7 % verbessert hatte. Bei 40 µm hatte sich die Aufnahme des CBD-PLC-Komplexes sogar verdoppelt.
Die Unbedenklichkeit der getesteten Konzentrationen wurde mithilfe eines 24-stündigen Zytotoxizitätstests bestätigt. Erstaunlich war auch die chemische Stabilität dieser neuen Darreichungsform: Selbst nach zwölf Monaten konnte keine Verminderung ihrer Eigenschaften festgestellt werden. Darüber hinaus vermuten die Forscher, dass der CBD-PLC-Komplex eine sehr gleichmäßige Freisetzung von CBD ermöglicht. Bei der Verstoffwechselung wird der Komplex wieder aufgespalten – und das offenbar über einen längeren Zeitraum hinweg. Dadurch lässt sich ein konstanter Plasmaspiegel von CBD im Blut erreichen, was therapeutische Vorteile mit sich bringen könnte. Zwar liegen noch keine klinischen Studien vor, doch das Forschungsteam geht davon aus, dass dies ein wichtiger Schritt zur Entwicklung neuer Medikamente auf CBD-Basis für den Menschen sein könnte.
Verfahren wird bereits bei anderen Arzneien erfolgreich angewendet
Grundsätzlich ist dieses Verfahren nicht neu. In der vorliegenden Studie jedoch wurde die für CBD optimale Phospholipid-Konfiguration gefunden, mit der sich die Bioverfügbarkeit in bislang nicht erreichter Weise verbessern lässt. Der Trick, die Bioverfügbarkeit bestimmter Wirkstoffe durch Phospholipid-Komplexe zu steigern, wird bereits seit Längerem erfolgreich bei anderen Präparaten angewendet. So gibt es zum Beispiel Curcuma-Extrakte auf dem Markt, deren Bioverfügbarkeit mithilfe dieser Methode erheblich erhöht wurde.
Diese Darreichungsformen werden als Phytosome bezeichnet. Phospholipide kommen auch in der Natur vor – das bekannteste Beispiel ist Lecithin. Am CBD-Markt finden sich zwar vereinzelt Produkte, deren Bioverfügbarkeit durch lipidbasierte Ansätze verbessert wurde, doch es handelt sich dabei in der Regel um physikalische Mischungen – nicht um echte Komplexe. Die Möglichkeit, die Pharmakokinetik von CBD künftig auf diese Weise zu optimieren, könnte einen Meilenstein in seiner medizinischen Anwendung darstellen.