Am 29. Dezember 2025 verabschiedete der Ministerrat ein Gesetz, das den medizinischen Einsatz von Cannabis in Bosnien und Herzegowina legalisiert. Auch wenn die praktische Umsetzung noch offene Fragen mit sich bringt, wurde immerhin die rechtliche Grundlage dafür geschaffen. Cannabis wurde von einer verbotenen Droge zu einer streng regulierten Substanz herabgestuft. Für ein Land, das bislang selbst CBD kritisch gegenüberstand, ist das ein enormer Fortschritt. Diese Umklassifizierung von Cannabis könnte die Lebensqualität vieler Patienten verbessern.
Strenge Regulierung, aber Schritt in die richtige Richtung
Die Verabreichung soll nach ärztlicher Verschreibung ausschließlich in Form von Fertigpräparaten möglich sein. Ein entscheidender Faktor, der hierbei jedoch übersehen wird, ist, dass Blüten die deutlich bessere Wahl wären. Isolierte Einzelwirkstoffe können nicht die als Entourage-Effekt bekannte synergetische Wirkung aller Inhaltsstoffe erzeugen, die Blüten auszeichnet. Dennoch ist dies ein erster Schritt in die richtige Richtung. Viele Details sind allerdings noch ungeklärt: So muss noch definiert werden, ob das Cannabis im Land angebaut oder importiert werden soll. Auch eine mögliche Kostenübernahme durch Krankenkassen ist eine entscheidende Frage, die erst noch geklärt werden muss. Aufgrund der zahlreichen regulatorischen Hürden ist aktuell noch unklar, wann mit der Abgabe an Patienten begonnen werden kann.
Maßgeblich wurde diese Gesetzesänderung durch Saša Magazinović von der Sozialdemokratischen Partei vorangetrieben. Wie er gegenüber der Presse mitteilte, sei nun der entscheidende Grundstein gelegt, Cannabis medizinisch nutzen zu können. Dubravka Bošnjak, die Ministerin für zivile Angelegenheiten, trug ebenfalls entscheidend dazu bei, entsprechende rechtliche Grundlagen zu schaffen. Sie sprach sich bereits in der Vergangenheit immer wieder dafür aus, wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen einfließen zu lassen. Die Gesetzesänderung ist das Resultat einer jahrelangen kontroversen Diskussion rund um dieses Thema. Über zehn Jahre dauerte die Debatte, bis man sich in der Regierung auf einen Kompromiss einigen konnte. Ausschlaggebend für einen Schritt in diese Richtung waren die zahlreichen positiven Patientenberichte bei Anhörungen im Parlament. Menschen mit chronischen Erkrankungen berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen und davon, dass Cannabisprodukte ihre Lebensqualität deutlich verbessert hätten – oftmals nachdem konventionelle Therapien versagt hatten.
Präzedenzfall als Auslöser
Der entscheidende Fall, der maßgeblich zu einer Lockerung des Gesetzes beitrug, waren die Erfahrungsberichte von Irfan Ribić. Der Künstler leidet an Multipler Sklerose und konnte durch Cannabisöl seine Beschwerden erheblich lindern. Dieser Fall ging durch die Medien und zeigte auch kritisch eingestellten Menschen, dass es Situationen gibt, in denen der Einsatz von Cannabis sinnvoll sein kann. Er war es auch, der Saša Magazinović dazu bewegte, sich für eine entsprechende Gesetzesänderung einzusetzen.
Durch seine öffentliche Äußerung, Cannabis als Selbstmedikation zu verwenden, sah sich Irfan Ribić mit starker Kritik konfrontiert. Er wurde wörtlich als Drogenabhängiger und Dummkopf bezeichnet. Seine Beharrlichkeit hat nach Jahren der Stigmatisierung am Ende jedoch dazu geführt, dass sein Fall ausschlaggebend für eine Freigabe zur medizinischen Nutzung war.
Optimismus trotz praktischer Hürden
Um offene Punkte zur praktischen Umsetzung zu klären, wurde bereits im September im Ministerrat eine entsprechende Arbeitsgruppe eingesetzt. So muss noch definiert werden, bei welchen Erkrankungen Zubereitungen von Cannabis zum Einsatz kommen sollen. Auch wichtige Details wie die Qualitätssicherung sowie die Dokumentation des gesamten Verschreibungsprozesses müssen erst erarbeitet werden. Trotz einiger organisatorischer Herausforderungen, die noch bewältigt werden müssen, zeigt sich Saša Magazinović optimistisch, dass in den kommenden Jahren auch weitere Nachbarländer diesem Beispiel folgen werden.





















