Das Endocannabinoid-System

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Keine Wirbeltiere ohne Cannabinoide

Cannabis ist genau diese eine Pflanze mit all ihren Cannabinoiden, die verboten wurde, und dem Menschen so nahe ist. Sie enthält Phytocannabinoide, die zu den exogenen Cannabinoiden gehören. Exogen bedeutet, dass die Substanzen außerhalb von unserem Körper entstehen, endogen bedeutet das Gegenteil davon. Das, wovor wir geschützt werden sollen, entsteht die ganze Zeit als endogene Cannabinoide in unserem Körper und ist Bestandteil vom Endocannabinoid-System. Bereits in der Muttermilch sind Cannabinoide enthalten, die dem Säugling wichtige Impulse geben. Jedes Wirbeltier und weiteres Getier verfügt über ein Endocannabinoid-System. Ohne dieses wäre höheres Leben auf der Erde vermutlich gar nicht möglich, oder es müsste ein ähnliches System im Körper geben.

Das erste Endocannabinoid wurde 1992 von William Devane zusammen mit Raphael Mechoulam und Lumir Hanus entdeckt und Anandamid genannt. Der Name lehnt an Ananda an, welches aus dem indischen Sanskrit stammt und „Glückseligkeit“ bedeutet und wurde gewiss nicht zufällig gewählt. Dieses Endocannabinoid blieb nicht alleine. 1997 wurde „2-Arachidonylglycerol“ oder „2-AG“ und 2001 „2-Arachidonylglycerylether“ oder „Noladinäther“ und 2002 das „O-Arachidonylethanolamid“ oder „Virodhamin“ entdeckt.

Exogene oder endogene Cannabinoide können als Wirk- oder Botenstoffe jedoch keinerlei Funktion haben, wenn sie im Körper nicht entsprechende Rezeptoren finden. Endocannabinoide sind also nur ein Teil vom Endocannabinoid-System. Der andere Teil sind die Rezeptoren. Als Cannabinoidrezeptoren wurden bereits der Cannabinoid-Rezeptor 1 oder CB1 entdeckt, der sehr geballt im Kleinhiern, im Hippocampus, den Basalganglien oder auch im peripheren Nervensystem wie dem Darm vorkommt. Es wurde auch der Cannabinoid-Rezeptor 2 oder CB2 entdeckt, der sich sehr konzentriert auf den Zellen vom Immunsystem und in Zellen, die am Knochenauf- und Abbau beteiligt sind, vorkommt.

Endocannabinoide docken an Rezeptoren an

Zudem gibt es G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, bei denen angenommen wird, dass sie im Endocannabinoid-System ebenfalls als Rezeptoren für Cannabinoide funktionieren. Es handelt sich um GPR18, GPR119 und GPR55.

Das Endocannabinoid-System wird weiterhin entdeckt

Der Körper eines höheren Lebewesens ist eine Biofabrik, in der nicht allein Nahrung zu Energie umgewandelt wird. Es gibt Hormone, Neurotransmitter, Enzyme und damit hunderte Substanzen. Wer daraus einzelne Bestandteile entdecken und erforschen möchte, der muss diese innerhalb der Massen anderer Substanzen erst einmal für sich gesondert betrachten können. Auch beim Endocannabinoid-System ist es naheliegend, dass wir von dem, was zu diesem System gerechnet werden muss, nicht einmal die Hälfte erkannt oder entschlüsselt haben. Auch in anderen Bereichen der Medizin gibt es Bereiche, denen sich die Forschung lediglich annähern kann. Da das Endocannabinoid-System auch im Gehirn entscheidende Funktionen ausübt und Hirnforschung ein besonders schwieriger Sektor ist, stellt sich die Frage, ob es möglich ist, das Endocannabinoid-System jemals detailliert entschlüsseln zu können.

Cannabinoide im Körper

Es braucht also Cananbinoide und Cannabinoid-Rezeptoren im Körper, um entscheidende Funktionen zu steuern. Dazu gehören z.B. das Hungergefühl, die Zufriedenheit, Entspannung, Anpassungsfähigkeit aber auch unbewusste Dinge wie entzündungshemmende Effekte. Was würde denn passieren, wenn Cannabinoide nicht wirken könnten? Das nur von 2006 bis 2008 in Deutschland zugelassene Medikament „Rimonabant“ blockiert den CB2 Rezeptor, vorhandene Cannabinoide können an diesen also nicht mehr andocken. Es wurde z.B. gegen Fettleibigkeit oder zur Entwöhnung von Nikotin und Alkohol eingesetzt. Jedoch leidet abhängig zur Dosis und zur Person die Stimmung erheblich. Es geht einem nicht nur die gute Laune verloren, man könnte glatt vor Frust aus dem Fenster in den Tod springen. Es handelt sich dabei nicht um Begleiterscheinungen von einem Entzug bei Kiffern, sondern um Personen, die gar keine Exogenen Cannabinoide zugeführt haben. Die alleinige Blockierung der endogenen Cannabinoide reicht bereits, dass die Menschen nicht mehr im Normalbereich „funktionieren“ oder sogar in den Suizid gehen.

Es gibt Dutzende exogene und möglicherweise ebenfalls Dutzende endogene Cannabinoide. Nicht alle Cannabinoide müssen automatisch eine medizinische oder notwendige Wirkung im Körper entfalten. Von den Wirksamen können verschiedene Cannabinoide sich ergänzen, in der Wirkung beeinflussen oder einander entgegen wirken. Gerade bei gesundheitlich beeinträchtigten Menschen liegt häufig bei einigen Cannabinoiden ein Defizit vor oder gegenüber einiger Cannabinoide eine Überempfindlichkeit. Damit ist nicht „mehr“ automatisch besser. Gerade für die medizinische Anwendung ist es also sehr wichtig, die Funktion der Cannabinoide im Endocannabinoid-System möglichst gut zu erforschen.

Weil Kinder und Jugendliche sich mit dem Gehirn noch im Aufbau befinden, reagieren sie auf vieles weit empfindlicher, als es Erwachsene täten. Wird der normale Ablauf im Wachstum und der geistigen Reifung beeinflusst, kann das irreparable Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen haben. Deswegen soll man mit der medizinischen Gabe von exogenen Cannabinoiden bei Kindern und Jugendlichen vorsichtiger als bei Erwachsenen sein, sowie Kinder und Jugendliche nicht zum Genuss bereits Cannabis konsumieren sollen.

Aber auch im Organismus von Kindern und Jugendlichen sind Cannabinoide bereits vorhanden und entscheidend. Die richtigen Konzentrationen sind jedoch ausschlaggebend. Da der Körper die endogenen Cannabinoide an den Stellen, wo diese wirken sollen, selber produziert, braucht es bei gesunden Kindern und Jugendlichen keine weitere Zufuhr von exogenen Cannabinoiden, die über die Blutbahn im ganzen Körper wirken würden. Bei gesunden Erwachsenen braucht es das auch nicht, hier können sie jedoch nicht mehr in der bereits abgeschlossenen Entwicklung stören, was bei Kindern und Jugendlichen nicht ausgeschlossen werden kann.

Genauso sollen Kinder und Jugendliche nicht Tabak rauchen, Alkohol trinken, regelmäßig Medikamente nehmen oder ihre Freizeit ausschließlich vor digitalen Geräten verbringen, da sie dadurch ebenfalls erheblich größere Schäden nehmen würden, als es Erwachsene tun.

Das Cannabinoid-System

Das Endocannabinoid-System grenzt das Cannabinoid-System auf die endogenen Cannabinoide ein. Es gibt jedoch auch die exogenen Cannabinoide, die in Pflanzen wie dem Cannabis als Phytocannabinoide entstehen oder in Laboren als synthetische Cannabinoide künstlich hergestellt werden. Wer diese exogenen Cannabinoide mit einschließen möchte, der würde also nicht vom Endocannabinoid-System, sondern vom Cannabinoid-System sprechen. Das wäre z.B. der Fall, wenn ein Konsument oder Patient Marihuana oder Extrakte aus diesem einnimmt. Ansonsten kann abgrenzend vom Endocannabinoid-System oder abgekürzt ECS gesprochen werden, um eine Cannabinoideinnahme in der getätigten Aussagen direkt auszuschließen.

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