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Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Cannabinoiden

Wie wirken Cannabinoide im menschlichen Körper und welchen Einfluss haben sie auf den Organismus? Mit dieser Frage beschäftigen sich Pharmakologen schon lange. Bereits vor ein paar Jahren hat Dr. Franjo Grotenhermen seine Gedanken zu dem Thema in einem wissenschaftlichen Artikel zusammengefasst.


Dr. Franjo Grotenhermen ist praktizierender Arzt und gilt als Experte für die Behandlung mit Cannabis. Das zeigen nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Buchveröffentlichungen. Der Allgemeinmediziner ist ein hoch angesehener Referent auf verschiedenen Cannabis-Veranstaltungen, wo er zum Thema Cannabis in der Medizin referiert. Darüber hinaus ist er ein wichtiger Teil der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM). Die Arbeitsgemeinschaft bietet Interessenten die Möglichkeit einer unabhängigen Beratung und Weiterbildung zur medizinischen Anwendung von Cannabis. Unter www.cannabis-med.org findet man unter der deutschen Version Informationen rund um Cannabis in der Medizin, Wissenschaft, Recht und Politik.

Pharmakokinetik und Pharmakodynamik

Pharmakokinetik ist ein Teilbereich der Pharmakologie und beschäftigt sich mit der Wirkung, Verteilung und Verstoffwechslung eines aufgenommenen Arzneimittels im Körper in Abhängigkeit von der Zeit. Dazu zählen alle Prozesse, die ein Stoff im Körper durchläuft. Darunter die Aufnahme des Wirkstoffes, Verteilung im Körper, biochemische Verarbeitung sowie Ausscheidung.

Im Gegensatz dazu behandelt die Pharmakodynamik den Einfluss eines Arzneimittels auf den Organismus bzw. welche biochemischen und physiologischen Effekte der Stoff auf den Körper hat. Die pharmakodynamischen Effekte eines Arzneimittels lassen sich dabei in erwünschte und unerwünschte Wirkungen unterteilen.

Cannabinoide

Vereinfacht ausgedrückt interagieren Cannabinoide mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems (ECS), die unter anderem in wichtigen Organen, im Gehirn, dem Immunsystem oder im Zentralnervensystem vorkommen. Dadurch wird die Konzentration bestimmter Neurotransmitter des ECS beeinflusst, was eine spezielle Wirkung zur Folge hat.

Von besonderem Interesse für die pharmakologische Wirkung von Cannabis ist THC oder Delta(9)-Tetrahydrocannabinol. Hinzu kommen das saure Stoffwechselprodukt THC-COOH, das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD), mehrere Cannabinoid-ähnliche Stoffe sowie neu entdeckte Modulatoren des körpereigenen Cannabinoid-Systems, die ein vielversprechendes Potenzial für die therapeutische Anwendung von Cannabis besitzen.

Die Wirkung von Cannabinoiden ist hauptsächlich auf die Aktivierung der mit G-Proteinen gekoppelten Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn und peripherem Gewebe zurückzuführen. Es gibt aber auch Hinweise auf rezeptorunabhängige Mechanismen. In der Regel werden Cannabinoide gelöst und inhaliert oder Cannabisprodukte oral eingenommen. Rektale Einnahme, sublinguale oder transdermale Anwendung sowie Augentropfen als Anwendungsmöglichkeit wurden nur in wenigen Studien untersucht und sind in der heutigen Praxis von geringer Bedeutung.

Die Pharmakokinetik von THC variiert je nach Einnahmemethode. Bei der pulmonalen Aufnahme von THC ist die Konzentration des Wirkstoffgehalts im Blutplasma innerhalb von Minuten messbar, psychotrope Effekte machen sich innerhalb von Sekunden bis weniger Minuten bemerkbar. Sie erreichen nach 25–30 Minuten ein Maximum und nehmen innerhalb von 2–3 Stunden allmählich ab. Bei der oralen Einnahme setzt die psychoaktive Wirkung nach 30–90 Minuten ein. Sie erreicht ihr Maximum nach 2–3 Stunden und dauert je nach Dosis und spezifischer Effekte ungefähr 4–12 Stunden an.

In Dosen, die die psychotrope Schwelle überschreiten, bewirkt die Einnahme von Cannabis in der Regel ein gesteigertes Wohlbefinden sowie Entspannung mit einer intensivierten Wahrnehmung gewöhnlicher sensorischer Erfahrungen. Zu den wichtigsten akuten Nebenwirkungen einer Überdosierung zählen Angst- und Panikattacken sowie körperliche Symptome wie erhöhte Herzfrequenz und Blutdruckveränderungen.

Es ist nicht auszuschließen, dass regelmäßiger Cannabis-Konsum zu einer psychischen Abhängigkeit und leichten Entzugserscheinungen führen kann. Weiterhin umstritten sind Auftreten und Intensität möglicher langfristiger schädlicher Auswirkungen auf Psyche und Wahrnehmung, das Immunsystem, Fruchtbarkeit und Schwangerschaft.

Zu den Indikatoren der medizinischen Anwendung von Cannabis zählen unter anderem Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Immunsuppression, Sedierung, Stimmungsverbesserung, Steigerung des Appetits, Senkung des Augeninnendrucks, Weitung der Bronchien, Neuroprotektion und Einleitung des Zelltods von Krebszellen.

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