Hört man sich die Argumente der Legalisierungsgegner an, so ist ein Argument immer wieder ganz vorne dabei: der Jugendschutz. Cannabis sei gefährlich für Jugendliche, deshalb müsse die Freigabe zurückgenommen werden. So oder so ähnlich drehen sich Diskussionen mit konservativen Politikern der Union im Kreis.
Was von Konservativen allerdings beharrlich ignoriert wird, sind die aktuellen Zahlen und Fakten. Nicht nur die erste Evaluierung von EKOCAN im Herbst ergab, dass die Legalisierung keine Auswirkungen auf den Jugendkonsum hatte. Es gibt Studiendaten aus Frankfurt, die zeigen, dass der Konsum unter Jugendlichen so niedrig ist wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Weniger Cannabiskonsum trotz Entkriminalisierung
Das Institut für Suchtforschung an der Frankfurter Universität befragt seit 2002 jährlich Schüler nach ihrem Drogenkonsum. Ein Monitoring in diesem Umfang ist in Deutschland einzigartig. Lediglich in Hamburg gibt es noch ein vergleichbares Programm. Zwischen Oktober 2024 und März 2025 wurden im Zuge dieser Erhebung 1.054 Schüler aus 82 Klassen befragt.
Das Ergebnis war ein völlig anderes, als es in den Mainstream-Medien durch die Entkriminalisierung häufig dargestellt wird. 78 % der Befragten gaben an, noch nie in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben. 13 % hatten es einmal probiert, 6 % konsumieren gelegentlich und jeweils 1 % konsumiert regelmäßig oder täglich. Dies ist ein drastischer Rückgang seit 2002, als der Konsum unter Jugendlichen seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Die Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der EKOCAN-Evaluierung, die keinen Anstieg verzeichnete und darauf hinwies, dass kein akuter Handlungsbedarf besteht. Die Daten zeigen einmal mehr: Die Entkriminalisierung führte zu keinem Anstieg des Konsums unter Jugendlichen, sondern zu einem kontinuierlichen Rückgang seit Jahren.
Deutlicher Rückgang auch bei Alkohol und anderen Drogen
Auch der Konsum von Alkohol geht seit Beginn der 2000er-Jahre kontinuierlich zurück. Bei der letzten Umfrage gaben 88 % der Befragten an, entweder gar nicht oder nur sehr moderat Alkohol zu trinken. Mehr als ein Viertel der Befragten hatte sogar noch nie in ihrem Leben Alkohol getrunken. Nur 6 % zeigten ein riskantes Konsumverhalten, welches sich etwa durch hohen Wochenendkonsum äußert. Lediglich 2 % bezeichneten sich als exzessive Trinker. Genau umgekehrt war es im Jahr 2003. Damals gaben nur 4 % der Jugendlichen an, komplett abstinent zu sein.
Auch Rauchen hat drastisch an Popularität verloren. 10 % der Befragten greifen regelmäßig zur Zigarette. Zum Vergleich: Zu Beginn der 2000er-Jahre waren es noch 40 %. 37 % der Jugendlichen gaben bei der letzten Umfrage an, schon einmal geraucht zu haben. Zu Beginn des Monitorings waren es noch 77 %. Auch an anderen Rauchvarianten wie Shishas haben Jugendliche zunehmend das Interesse verloren. Während es am Höhepunkt 2007 noch 76 % waren, die schon einmal Shisha geraucht haben, waren es bei der letzten Umfrage nur noch 23 %.
Etwas an Bedeutung haben alternative Nikotinprodukte wie Snus gewonnen. 19 % der Befragten hatten diese Kaubeutel schon einmal probiert. Lachgas erlebte in den vergangenen Jahren einen kurzen Hype, der aber seit 2022 ebenfalls wieder zurückgeht. Während 2022 noch 17 % angaben, schon einmal Lachgas konsumiert zu haben, waren es bei der letzten Umfrage nur noch 13 %. Infolge einer verfehlten Drogenpolitik haben bis heute synthetische Cannabinoide eine gewisse Bedeutung. 7 % der Jugendlichen haben Erfahrungen mit E-Liquids, die synthetische Cannabinoide enthalten – ein gefährlicher Ersatzstoff, den es nie gegeben hätte, wenn Cannabis nicht verboten worden wäre.
Deutlich verbessertes Gesundheitsbewusstsein
Fragt man Jugendliche nach den Gründen für ihre Abstinenz, so wird schnell klar: Jugendliche sind heutzutage deutlich reflektierter als noch vor 20 Jahren. 57 % der Befragten haben gesundheitliche Bedenken beim Konsum von Drogen. Gesundheitsbewusst, fit und leistungsfähig zu sein, hat bei vielen der Befragten einen hohen Stellenwert.
Viele Jugendliche haben auch schlichtweg kein Interesse daran. 74 % gaben an, an Drogen gar kein Interesse zu haben. Die Prioritäten unter Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt, egal ob eine Droge verboten oder legal ist. Auch die Herausgeber der Studie betonten, dass Verbote allein keine Auswirkungen auf den Jugendkonsum haben.






















