Die Atropa Belladonna oder auch die Tollkirsche ist eine der ältesten Schamanenpflanzen. Sie gehört zu den giftigsten Pflanzen im europäischen Gebiet und wurde schon früh für unterschiedliche Zwecke genutzt. Der Geschmack der Tollkirsche ist etwas süß und lässt weder vom Geschmack noch vom Geruch auf eine giftige Pflanze schließen. Das Verschlucken einer einzigen Beere kann aber zum Beispiel bei einem Kind zum Tod führen.
📑 Inhaltsverzeichnis
Herkunft und Namensgebung der Atropa Belladonna
Den Namen hat die Tollkirsche aus der Zeit der Renaissance erhalten, als Frauen sich den Saft der Tollkirsche in die Augen träufelten, um sich damit die Pupillen der Augen erweitern zu lassen, was sie als interessanter und verführerischer aussehen ließ. Aus dieser Wirkung heraus wurde der Name italienisch Belladonna (Schöne Frau) geprägt, den die Pflanze bis heute behalten hat. Der botanische Name der Tollkirsche, Atropa Belladonna, leitet sich aus der griechischen Mythologie ab, die Moiren (Schicksalsgöttinnen) genannt wurden und das verheerende Gift des Nachtschattengewächses Tollkirsche kannten und einsetzen.
Der Name Tollkirsche wurde dann erst im Mittelalter geprägt und auch als Wutkirsche oder Wutbeere bezeichnet, weil das Gift wohl wütend und besessen machte und sich in Tollheit und Raserei äußerte.
Gift und Wirkung der Tollkirsche
Die Atropa Belladonna ist eine sehr giftige Pflanze und gehört mit dem Stechapfel, der Alraune und dem schwarzen Bilsenkraut zu den sogenannten klassischen „Hexenpflanzen“. Die Inhaltsstoffe dieser Nachtschattengewächse konnten und können je nach Standort, in dem sie wachsen und nach Erntezeitpunkt in der Giftigkeit variieren, was sie immer wieder unberechenbar machte.
Die giftigen Bestandteile in der Tollkirsche bestehen vor allem aus Alkaloiden, die in allen Teilen (Wurzeln, Sprossen, Blättern und Früchten) der Pflanze vorkommen. Die Konzentration des Giftstoffes Hyoscyamin ist aber unterschiedlich in den Pflanzenteilen vorzufinden und kann in besonders hohen Werten in den Blättern der Tollkirsche nachgewiesen werden. Andere Gifte wie das Apotropin, das Scopolamin und Tropin, Pseudotropin sowie das Tropinon verteilen sich auf unterschiedliche Werte in der Giftkonzentration der Pflanze.

Die Wirkung der Tollkirsche blockiert spezifische Rezeptoren, die für das parasympathische Nervensystem verantwortlich sind. Dabei wird der Parasympathikus gehemmt und die krampflösende Wirkung der Pflanze kann sich über den ganzen Körper in verschiedenen Organen ausbreiten. Die Muskulatur im Magen und Darm, Galle und der Blase entspannt sich mit den entsprechenden Folgen. Die Schweißbildung im Körper wird herabgesetzt und die Speicheldrüsen vermindern ihre Aktivität, was zu einer typischen ausgeprägten Mundtrockenheit führt.
Bei einer echten Vergiftung mit der schwarzen Tollkirsche setzt zunächst die Mundtrockenheit ein, dann beginnen Sehstörungen und erweiterte Pupillen werden sichtbar.
Die Zauberpflanze Belladonna
Die magischen Kräfte der Tollkirsche waren lange Zeit im Volksglauben verwurzelt. In vielen alten Traditionen war die Atropa Belladonna ein Bestandteil der Zeremonien und Rituale, die sich vor allem um Geister und Pflanzengeister oder auch den Liebeszauber rankten. Ein gebrauter Trank aus den Wirkstoffen der Tollkirsche sollte aphrodisierende Wirkung haben, als Amulett getragen verhalf die Tollkirsche dazu, die Liebe und Zuneigung anderer Menschen zu gewinnen. Als Extrakte und Salben verwendet galt die Tollkirsche als Hexensalbe mit halluzinogenen Wirkstoffen der Belladonna. Man glaubte, sich nach dem Einreiben mit der Salbe der Tollkirsche in Tiere verwandeln zu können, die dann fliegen oder anderweitig entkommen konnten.
Die Halluzinogene in der Tollkirsche waren natürlich für die Drogenwirkung verantwortlich und gaben dem Konsumenten das Gefühl, sich als Flugobjekt bewegen zu können. Auch Gefühle und Träume von Verwandlungen im Drogenrausch der Extrakte aus Belladonna waren nicht unüblich und wurden so Bestandteil der Hexenbräuche. Je nach Dosierung konnte man natürlich auch Wahnzustände bekommen und an die Realität der Träume glauben.
Im Mittelalter war dies teilweise dann ein verhängnisvoller Zustand, der nicht selten im Hexenverdacht und dessen Folgen endete.
Tollkirsche im Schamanenkult

Die Naturdrogen waren schon seit langer Zeit bei den Schamanen vieler Kulturen der wichtigste Bestandteil ihrer Praktiken. Die Schamanen hatten früher eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Gruppe und waren die wichtigste Person noch vor dem Stammesoberhaupt. Der Schamane war Zauberer, Medizinmann und Hexer in einem und war mit den Pflanzen und deren Wirkungen bestens vertraut.
Ein Teil des Schamanenkultes bezieht sich auf die Fähigkeit zur Ekstase und den transzendenten Möglichkeiten und Wegen, mit denen er sich den Dingen nähern konnte. Die Tollkirsche war eine von vielen Pflanzen, die in schamanischen Praktiken verwendet wurde und nach dessen Glaube metaphysische Kräfte und Mächte freisetzte. Die Übergänge von Medizinmann zum Magier waren im Schamanismus aber nie klar abgrenzbar.
Die Tollkirsche heute
Die Anzahl berauschender Pflanzen und Pilze im europäischen Gebiet liegt ungefähr bei sechzig und viele berauschende Drogen dieser Art werden auch heute noch kultiviert. Man kann heute bestimmte Pflanzen im Internet kaufen und sich mit Pilzen, Engelstrompete, Tollkirsche und Stechapfel eindecken.
Meist ist der Hintergrund der Wunsch, spirituelle Erfahrungen zu sammeln und mit sich und seiner Psyche zu experimentieren.
Die ganz spezifische Rauschwirkung der giftigen Pflanzenstoffe macht auch die Tollkirsche für manche so interessant und die Hemmschwelle ist durch Drogen wie Ecstasy bei vielen auch als deutlich heruntergesetzt zu bewerten. Viele Konsumenten halten die Tollkirsche für harmlos im Vergleich zu anderen Drogen und reihen die Pflanze unter einem Naturstoff ein, der als unbelastet und Bio gilt. Dass es sich dabei um hochwirksame und chemische Verbindungen handelt, ist vielen nicht bewusst.
FAQ: Tollkirsche, Gift & Wirkung
Wie viele Tollkirschen sind tödlich?
Bei Kindern reicht schon eine einzige Beere für eine schwere Vergiftung mit möglicherweise tödlichem Ausgang. Bei Erwachsenen lösen drei bis vier Beeren oft akute Vergiftungserscheinungen aus. Verantwortlich sind die Tropan-Alkaloide Hyoscyamin, Atropin und Scopolamin in allen Pflanzenteilen.
Was sind die Symptome einer Tollkirschen-Vergiftung?
Erste Anzeichen einer Belladonna-Vergiftung sind ausgeprägte Mundtrockenheit, geweitete Pupillen und Sehstörungen. Es folgen heiße, gerötete Haut, beschleunigter Puls, Halluzinationen, Krämpfe und im schweren Verlauf Atemstillstand. Bei Verdacht sofort Notruf 112 und Giftnotruf kontaktieren.
Warum heißt die Tollkirsche Belladonna?
„Belladonna“ bedeutet auf Italienisch „schöne Frau“. Renaissance-Damen träufelten sich Tollkirschen-Saft in die Augen, um die Pupillen zu erweitern und damit verführerischer zu wirken. Der Gattungsname „Atropa“ stammt von Atropos, einer der drei griechischen Schicksalsgöttinnen, die den Lebensfaden zerschneidet.
Welche Wirkung hat die Tollkirsche auf die Psyche?
Die Alkaloide blockieren den Parasympathikus und können starke Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Flugträume auslösen. Genau diese Wirkung machte die Tollkirsche zum Bestandteil mittelalterlicher Hexensalben – ähnlich anderen Ritual- und Zauberpflanzen wie dem Beifuß. Die Dosisgrenze zwischen Rausch und tödlicher Vergiftung ist allerdings sehr schmal.
Welche anderen psychoaktiven Pflanzen wurden ähnlich verwendet?
Die Tollkirsche stand nicht allein: Indigene Schamanen weltweit nutzten alkaloid-haltige Pflanzen für Visionen und Heilrituale. Berühmtes Beispiel ist die afrikanische Traumwurzel der Xhosa, deren Wirkstoffe luzide Träume und Geisterkontakt vermitteln sollten. Auch europäische Hexensalben kombinierten oft Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche für ihre Trance-Erlebnisse.
Ist der Anbau der Tollkirsche in Deutschland erlaubt?
Der Anbau ist legal, da Atropa Belladonna nicht im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) gelistet ist. Sie zählt jedoch zu den giftigsten heimischen Pflanzen und ist mit anderen Nachtschattengewächsen verwandt. Wer sie pflanzt, sollte Kinder und Haustiere konsequent fernhalten.






































