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Die afrikanische Traumwurzel – Zauberpflanze der Xhosa

Silene capensis – den meisten ist dieses Leimkrautgewächs unter seinem Trivialnamen „afrikanische Traumwurzel“ bekannt – ist eine Pflanze, die in Fachkreisen den sogenannten Oneirogenen zugeordnet wird. Darunter sind Pflanzen (oder synthetische Wirkstoffe) zu verstehen, deren Wirkung primär dadurch charakterisiert ist, dass sie das menschliche Traumerlebnis nicht nur verlängern, sondern auch intensivieren und bewusster machen.

Die afrikanische Traumwurzel ist daher eine Pflanze, die in Anbetracht ihres Wirkpotenzials in erster Linie für jene Psychonauten geeignet scheint, die Erfahrungen im Luziden Träumen anstreben oder sich anderweitig mit Träumen und Traumarbeit beschäftigen. Schließlich haben Träume ein ungeheures Potenzial und werden nicht umsonst als der „Schlüssel zum Unterbewusstsein“ bezeichnet. Mit Hilfe eines oneirogenen („trauminduzierenden“) Werkzeugs, wie es beispielsweise Silene capensis eins ist, kann es bei entsprechend ausgerichtetem Set und Setting gelingen, Träume viel besser analysieren und letztlich auch deuten zu können, was im Idealfall dazu führt, dass unterbewusste Schwierigkeiten zunächst erkannt, dann verarbeitet und schließlich gelöst werden können.

Botanische Zuordnung

Art → Silene capensis OTTH.
Gattung → Silene LINNÉ (Leimkräuter)
Familie → Caryophyllaceae JUSSIEU (Nelkengewächse)

Botanische Synonyme

Silene undulata AITON

Volkstümliche Namen

Afrikanische Traumwurzel, Xhosa-Traumkraut, African Dream Herb, White Ways (engl.), Ubulawu (Xhosa)

Aussehen

Silene capensis ist eine ausdauernde, krautige sowie aromatische Pflanze mit einer Wuchshöhe von bis zu 60 cm sowie weißen oder rosa-cremefarbigen Blüten mit meist neun oder zehn Blütenblättern. Die länglichen Laubblätter haben einen glatten Rand und werden bis zu 15 cm lang und ca. 3 cm breit. Die am Stengel verlaufenden Blätter sind mit etwa 8 cm Länge deutlich kürzer. Die Kapselfrucht hat eine Länge von 1,5 cm und enthält die Samen, die wiederum ungefähr 1 x1 mm groß sind. Besonders charakteristisch sind zum einen der angenehme Duft der Blüten, der gleichermaßen an Bananen, Jasmin und Nelken erinnert sowie zum anderen das auffällige Merkmal, dass viele Pflanzenteile mit klebrigen Drüsen überzogen sind.

Natürliche Verbreitungsgebiete

Silene capensis ist in Südafrika und Simbabwe heimisch. Dort gedeiht sie besonders häufig in regenreichen Gebieten auf offenen Gras- und Waldlandschaften.

Inhaltsstoffe

Im Zuge dessen, dass der pharmakologische Wirkkomplex der afrikanischen Traumwurzel bis dato noch weitestgehend unerforscht ist, können bezüglich ihrer chemischen Zusammensetzung und Wirkstoffe nur wenige Angaben gemacht werden. Angenommen wird jedoch, dass sogenannte Triterpenoidsaponine für die traumverstärkende Wirkung verantwortlich sind. Diese wirken nämlich nicht bloß als effektive Virenhemmer oder Cholesterinspiegelsenker, sondern sie beeinflussen darüber hinaus auch den Schlaf.

Anzucht im eigenen Garten

Obwohl Silene capensis eigentlich in Afrika heimisch ist, geling ihre Anzucht aber auch problemlos in mitteleuropäischen Breitengraden. Sie kann aus Samen gezogen werden, wobei beachtet werden muss, dass diese Lichtkeimer sind, d. h. dass die Samen nur leicht auf das Substrat gedrückt und nicht mit Erde überdeckt werde dürfen. Zudem sollte der Pflanze immer genügend Wurzelraum zur Verfügung stehen. Sie liebt lockere Erde, viel Wasser und einen sonnigen Standort. Nach zwei Jahren kann die Wurzel geerntet und in einem dunklen Raum getrocknet werden.

Ritueller Gebrauch

Die Afrikanische Traumwurzel ist die zentrale Ingredienz des „Ubulawu“, einem Schamanentrank der südafrikanischen Xhosa, der traditionell dazu herangezogen wird, um bunte und lebhafte Träume zu induzieren. Die Xhosa sehen in der Wurzel einen Mittler von Weisheit und sprechen ihr magische Kräfte zu mit deren Hilfe es beispielsweise gelingen kann, mit den Geistern unserer Vorfahren in Verbindung zu treten.

Traditionelle Ubulawu-Additive

Botanischer Name Trivialname
Acacia elephantorrhiza (BURCH.) SKEELS Elephant´s root (engl.)
Behnia reticulate (THUNB.) DIDR. –
Dianthus mooiensis WILLIAMS –
Maesa lanceolate FORSSK. False assegai ( engl. ), Intendekwane (Xhosa)
Pappea capensis ECKL. et ZEYH. Indaba tree (engl.), umGqalutye (Xhosa)
Rhoicissus tridentate (L. F.) WILD et DRUMM Bitter grape, Bushmans grape (engl.)
Rhus pauciflorus L. F. Uqume (Xhosa)
Rubia cordifolia LINNÉ Färberwurzel, Manjistha (Sanskrit)
Vernonia oligocephala (DC.) SCHULTZ Bicoloured-leaved vernonia (engl.)

Medizinischer Gebrauch

Die Heiler und Schamanen der Xhosa sehen in der afrikanischen Traumwurzel eine divinatorisch-visionäre Medizin, nach deren Einnahme sie klärende Antworten auf gestellte Fragen oder aber auch deutliche Hinweise auf vorhandene Krankheitsursachen erhalten. So handelt es sich bei dieser Pflanze vielmehr um ein indirektes Heilmittel, da sie nämlich nicht in einer unmittelbaren Symptomlinderung wirkt, sondern vielmehr durch das visionäre Erkennen einer Krankheitsursache, die in Folge dessen bearbeitet und aufgelöst werden kann, wodurch nicht bloß eine provisorische Symptombehandlung stattfindet, sondern im Idealfall ein nachhaltiger und ganzheitlicher Heilungsprozess eingeleitet wird. Vergleichbare, auf Einsicht und Erkenntnis basierende Heilprozesse, sind beispielsweise auch nach der Einnahme von Ayahuasca oder Ibogain zu beobachten.

Wirkung

Silene capensis wirkt trauminduzierend (oneirogen), beruhigend sowie (traum-)erinnerungsfördernd. In Folge ihrer Einnahme fallen Träume deutlich realer, sprich lebhafter sowie farbenfroher aus, als dies normalerweise der Fall ist. Wenn im Traum spazieren gegangen wird, dann spürt man beispielsweise den Wind in den Haaren. Auch geträumter Sex ist von einem realen Geschlechtsakt kaum zu unterscheiden. Konsumenten erinnern sich nach dem Aufwachen noch eine ganze Weile an jedes im Traum gesprochene Wort, jeden besuchten Ort sowie jede getätigte Handlung.
Bei regelmäßiger Einnahme der Traumwurzel können auch im alltäglichen Wachbewusstsein leichte Veränderungen festgestellt werden. Farben und Gerüche werden intensiver wahrgenommen und Gedanken können leichter geordnet werden.
Zu beachten ist, dass die Wirkung beim ersten Mal sehr subtil verläuft. Viele Personen denken dann erst einmal, die Wurzel sei unwirksam. Werden Zubereitungen jedoch regelmäßig konsumiert, wird sich die Wirkung sukzessive steigern. Bereits nach einer Woche wird man viel intensiver träumen und das Interessante ist, dass dieser Effekt auch ohne die Einnahme der Traumwurzel noch einige Wochen anhalten kann.

Nebenwirkungen

Unerwünschte Nebenwirkungen, die nach der Einnahme größerer Mengen auftreten können, sind Übelkeit und Erbrechen. Normaldosierungen gehen in der Regel aber ohne unangenehme Begleiterscheinungen einher.

Wechselwirkungen

Wer im Zusammenhang mit der Traumwurzel noch andere psychoaktive Gewächse ein nimmt, der muss mit einer stärkeren Wirkung rechnen. Zu beachten ist jedoch, dass Personen, die regelmäßig Cannabis konsumieren – ganz gleich ob als Medizin oder als rekreationales Entspannungsmittel – oftmals überhaupt keine oneirogene Wirkung erfahren, was vor allem damit zu tun hat, dass Cannabis bekanntlich die REM- bzw. die bewusste Traumphase verkürzt – also quasi genau entgegengesetzt wirkt.

Rechtsstatus

Silene capensis ist weder den Bestimmungen des BtMG noch jenen des AMG unterstellt und daher komplett legal.

Zubereitung der Traumwurzel

Entweder wird die Traumwurzel zerkleinert und man lässt ein kleines Wurzelstückchen so lange im Mund, bis es weich ist und geschluckt werden kann. Eine andere Methode ist, die Wurzel zu einem Pulver zu zermahlen, dieses im Anschluss mit Wasser zu vermischen und so lange zu schütteln bzw. schlagen, bis ein fester, seifenartiger und bitter schmeckender Schaum entsteht. Dieser wird abgesaugt und runterschluckt. Getrunken wird so viel bis sich der Bauch leicht aufgebläht anfühlt. Als geeignete Dosis werden ein halber bis ein Teelöffel empfohlen. Höhere Dosen wirken nur geringfügig stärker.

Exkurs: Sonstige Oneirogene

Botanischer Name Trivialname
Alepidea amatymbica ECKL. et ZEYH. Larger tinsel flower (engl.), ikhathazo (Zulu), Iqwili (Xhosa)
Amanita muscaria (L. ex FR.) PERSOON Fliegenpilz, Fly agaric (engl.)
Artemisia vulgaris LINNÉ Gemeiner Beifuß, Gewöhnlicher Beifuß, mugwort (engl.)
Calea ternifolia KUNTH. Aztekisches Traumgras, Mexikanisches Traumkraut, Dream herb (engl.)
Entada rheedii SPRENG. Afrikanisches Traumkraut
Ginkgo biloba LINNÉ Ginkgobaum, Goethebaum
Heimia salicifolia (KUNTH.) LINK et OTTO Sinicuichi
Myrica gale LINNÉ Gagelstrauch
Nelumbo nucifera GÄRTNER Indische Lotusblume, Indian lotus (engl.)
Panax Ginseng C. A. MEY Ginseng
Peganum Harmala LINNÉ Steppenraute, Syrian rue (engl..)
Salvia divinorum EPLING et JÄTIVA Azteken-Salbei, Göttersalbei, Wahrsagesalbei, Sage of the diviners, Sage (engl.)
Synaptolepis Kirkii OLIV. Uvuma-omhlope
Tabernathe Iboga (L.) NUTT Ibogastrauch, Wunderholz
Tagetes lucida CAVANILLES Mexikanischer Estragon, Studentenblume, Winter-Estragon, Yauhtli

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