Hanf ist eine der ältesten und wichtigsten Nutzpflanzen der Menschheit. Auch in der Landwirtschaft war Hanf zur Gewinnung textiler Rohstoffe lange Zeit unverzichtbar. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Pflanze aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen dämonisiert.
Seit einigen Jahren erfährt sie jedoch auch in Deutschland langsam, aber stetig eine Renaissance als landwirtschaftliche Nutzpflanze. Eine aktuelle Umfrage unter 14 landwirtschaftlichen Betrieben, die Hanf anbauen, gibt einen Überblick über die Vorteile, aber auch über die Herausforderungen beim Anbau von Nutzhanf.
Befragung von landwirtschaftlichen Betrieben in Norddeutschland
Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 14 landwirtschaftliche Betriebe in Norddeutschland befragt, die vorwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind. Die Hälfte der Betriebe bewirtschaftete eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von weniger als 100 Hektar. Die meisten Landwirte betrieben neben dem Hanfanbau auch andere Formen der Landwirtschaft, etwa Viehzucht. Sechs der befragten Betriebe gaben an, noch neu im Hanfsektor zu sein. Lediglich vier Betriebe waren bereits seit mehr als sechs Jahren in diesem Bereich tätig.
Betriebskosteneffizienz und Umweltfreundlichkeit
Die befragten Landwirte bestätigten den sehr geringen Einsatz von Pestiziden. Einer der Bauern verglich dies mit Wintergetreide: Während dort pro Hektar Pflanzenschutzmittel im Wert von durchschnittlich 350 € eingesetzt werden müssen, entfallen diese Kosten bei Hanf vollständig. Nutzhanf ist kaum anfällig für Schädlinge und kann Unkraut effektiv unterdrücken.
Auch der Bedarf an Düngemitteln ist im Vergleich zu anderen Nutzpflanzen deutlich geringer. Dadurch lassen sich nicht nur Betriebskosten senken, sondern auch Umweltbelastungen reduzieren. Darüber hinaus bietet Hanf sehr diversifizierte Einnahmequellen, wodurch bei entsprechender politischer Unterstützung ein gutes Marktpotenzial besteht. Neben Fasern und Samen spielen insbesondere auch CBD-Produkte eine wichtige Rolle.
Gute Integration in die Fruchtfolge
Besonders hervorgehoben wurden die Vorteile von Hanf in der Fruchtfolge. Hanf besitzt eine ausgezeichnete Vorfruchtwirkung: So kann beispielsweise der Ertrag von Zuckerrüben gesteigert werden, wenn diese nach Hanf angebaut werden. Auch für Folgekulturen erwies sich Hanf als lohnenswert. Weizen, der nach Sommerhanf angebaut wurde, erzielte regelmäßig gute Erträge. Der geringe Einsatz von Chemikalien wirkt sich zusätzlich positiv auf das Bodenklima und die Erträge der Folgekulturen aus. Ein Nachteil sind jedoch die spezifischen Bodenanforderungen von Hanf. Bereits eine leichte Entwässerung oder Bodenverdichtung kann den Ertrag erheblich reduzieren.
Finanzielle Risiken durch THC-Grenzwerte und Marktsituation
Trotz der vielen Vorteile sehen sich die Landwirte mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Als größtes Problem wurden die vergleichsweise hohen Saatgutkosten in Verbindung mit entsprechenden Ausfallrisiken genannt. Im Vergleich zu Weizen oder Zuckerrüben sind die Kosten für Hanfsaatgut deutlich höher, was die Gesamtrentabilität schmälert. Ein weiterer limitierender Faktor ist der zulässige THC-Grenzwert von 0,3 %. Wie bei allen Pflanzen kann es auch bei Hanf zu natürlichen Schwankungen im Gehalt kommen. Im Extremfall können durch einen zu hohen THC-Wert bis zu 50 % des kalkulierten Ertrags verloren gehen, was den Anbau wirtschaftlich unrentabel macht.
Hinzu kommt eine instabile Marktsituation: Die Landwirte berichten von geringer Vertragssicherheit mit Abnehmern. Ohne feste Abnahmeverträge kann der Aufwand einer gesamten Saison vergeblich sein. Auch der Einsatz spezieller Maschinen ist häufig nicht rentabel. Damit sich entsprechende Investitionen lohnen, müssten mindestens 200 Hektar Hanf verarbeitet werden. Angesichts unsicherer Erträge ist dies kaum zu rechtfertigen. Aus finanzieller Sicht bleibt der Anbau von Nutzhanf daher oft ein Nullsummenspiel.
Gesellschaftliche Akzeptanz weiterhin ausbaufähig
Aus gesellschaftlicher Perspektive stellt die Abgrenzung zwischen dem stigmatisierten Begriff „Droge“ und Nutzhanf weiterhin eine große Herausforderung dar. Wie einer der Landwirte treffend formulierte, gehen viele Menschen zunächst davon aus, dass hier „Drogen angebaut“ werden. Diese ideologischen Prägungen führen zu geringer Akzeptanz. Wird jedoch erklärt, dass es sich um drogenfreien Nutzhanf handelt und über das Potenzial der Pflanze aufgeklärt, steigt sowohl Akzeptanz als auch Interesse deutlich an. Dabei zeigt sich, dass jüngere Menschen dem Thema Hanf deutlich aufgeschlossener gegenüberstehen als ältere Generationen.
Quellen
- Studie zu Chancen und Herausforderungen beim Nutzhanfanbau: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301479725020936





















