In der Welt des Cannabisanbaus gibt es Zahlen, die aufhorchen lassen – und dann gibt es Zahlen, die die gesamte Branche nachhaltig verändern könnten.
Genau so ein Moment ereignete sich kürzlich in Montréal. Eine Studie von CRIC Labs hat in Zusammenarbeit mit Royal Queen Seeds (RQS) dokumentiert, was viele für unmöglich hielten: einen Ertrag von 1,8 kg Cannabis pro Quadratmeter in einem Indoor-Szenario. Das Besondere dabei? Dieser Rekordwert wurde in einer Zeitspanne von nur 69 Tagen ab der Aussaat erreicht.
Die Studie: Datenbasierte Performance statt Grower-Latein
Lange Zeit galten Ertragsangaben oft als vage Schätzungen oder Idealwerte unter Laborbedingungen. Die Kooperation zwischen CRIC Labs und Royal Queen Seeds räumt mit diesem Image auf. In einem streng kontrollierten Indoor-Versuch wurde untersucht, wie sich echte F1-Hybrid-Cannabissamen unter professionellen, aber reproduzierbaren Bedingungen schlagen.
Im Fokus standen die Sorten Orion F1 und Medusa F1. Die Forscher setzten auf eine Pflanzendichte von 5,4 Pflanzen pro Quadratmeter. Was dann geschah, beeindruckte selbst die Experten: Der gesamte Lebenszyklus der Pflanzen dauerte lediglich 69 Tage. In dieser Zeit durchliefen die F1-Hybride eine verkürzte vegetative Phase, gefolgt von einer extrem schnellen und vor allem synchronisierten Blüte. Das Ergebnis von rund 1.800 Gramm pro Quadratmeter setzt einen völlig neuen Benchmark für die Effizienz moderner Cannabis-Genetik.
Das Geheimnis der Gleichmäßigkeit: Ein Canopy wie aus dem Bilderbuch
Es ist nicht nur die schiere Menge an Biomasse, die diese Studie so bedeutsam macht. Ein entscheidender Faktor für kommerzielle Grower wie auch für Heimanbauer ist die Homogenität des Bestands. Wer Cannabis im Indoor-Bereich kultiviert, kennt das Problem ungleichmäßig wachsender Pflanzen: Die einen schießen in die Höhe und verbrennen fast an der Lampe, während die anderen im Schatten verkümmern.
Die F1-Hybride zeigten in der CRIC-Labs-Studie jedoch eine verblüffende Zuverlässigkeit. Der Bestand bildete eine absolut uniforme Struktur über die gesamte Anbaufläche aus. Für die Forscher war dies der Schlüssel zum Erfolg: Durch die eng abgestimmten Wuchshöhen entfiel die Notwendigkeit, Licht und Bewässerung individuell an einzelne Pflanzen anzupassen. Die Input-Parameter konnten über dem gesamten „Canopy“ (dem Blätterdach) gleichmäßig optimiert werden, was die Effizienz der Fotosynthese und Nährstoffaufnahme massiv steigerte.

Echte F1-Hybride: Geschwindigkeit trifft auf Robustheit
RQS ordnet diese Ergebnisse als klaren Beleg dafür ein, warum „echte“ F1-Hybride die Zukunft des Cannabisanbaus sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sorten, die oft eine gewisse genetische Varianz aufweisen, bieten echte F1-Hybride eine Kombination aus Schnelligkeit, Konsistenz und Widerstandsfähigkeit.
Wenn sich ein Growraum über die gesamte Fläche homogen verhält, lassen sich konstante Resultate von Durchgang zu Durchgang viel leichter halten. Diese Wiederholbarkeit ist der Heilige Gral des modernen Anbaus. Wo früher jede Ernte eine kleine Überraschung war, tritt nun die wissenschaftlich fundierte Planbarkeit.
Auch für Heimanbauer ein realistisches Ziel?
Eine oft gestellte Frage bei solchen Rekordwerten ist, ob diese nur in millionenschweren Hightech-Anlagen erreicht werden können. Simon Charette, der das Projekt bei CRIC Labs betreute, gibt hier ein klares Signal der Hoffnung an die Community. Er verknüpft das Output-Niveau direkt mit umsetzbaren Best Practices: „Auch im kleinen Maßstab, mit einem Grower, der sich ein bisschen mit den Pflanzen und ihrer Umgebung auskennt, halte ich das für absolut erreichbar.“
Das bedeutet: Stabile, uniforme Genetik macht eine hohe Performance für jeden zugänglich, der bereit ist, seine Umgebungsparameter sorgfältig zu managen. Die Genetik liefert das Potenzial – der Grower muss lediglich den passenden Rahmen bieten.
Die nächste Stufe: photoperiodische F1-Hybrid-Generation
Das Interesse an der CRIC-Studie fällt zeitlich mit einer weiteren spannenden Entwicklung zusammen. RQS hat basierend auf diesen Erkenntnissen neue photoperiodische F1-Hybrid-Cannabissamen veröffentlicht. Diese folgen demselben strengen „True-F1“-Ansatz, bieten aber einen entscheidenden Vorteil für Enthusiasten: Sie geben dem Grower die volle Kontrolle über die vegetative Dauer und ermöglichen fortgeschrittene Trainingstechniken wie Scrog oder Mainlining.
Gleichzeitig bleibt der Kernvorteil erhalten: eine uniforme Struktur und eine deutlich besser planbare Performance als bei klassischen photoperiodischen Sorten. Die Ära, in der man zwischen Ertrag, Geschwindigkeit und Qualität wählen musste, scheint dank der F1-Technologie endgültig vorbei zu sein.
Die Daten aus Montréal zeigen deutlich: Die Zukunft des Cannabisanbaus ist grün, effizient und vor allem – berechenbar.





















