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Gibt es das Amotivationssyndrom wirklich?

Vielen Cannabiskonsumenten wird nachgesagt, dass sie faul und unmotiviert seien. Zusammengefasst wird dieses Phänomen unter dem Begriff des amotivationalen Syndroms, welches angeblich ein psychologisches Phänomen sein soll. Antriebsstörungen, welche in einer Leistungsminderung münden, Gleichgültigkeit bis hin zur Apathie gegenüber der Umwelt. Das sind die Symptome dieser Krankheit, die maßgebend aufgrund von fehlender Motivation entstehen soll. Es offenbart sich die Frage, ob das Amotivationssyndrom tatsächlich unter Cannabiskonsumenten auftritt.


Der Ursprung des Syndroms

Eingeführt wurde dieser Begriff von zwei Psychiatern namens Täschner und Wanke in den 1960er Jahren. Sie stellten fest, dass Cannabiskonsumenten oft nicht mehr den Anforderungen der Leistungsgesellschaft gewachsen seien. Neben einer Motivationslosigkeit soll auch eine Passivität zur Außenwelt auftreten. Seinen Ursprung soll das amotivationale Syndrom dabei nicht nur im übermäßigem Cannabiskonsum finden, auch der Gebrauch anderer Drogen soll dazu führen können. Dabei stützten sich die beiden Psychiater auf zahlreiche Fallberichte, die wahre Datenlage dazu soll noch abgearbeitet werden. Jedenfalls wird die Ursache des Syndroms in physiologischen Schäden im Gehirn verankert, welche aufgrund langjährigen Drogenmissbrauchs zustande kamen.

Zu den Fakten

Es gibt zahlreiche Studien, welche die Existenz des Amotivationssyndroms widerlegen. Eine dieser Studien bestand aus einer groß angelegten Befragung der Sozialwissenschaftler Kleiber und Soellner im Jahr 1998. Rund 1500 Cannabiserfahrene wurden hier nach ihrer Leistungsmotivation ausgefragt. Die Ergebnisse zeigten keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zu normalen Gesellschaft. Auffällig war lediglich, dass es weniger hochmotivierte Menschen gab, die zudem viel Cannabis konsumierten. Abgesehen von diesem Extrem jedoch gab es keine signifikanten Unterschiede, womit das Syndrom prinzipiell als widerlegt gilt. 

Die Gründerväter dieses Begriffes jedoch bezogen sich auch auf Fallbeispiele. Im Fokus ihrer Forschung standen hartnäckige Cannabiskonsumenten, die den Drogengebrauch zum Mittelpunkt ihres Lebens erklärten. Prinzipiell kann man auch festhalten, dass eine große Zahl der Cannabiskonsumenten im Verlaufe ihres Lebens Zeiten haben, in welchen sie fast ausschließlich ihre Tage mit dem Konsumieren von Cannabis füllen. Dabei sollte immer bedacht werden, dass es sich hierbei in den meisten Fällen um eine Phase handelt, die auch nach einer geeigneten Zeit wieder abklingt. Andere Aspekte des Lebens, wie die Zukunftsplanung, neue Beziehungen, Reisen oder auch die persönliche Karriere rücken nach einer bestimmten Zeit wieder in den Fokus. Folglich muss der jeweilige User immer für sich selbst evaluieren, in welchem Maße sein Konsum gerade die anderen Aspekte seines Lebens einschränkt.

Des Weiteren haftet das Image als Motivationstöter dem Cannabis lediglich im westlichen Raum an. In anderen Ländern wird Hanf sogar als Motivationssteigerer gehandhabt, so beispielsweise in Jamaika. Hier legen arbeitende regelmäßige Pausen für ihr Ganja ein, welche vergleichbar mit deutschen Kaffeepausen sind. In diesen Ländern kann es auch vorkommen, dass Eltern ihre Kinder zum Cannabiskonsum anregen, damit diese ihre Leistungen in der Schule verbessern. Weitere Länder mit ähnlichen kulturellen Voraussetzungen sind Costa Rica und Griechenland. Dass Cannabis ein Motivationstöter sein soll, hängt also größtenteils vom kulturellen Hintergrund ab, was die faktische Grundlage des Amotivationssyndrom weiter abschwächt.

Fazit

Es gibt zahlreiche Fakten, welche die Existenz eines Amotivationssyndrom widerlegen. Wie es scheint, wurden hier Ursache und Wirkung nicht richtig zusammengeführt. So könnte man die Existenz eines amotivationalen Syndroms auch darauf zurückführen, dass sowieso demotivierte Personen eher zu einem ausgereiften Cannabiskonsum neigen. Ganz besonders eine physiologische Grundlage für ein Amotivationssyndrom scheint durch die gegebenen Argumente widerlegt.

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