Palmitoylethanolamid (PEA): Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem effektiven Endocannabinoid-Modulator …
Palmitoylethanolamid, kurz PEA, ist ein oftmals unterschätzter Bestandteil des erweiterten Endocannabinoidsystems. Die Substanz wird vom Körper als natürliche Reaktion auf Zellschäden oder Entzündungen gebildet. Zwar wirkt PEA nicht direkt an den klassischen Cannabinoidrezeptoren ($CB_1$ und $CB_2$), jedoch verstärkt es die Wirkung körpereigener Cannabinoide durch den sogenannten „Entourage-Effekt“.
Seine Wirkung entfaltet PEA hauptsächlich über die Rezeptoren des erweiterten Endocannabinoidsystems (wie den PPAR-alpha). Da es ein Fettsäureamid ist, das eine zentrale Rolle bei immunologischen Prozessen spielt, steht es zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Aufgrund des hohen Nutzens bei gleichzeitig sehr geringem Nebenwirkungspotenzial ist PEA bereits als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich.
Hoffnungsträger bei Psychosen
Eine 2025 veröffentlichte italienische Studie untersuchte, ob PEA präventiv bei Jugendlichen mit einer genetischen Disposition für Psychosen wirken kann. 16 Hochrisiko-Patienten erhielten über 12 Wochen täglich 600 mg PEA.
Das Ergebnis war beeindruckend: Die psychopathologischen Symptome, gemessen auf der internationalen CAARMS-Skala, sanken innerhalb von 12 Wochen um 52,5 %. Auch messbare Biomarker im Körper bestätigten die antipsychotische Wirkung. Besonders hervorzuheben ist, dass PEA von allen Teilnehmern hervorragend vertragen wurde – es gab keinerlei Berichte über Nebenwirkungen.
Einsatz gegen das Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Neurologische Erkrankungen wie das Restless-Legs-Syndrom belasten oft die Schlafqualität massiv. Aktuelle Standardtherapien gehen häufig mit starken Nebenwirkungen einher. Erste klinische Beobachtungen zeigen nun, dass PEA eine effektive Alternative oder Ergänzung darstellen kann. Es scheint insbesondere die Wirkung des Medikaments Gabapentin zu unterstützen, ohne dessen Nebenwirkungsprofil zu verschärfen.
Durchbruch bei chronischen Rückenschmerzen
Dass PEA eine sinnvolle Ergänzung bei chronischen Schmerzen ist, belegt eine weitere italienische Studie von 2025. 49 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die auf herkömmliche Mittel wie Tramadol nur unzureichend ansprachen, erhielten acht Wochen lang PEA (kombiniert mit Ackerschachtelhalm-Extrakt).
Das Resultat: Bei 94 % der Teilnehmer konnte ein deutlicher Rückgang der Schmerzintensität erreicht werden. Im Durchschnitt sank der Wert auf der Numeric Pain Rating Scale (NPRS) um 3,8 Punkte. Da die Behandlung praktisch nebenwirkungsfrei verlief, bietet PEA eine vielversprechende Option für Schmerzpatienten, die ihre herkömmliche Medikation reduzieren möchten.
Quellen
- Studie zu Psychosen: Palmitoylethanolamide in clinical high risk for psychosis (PubMed)
- CAARMS erklärt: Comprehensive Assessment of At-Risk Mental States (PubMed)
- Restless-Legs-Syndrom: PEA as a potential treatment for RLS (PubMed)
- Chronische Rückenschmerzen: Clinical evidence for PEA and Equisetum arvense in chronic back pain (MDPI)




















