In Nordmazedonien läuft derzeit die größte Anti-Drogen-Operation in der Geschichte des Landes. Ministerpräsident Hristijan Mickoski rechnet damit, dass bis zum Ende der laufenden Razzien bis zu 100 Tonnen Cannabis sichergestellt werden könnten. Der Premier erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Vorgängerregierung und spricht von einer fehlgeleiteten „Kartell-Politik“.
Am Sonntagabend trat Ministerpräsident Hristijan Mickoski vor die Presse, um eine erste Bilanz der massiven Durchsuchungswelle zu ziehen, die das Land am Wochenende erschüttert hat. Bereits jetzt wurden mehr als 40 Tonnen Cannabis sowie große Mengen an Cannabisöl und Biomasse beschlagnahmt.
Razzien in lizenzierten Betrieben
Das Kuriose an der Operation: Die Drogen wurden nicht in geheimen Lagern gefunden, sondern bei Unternehmen, die eigentlich eine offizielle Lizenz für den Anbau von medizinischem Cannabis besitzen. Mickoski kündigte für die kommende Kabinettssitzung am Dienstag einen weitreichenden Beschluss an: „Wir werden jede einzelne Firma betreten, die Hanf für medizinische Zwecke produziert.“
Laut Mickoski ist der aktuelle Zustand das Ergebnis der Politik der Vorgängerregierung aus SDSM und DUI. Er warf ihnen vor, den Sektor durch „Kartell-Strukturen“ korrumpiert zu haben. Den betroffenen Firmen wird vorgeworfen, gesetzliche Vorgaben massiv missachtet zu haben – ein Vorwurf, der nun gerichtlich geklärt werden muss.
Diplomatische Spannungen wegen Serbien-Fund
Für zusätzliche Brisanz sorgte die Frage nach fünf Tonnen Cannabis, die kürzlich im serbischen Konjuh (nahe Kruševac) beschlagnahmt wurden. Berichten zufolge soll diese Ware aus Nordmazedonien stammen. Mickoski zeigte sich hierüber jedoch skeptisch und leicht gereizt:
„Ich weiß nicht, woher Sie die Information haben, dass fünf Tonnen das Land verlassen haben. Warum vertrauen Sie der Regierung eines Nachbarlandes mehr als Ihrer eigenen?“
Das nordmazedonische Innenministerium arbeite jedoch eng mit der Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität und Korruption zusammen, um genau diese Verbindung zu prüfen.
Die Zahlen der Beschlagnahmung
Die Polizei gab bereits detaillierte Einblicke in die bisherigen Funde bei lizenzierten Anbaubetrieben:
- Skopje: In einem Betrieb wurden rund 9 Tonnen Hanfblüten und über 1.300 Flaschen Cannabisöl (Halbfabrikat) sichergestellt.
- Osten des Landes: Bei mehreren Firmen in der östlichen Region wurden über 31 Tonnen Biomasse und Hanf beschlagnahmt.




















