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Dr. Grotenhermen zu Marihuana auf BtM Rezept

Dr. med. Grotenhermen mit Vortrag auf dem Hammf e.V. Sommerfest
Dr. med. Grotenhermen mit Vortrag auf dem Hammf e.V. Sommerfest

Das Cannabismedizingesetz ist auf dem Weg, das Marihuana auch

Bereits im Jahr 2016 sollte eigentlich Marihuana auf BtM Rezept verschreibungsfähig werden. Die Amtsmühlen laufen langsam, wir hoffen alle, dass es 2017 etwas wird. Am 24.09.2016 führten wir auf dem Hamm e.V. Sommerfest ein Interview mit Deutschlands führenden Fachmediziner für Cannabis Arznei, Dr. Grotenhermen. Es ging hierbei ganz allgemein um Hanf und wie es sein wird, wenn er auf BtM Rezept erhältlich ist. Laut Grotenhermen wird das eine erhebliche Verbesserung darstellen.

Viele Ärzte würden ihren Patienten gerne mit Cannabis Arznei helfen, sind jedoch unkundig oder schrecken davor zurück, einen Ausnahmeantrag nach §3 Abs. 2 BtMG auszuarbeiten und an die BfArM zu stellen. Arzneimittel per BtM Rezept zu verschreiben wäre jedoch alltäglich und die Hemmschwelle wird sehr niedrig für die willigen Ärzte liegen, auch Marihuana auf BtM Rezept zu verschreiben. Dennoch werden nicht sofort zehntausende Patienten sich per BtM Rezept Marihuana verschreiben lassen, wenn die Entwicklung ähnlich wie in Israel verlaufen wird. Hier waren es zuerst nur Hunderte und die Strukturen konnten sich aufbauen, mit denen inzwischen ca. 25.000 Patienten Marihuana erhalten. Deswegen ist Herr Grotenhermen zuversichtlich, dass die Patienten nicht ständig vor leer gekauften Apotheken stehen werden, wie es bislang häufiger passierte, da inzwischen nicht mehr nur aus den Niederlanden, sondern auch aus Kanada und künftig auch anderen Ländern importiert und auch in Deutschland produziert wird.

Das schnelle Interview mit vielen Fragen findet sich hier, Herr Grotenhermen kann vieles besser und kompetenter erklären.

Wie funktioniert das mit Marihuana auf BtM Rezept?

Viele Arzneimittel bringen eine enorme Suchtgefahr mit, zu benennen wären Opiate und Benzodiazepine. Der Zugang soll für die ausgesuchten Patienten möglich sein, für andere jedoch nicht. Deswegen wird neben den apothekenfreien, apothekenpflichtigen und rezeptpflichtigen Medikamenten auch eine Gruppe von besonders suchterzeugenden Medikamenten nur mit einem BtM Rezept verschrieben. Die Sicherheitshürden liegen also etwas höher, es ist jedoch in Arztpraxen eine ganz alltägliche bürokratische Prozedur. Neben Opiaten oder Benzodiazepinen sind auch viele andere Medikamente, auch gegen ADHS, in dieser „BtM Rezept“ Gruppe.

Im direkten Vergleich zu diesen Medikamenten ist Marihuana eher ungefährlich, kann jedoch auch eine Sucht auslösen. In wie weit der Konsument vielleicht auch Patient ist und das Marihuana medizinisch konsumiert, sei dahingestellt. Viele Konsumenten wissen selber nicht, dass sie medizinisch konsumieren. Und wenn man es medizinisch benötigt, dann ist das mit einer Sucht schnell zu verwechseln. Genauso würde man auch einem Diabetiker sein Insulin nicht entziehen, wenn er es mehrfach täglich verwendet oder sich sonst mehr als nur unwohl fühlt.

Werden die Kassen zahlen?

Jetzt haben wir viele Fragen, da wir gewohnt sind, dass Änderungen, die der Öffentlichkeit als „humane Verbesserung“ verkauft werden, doch wieder nur weitere Mogelpackungen sind, mit denen es mitunter sogar schlechter als vorher wird. Einige Patienten äußern ihre Bedenken sogar öffentlich, dass auch mit dem Marihuana auf BtM Rezept eigentlich nichts besser wird. Herr Grotenhermen sieht das anders. Er geht auf die Frage nicht richtig ein, ob die Kassen all diese BtM Rezepte auch erstatten oder sich um den Großteil herumdrücken werden. Aber auch das wäre schon einmal besser als zuvor.

Marihuana auf BtM Rezept für diese und andere Patienten ab 2017?

Marihuana auf BtM Rezept für diese und andere Patienten ab 2017?

Kriminell oder insolvent?

Im Vertrauen erklärte ein Patient mit Ausnahmegenehmigung nach §3 Abs. 2 BtMG in einer ganz anderen Unterhaltung, dass er die ganzen Patienten nicht versteht, die ihr ganzes Vermögen in die Apotheke tragen, bis sie in die Schuldenfalle laufen und insolvent sind. Man könne doch auch einen m³ Marihuana für seinen Eigenkonsum anbauen und seine materielle Existenz bewahren. Er würde doch lieber kriminell als insolvent sein. Als Patient kann er immerhin vor Gericht auf Notstand plädieren.

Sollten die Ärzte Marihuana auf BtM verschreiben, die Kassen zahlen jedoch einen Großteil davon nicht, dann würde sich für viele Patienten eben wieder nur diese Frage stellen, ob sie lieber kriminell oder insolvent wären. In jedem Fall sollten all diese Patienten, die sich direkt für die „Kriminalität“ entscheiden, dennoch zum Arzt gehen und sich regelmäßig ein BtM Rezept ausstellen lassen, welches sie auch einlösen und die Quittungen bewahren. Wer wirklich einmal vor dem Richter steht, hat den Arzt im Rücken, der einem die Notwendigkeit der Marihuana Therapie bescheinigt. Denn sonst würde er doch kaum BtM Rezepte ausstellen und eine Stabilisierung vom Gesundheitszustand des Patienten feststellen können.

Das ist bereits heute die Vorgehensweise, dass viele Patienten wegen ihrem Notstand nur einen Teil von ihrem Bedarf aus den Apotheken und den Großteil aus anderen Quellen beschaffen. Deswegen wäre die Kassenübernahme so wichtig, da nur mit dieser garantiert werden kann, dass unkundige und schlecht vernetzte Patienten nicht ständig minderwertiges Marihuana vom Schwarzmarkt verwenden.

3 comments

  1. Guter Artikel über Cannabismedikamente für Patienten. Ich lebe in der Schweiz und habe eine Ausnahmebewilligung vom Bundesamt für Gesundheit. Ich habe exakt das Problem dass die Krankenkassen das nicht bezahlen müssen, und wenn dann zahlen sie das nur für 6 Monate in begrenzter Menge, die weit unter der verschriebenen Dosierung des Arztes liegen kann, wie in meinem Fall. Als Invalidenrenten Bezüger lebe ich auf dem Existenzminimum mit meiner kleinen Tochter. Ich kann die Cannabistinktur nur legal von einer einzigen Apotheke in der gesamten Schweiz kaufen und zahle für 2 Wochen Versorgung 550 CHF (Monat über 1000 CHF!), dazu noch Krankenkassenbeiträge von nochmals 500 CHF im Monat, das ist mehr als die Hälfte meiner vollen IV-Rente. Wie soll man da noch finanziell überleben können? Es ist mir schlicht unmöglich. Auf dem illegalen Markt würde ich Cannabis ca. 4-5 mal billiger erhalten, aber ohne jede Qualitätskontrolle und die Dosierung ist sehr schwierig. Dazu kommt das man als Schmerzpatient noch kriminalisiert wird wegen der inkonsequenten Rechtssituation. Die Apotheken Cannabistinktur ist vor allem so extrem teuer wegen der ganzen Bewilligungs- und Kontrollbürokratie. Es ist dringend notwendig dass Cannabismedikationen von den Krankenkassen übernommen werden müssten. Eine starke Pharmalobby verhindsert das erfolgreich seit langem erfolgreich in der Politik. Als Schmerzpatient werde ich so diskriminiert und kriminalisiert, das ist einfach unerträglich.

  2. Hallo A.Blumer,
    mein Mitgefühl haben sie. Ich habe selbst Verwandtschaft, die mit chronischen Schmerzen und der Morphinmedikation mit all seinen Nebenwirkungen dahinsiechen. Uns war es bis heute nichtmal möglich den Arzt davon zu überzeugen, wenigsten zu testzwecken irgendetwas mit THC zu verschreiben. Also dahinsiechen oder kriminell werden, tolle Gesetze sind das.

  3. mein arzt erklärte mir gestern aus prinzip verschreibt er mir kein thc ..ich soll mir das besorgen wie immer .. ja danke ..da wäre ich selbst nicht drauf gekommen .. werde einen arzt finden .. kann doch nicht sein sowas .Das ich psychisch krank bin glaubt er weil das ein anderer arzt in seinem bericht erwähnte nur steht in dem bericht auch das ich arbeitsfähig sein .. wobei es sich um einen formfehler handelte sagte man mir .. ja was jetzt .. nach meiner leber chemo hat mich ein doktor geheilt das erschien mir kurz wie ein wunder ..wünsche allen viel glück

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