Während Deutschland mit seinem Zwei-Säulen-Modell und dem Fokus auf Anbauvereine einen eher vorsichtigen Weg gewählt hat, setzt das Nachbarland Tschechien nun zum großen Sprung an. Anfang Februar 2026 hat die Regierung in Prag Details zu einem Gesetzentwurf vorgelegt, der das Ziel verfolgt, einen staatlich regulierten und voll kommerziellen Markt für Genusshanf zu etablieren. Damit könnte Tschechien das erste Land in der EU werden, das den Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften flächendeckend erlaubt.
Das tschechische Modell: Steuer statt Verbot
Der tschechische Anti-Drogen-Koordinator und die treibenden Kräfte hinter der Reform verfolgen einen klaren wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Ansatz. Im Gegensatz zum deutschen Modell, das den kommerziellen Verkauf (Säule 2) vorerst nur in regionalen Modellprojekten plant, will Prag den gesamten Markt regulieren.
Die Eckpunkte des Entwurfs 2026:
- Lizenzierte Fachgeschäfte: Der Verkauf soll über spezialisierte Shops erfolgen, die strengen Auflagen unterliegen.
- Staatliche Abgabe: Geplant ist eine spezielle Verbrauchssteuer, die laut Experten jährlich bis zu zwei Milliarden Kronen in die tschechischen Staatskassen spülen könnte.
- Registrierungssystem: Käufer müssen sich voraussichtlich registrieren, um Jugendschutz und Mengenkontrollen zu gewährleisten.
Konfliktpotenzial mit Brüssel
Tschechien geht damit ein hohes Risiko ein. Die EU-Kommission hat bereits in der Vergangenheit klargemacht, dass ein voll kommerzieller Markt nicht mit den geltenden EU-Rahmenbeschlüssen vereinbar ist. Doch die tschechische Regierung argumentiert offensiv: Das bisherige Verbot sei gescheitert und nur ein regulierter Markt könne den Schwarzmarkt effektiv bekämpfen und den Jugendschutz garantieren. Prag setzt darauf, dass andere EU-Staaten dem Beispiel folgen werden, sobald die ersten positiven Effekte auf die öffentliche Sicherheit und die Wirtschaft sichtbar werden.
Unterschiede zu Deutschland
Für Beobachter aus Deutschland ist die tschechische Entwicklung besonders spannend. Während deutsche Konsumenten auf Clubs und Eigenanbau angewiesen sind, setzt Tschechien auf Bequemlichkeit und professionelle Lieferketten. Sollte Prag den Entwurf ohne massive Kürzungen durch das Parlament bringen, könnte dies den Druck auf die deutsche Politik erhöhen, die geplanten Modellversuche für Fachgeschäfte deutlich zu beschleunigen.




















