Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, und der Deutsche Hanfverband hat dazu am 12. August seine Wahlanalyse vorgelegt. Der Verband hat die Wahlprogramme ausgewertet, Wahlprüfsteine verschickt und das bisherige Handeln der Parteien einbezogen. Das Ergebnis ist ein Ranking, das von einer klaren Wahlempfehlung bis zu einem ebenso klaren Ausschluss reicht.
📑 Inhaltsverzeichnis
Wie der Hanfverband die Parteien geprüft hat
Die Methode ist dieselbe, die der Verband seit Jahren vor Wahlen anwendet. Zuerst wird das Wahlprogramm gelesen, dann gehen Wahlprüfsteine an die Landesverbände. Am Ende fließt ein, wie sich eine Partei in der Vergangenheit tatsächlich verhalten hat. Diese Kombination ist wichtig, weil Programme und Praxis oft auseinanderfallen. Betrachtet wurden Grüne, FDP, Linke, SPD, CDU, BSW und AfD. Wer solche Aufstellungen kennt, findet die Systematik in unserer älteren Auswertung zur Cannabispolitik der Parteien vor der Hamburger Bürgerschaftswahl wieder.
Grüne vorn, FDP und Linke als solide Alternativen
Die Grünen gehen als eindeutiger Sieger aus dem Check hervor. Der Verband attestiert ihnen mit großem Abstand das beste drogenpolitische Wahlprogramm aller angetretenen Parteien und verweist zusätzlich auf konkrete Aktivitäten für eine moderne Drogenpolitik. Es ist die einzige ausdrückliche Wahlempfehlung des Verbandes.
Dahinter folgen FDP und Linke, bewusst ohne Gewichtung untereinander. Beide Parteien haben schwache Programme vorgelegt, ihre Antworten auf die Wahlprüfsteine haben den Verband aber überzeugt. Der Hanfverband bezeichnet sie deshalb als solide Optionen für Menschen, denen das Thema wichtig ist. Die SPD schafft es nur teilweise über diese Schwelle. Ihre Antworten fielen gemischt aus, im Programm bleibt die Partei bei der Entkriminalisierung zögerlich.
CDU ausweichend, BSW schweigt, AfD will zurückdrehen
Bemerkenswert ist der Befund zur CDU. Der Landesverband antwortet ausweichend, positioniert sich aber nicht eindeutig gegen eine vollständige Legalisierung. Gemessen an der ablehnenden Haltung der Bundespartei ist das eine Auffälligkeit, für eine Empfehlung reicht es dem Verband trotzdem nicht. Das BSW bleibt die große Unbekannte. Es ist die einzige Partei, die auf die Wahlprüfsteine gar nicht geantwortet hat. Im Programm findet sich zu den zentralen Fragen nichts.
Am anderen Ende steht die AfD. Sie spricht sich als einzige größere Partei in Sachsen-Anhalt klar gegen die Legalisierung aus und will sich aktiv für eine Rücknahme der bestehenden Entkriminalisierung einsetzen. Der Hanfverband stuft sie damit als unwählbar für Cannabiskonsumenten ein. Dass solche Rückabwicklungen keine Theorie bleiben müssen, zeigt der Blick über die Grenze. In Frankreich ist die Sanktionsschraube gerade erst wieder angezogen worden, wie unser Bericht zu der auf 500 Euro erhöhten Cannabis-Geldstrafe zeigt.
Was ein Landtag beim Cannabis überhaupt entscheidet
Das Konsumcannabisgesetz ist Bundesrecht, der Vollzug liegt jedoch bei den Ländern. Sie bestimmen, welche Behörde Anbauvereinigungen genehmigt, wie streng kontrolliert wird und wie zügig Anträge bearbeitet werden. Genau hier entstehen die Unterschiede, die wir im Bundesland-Vergleich der CSC-Lizenzen dokumentiert haben. Hinzu kommt die Stimme des Landes im Bundesrat. Diese Stimme zählt bei jeder Änderung des Rechtsrahmens.
Eine Landtagswahl entscheidet deshalb nicht über die Legalisierung selbst, wohl aber darüber, wie viel von ihr im Alltag ankommt. Wie sich das Gesetz bisher ausgewirkt hat, haben wir in unserer Bilanz zu zwei Jahren Cannabisgesetz zusammengetragen, den rechtlichen Rahmen erklärt unser Überblick zum CanG 2026. Dass regulatorische Details ganze Vereinsstrukturen kippen können, zeigt außerdem der Fall Spanien, wo eine Reform des Tabakgesetzes die dortigen Cannabis Social Clubs bedroht.
Häufige Fragen
Wann ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?
Gewählt wird am Sonntag, dem 6. September 2026. Zur Wahl stehen nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 15 Parteien. Der Deutsche Hanfverband hat sieben davon drogenpolitisch bewertet.
Welche Partei empfiehlt der Deutsche Hanfverband?
Der Verband spricht eine Empfehlung für die Grünen aus. Sie haben nach seiner Bewertung mit deutlichem Abstand das beste drogenpolitische Programm. FDP und Linke gelten als solide Alternativen, weil ihre Antworten auf die Wahlprüfsteine überzeugten.
Was sind Wahlprüfsteine?
Wahlprüfsteine sind ein standardisierter Fragenkatalog, den Verbände vor einer Wahl an die Parteien schicken. Die Antworten sind schriftlich und damit später überprüfbar. Sie ergänzen das Wahlprogramm, weil sie konkrete Fragen stellen, die im Programm oft offenbleiben.
Kann ein Bundesland die Teillegalisierung zurücknehmen?
Nein, das Konsumcannabisgesetz ist Bundesrecht und kann nur im Bund geändert werden. Ein Land kann den Vollzug aber restriktiv gestalten und über den Bundesrat Druck für Verschärfungen aufbauen. Der praktische Spielraum ist damit größer, als es die reine Gesetzeslage vermuten lässt.
Warum ist die Haltung der Landesparteien überhaupt relevant?
Weil die Länder die Genehmigung von Anbauvereinigungen, die Kontrollpraxis und die Bearbeitungsdauer von Anträgen steuern. Zwischen den Bundesländern liegen dabei erhebliche Unterschiede. Wer in Sachsen-Anhalt eine Anbauvereinigung gründen will, spürt die Landespolitik unmittelbar.
Quellen: Deutscher Hanfverband, Wahlanalyse zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt (12.08.2026); Bundeszentrale für politische Bildung, Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026.







































