Am 1. April 2024 trat das Cannabisgesetz (CanG) in Kraft – ein historischer Schritt für Deutschland. Zwei Jahre später liegen erste belastbare Daten vor, die die Debatte um die Auswirkungen der Legalisierung versachlichen: Der Konsum blieb stabil, die Zahl der Cannabis-Strafverfolgungen sank drastisch. Eine Bilanz, die viele überrascht.
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Der Konsum stieg nicht – trotz Legalisierung
Eines der meistzitierten Gegenargumente in der Legalisierungsdebatte war die Befürchtung, eine Freigabe würde den Cannabiskonsum deutlich ansteigen lassen – besonders unter Jugendlichen. Diese Befürchtung hat sich nach zwei Jahren nicht bestätigt.
Aktuelle Daten, die zuletzt von Business of Cannabis und der Deutschen Apotheker Zeitung ausgewertet wurden, zeigen: Die Legalisierung hat in Deutschland keine strukturellen Veränderungen im Konsumverhalten ausgelöst. Die Zahl der Konsumierenden blieb weitgehend konstant, Erstkonsumenten wurden nicht in nennenswertem Umfang angelockt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu einem ähnlichen Schluss: Keine statistisch messbaren Trendbrüche nach April 2024.
Das deckt sich mit internationalen Erfahrungen. Kanada, die Niederlande und mehrere US-Bundesstaaten berichten Ähnliches: Wer Cannabis konsumieren wollte, hat es auch vorher getan. Die Frankfurter MoSYD-Studie hatte den Rückgang des Jugendkonsums bereits im Vorjahr auf ein 20-Jahres-Tief gemessen – ein Hinweis darauf, dass Legalisierung den Reiz des Verbotenen eher mindert als verstärkt.
Verhaftungen und Strafverfolgung gehen massiv zurück
Noch deutlicher als der ausbleibende Konsumanstieg ist ein anderes Ergebnis: Die Zahl der Cannabis-Strafverfolgungen ist signifikant gesunken. Der Rückgang liegt nicht daran, dass weniger Cannabis konsumiert wird, sondern daran, dass Besitz und Eigenkonsum schlicht entkriminalisiert wurden.
Das ist ein direkter Erfolg der Legalisierung. Jahrzehntelang dominierten Cannabis-Delikte die Polizeistatistiken – ein enormer Ressourcenaufwand für Strafverfolgungsbehörden und verheerende Folgen für Betroffene: Vorstrafen, Jobverlust, soziale Stigmatisierung wegen einer Tüte getrockneter Blüten. Das CanG wollte diesen Effekt dämpfen – und das ist gelungen. In der Rückschau auf das erste Jahr der Entkriminalisierung war dieser Trend schon erkennbar, die Zweijahresbilanz bestätigt ihn eindrücklich.
Polizei und Justiz können sich nun auf schwerere Kriminalität konzentrieren. Eine einfache Folge des Gesetzes, die im politischen Streit um das CanG zu selten gewürdigt wird.
Schwarzmarkt: hartnäckig, aber unter Druck
Weniger rosig ist das Bild beim Schwarzmarkt. Der illegale Handel mit Cannabis besteht fort, ist aber unter Druck geraten. Der Grund liegt in der Struktur des CanG: Es hat bislang nur die eine Seite der Regulierung geliefert – die Entkriminalisierung des Besitzes. Was fehlt, ist ein regulierter kommerzieller Vertriebsweg, die sogenannte zweite Säule des Gesetzes.
Ohne legale Kaufmöglichkeiten weichen Konsumenten weiterhin auf illegale Quellen aus. Der medizinische Markt – als einzige legale Bezugsquelle mit hohen Hürden – wächst stark und erreichte 2025 in Deutschland fast eine Milliarde Euro. Aber er erreicht nicht alle Konsumenten. Der Befund „Stabilität oder Stillstand?“ aus dem vergangenen Jahr beschreibt das Dilemma treffend: Die Legalisierung ist halbherzig.
Was noch aussteht: die zweite Säule des CanG
Die Daten nach zwei Jahren zeichnen ein gemischtes, aber insgesamt positives Bild. Die Entkriminalisierung wirkt, der befürchtete Konsumschub blieb aus, die Polizeistatistiken bereinigen sich. Was fehlt, ist der politische Mut zu einem vollständig regulierten Markt.
Die Debatte um Phase II – kontrollierten kommerziellen Verkauf – stockt. Während andere Länder voranschreiten, verliert Deutschland an Reformimpuls. Die zögerliche Vergabe von CSC-Lizenzen in vielen Bundesländern ist symptomatisch: Gesetz auf Papier, Umsetzung im Schneckentempo.
Dennoch: Die Befürchtungen der CanG-Gegner haben sich nicht bestätigt. Der Konsum ist nicht explodiert, das gesellschaftliche Chaos ist ausgeblieben. Zwei Jahre CanG geben jenen recht, die auf evidenzbasierte Drogenpolitik gesetzt haben – und zeigen zugleich, wie viel noch aussteht.











































