Eine Pilotstudie des Endometriosezentrums der Charité hat orale Cannabisextrakte bei Frauen mit therapieresistenten Endometrioseschmerzen untersucht. Nach drei Monaten berichteten die Teilnehmerinnen über geringere Schmerzen, weniger Schmerztage und einen niedrigeren Bedarf an Schmerzmitteln. Die Arbeit ist klein und hatte keine Kontrollgruppe. Sie liefert aber prospektive Daten aus einer deutschen Universitätsklinik.
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Endometriose und Cannabisextrakt: So war die Charité-Studie aufgebaut

Die Arbeit erschien am 22. September 2026 in der Fachzeitschrift PLOS One. Erstautor ist Janosch Kratz, Seniorautorin die Leiterin des Zentrums, Sylvia Mechsner. Zwischen November 2023 und Mai 2025 nahm das Team 30 Frauen mit gesicherter Endometriose auf. Alle litten seit mindestens drei Monaten unter chronischen Unterbauchschmerzen, die auf Hormontherapie und Schmerzmittel nicht ausreichend ansprachen. 27 Frauen schlossen die drei Monate ab. Eine brach in der Eindosierung wegen Nebenwirkungen ab, zwei füllten die Fragebögen nicht mehr aus.
Die Teilnehmerinnen waren im Mittel knapp 33 Jahre alt. Gut 80 Prozent erhielten eine Hormontherapie, sieben nahmen zu Beginn Opioide. Der Extrakt kam zusätzlich zur laufenden Behandlung, an der nichts geändert wurde. Er enthielt THC und CBD in einem ausgewogenen Verhältnis. Nach vier Wochen langsamer Eindosierung lag die Tagesdosis bei etwa 10 Milligramm THC und 12 Milligramm CBD, verteilt auf morgens und abends. Sie blieb über die drei Monate stabil. Erhoben wurden alle Daten über Onlinefragebögen. Wie sich der Ansatz von früheren Empfehlungen unterscheidet, zeigt unser älterer Überblick zur Behandlung von Endometriose mit CBD-Öl und medizinischem Cannabis.
Ergebnisse: Schmerzstärke, Schmerztage und Schmerzmittel

Die mittlere Schmerzstärke sank auf einer Skala von 0 bis 10 von 6,8 auf 5,2 nach einem Monat. Nach drei Monaten lag sie bei 4,9. Deutlicher fiel der Rückgang bei der Häufigkeit aus. Zu Beginn berichteten die Frauen im Median von 30 Schmerztagen im Monat, also von täglichen Schmerzen. Nach drei Monaten waren es 17 Tage. Auch die Zahl der Tage mit Schmerzmitteln ging signifikant zurück. Das betraf Wirkstoffe wie Ibuprofen ebenso wie Opioide. Ähnliche Signale kennen wir aus anderen Indikationen, etwa aus der Auswertung zu Medizinalcannabis und Opioiden bei 3.500 Patienten.
Als Hauptziel hatte das Team eine Verbesserung um 15 Punkte im Schmerzbereich des Fragebogens EHP-30 festgelegt. Dieser misst die krankheitsbezogene Lebensqualität auf einer Skala von 0 bis 100. Der Wert fiel von 59,3 auf 38,4 und damit um rund 21 Punkte. Auch die Bereiche Kontrollverlust, emotionales Befinden, Arbeit, Selbstbild und Sexualität verbesserten sich. Hinzu kamen niedrigere Werte für Erschöpfung, Angst und zentrale Sensibilisierung. Letztere gilt als ein Grund dafür, dass Endometrioseschmerzen auf übliche Schmerzmittel oft schlecht ansprechen.
Nebenwirkungen: Müdigkeit und Konzentrationsprobleme bei rund 60 Prozent

Die Autorinnen und Autoren beschreiben die Behandlung als gut verträglich. Diese Formulierung verdient einen zweiten Blick. Fast alle Teilnehmerinnen berichteten über mindestens eine Nebenwirkung. Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme hielten sich über die gesamte Zeit bei rund 60 Prozent. Die Ausprägung war überwiegend leicht. Übelkeit ging von knapp 30 auf knapp 15 Prozent zurück. Angst und Panikgefühle sanken von 26 auf 4 Prozent. Aufschlussreich ist auch ein Ausschlusskriterium. Frauen, die häufig Auto fahren oder Maschinen bedienen, durften nicht teilnehmen. Für den Alltag vieler Patientinnen wäre genau das die entscheidende Frage.
Einordnung: Was die Pilotstudie nicht zeigen kann
Die Studie hatte keine Placebogruppe und keine Verblindung. Alle Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften. Bei chronischen Schmerzen fällt die Placebowirkung erfahrungsgemäß hoch aus. Das gilt besonders für Patientinnen, die nach vielen erfolglosen Versuchen gezielt eine Cannabistherapie suchen. Das Team benennt diese Schwächen selbst und spricht von einer explorativen Arbeit. Sie soll Machbarkeit und Verträglichkeit prüfen, nicht die Wirksamkeit belegen. Eine Förderung oder Interessenkonflikte geben die Beteiligten nicht an.
Die Zahlen passen zu Beobachtungsdaten aus anderen Ländern. Über die Auswertung aus Großbritannien haben wir im Beitrag zum britischen Register nach zwei Jahren Cannabistherapie berichtet. Auch dort fehlte der Vergleich mit einer Kontrollgruppe. Für Deutschland ist die Arbeit dennoch relevant. Endometriose betrifft etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter, und eine Verordnung zulasten der Kasse braucht belastbare Belege. Warum das im Versorgungsalltag oft scheitert, beschreibt unser Bericht über die Kritik der Schmerzmediziner an den Regeln für Cannabis auf Rezept. Den nächsten Schritt nennt die Studie selbst: eine größere, randomisierte und kontrollierte Untersuchung.
Sollte Cannabis als Therapie bei Endometriose erstattungsfähig werden?
Häufige Fragen
Belegt die Studie, dass Cannabis bei Endometriose wirkt?
Nein. Es handelt sich um eine Pilotstudie mit 27 ausgewerteten Teilnehmerinnen ohne Placebogruppe. Sie zeigt, dass sich die Beschwerden unter der Behandlung verbessert haben. Ob der Extrakt dafür ursächlich war, lässt sich mit diesem Design nicht klären.
Welches Präparat wurde in der Charité-Studie eingesetzt?
Eingesetzt wurde ein standardisierter oraler Cannabisextrakt mit einem ausgewogenen Verhältnis von THC und CBD. Die Zieldosis lag nach vier Wochen Eindosierung bei etwa 10 Milligramm THC und 12 Milligramm CBD am Tag. Das ist eine Studienangabe und keine Dosierungsempfehlung.
Welche Nebenwirkungen traten auf?
Am häufigsten waren Müdigkeit sowie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, die rund 60 Prozent der Frauen über die gesamte Studiendauer angaben. Übelkeit, Angstgefühle und ein schnellerer Puls traten seltener auf und nahmen im Verlauf ab. Eine Teilnehmerin brach die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.
Können Patientinnen mit Endometriose in Deutschland Cannabis verordnet bekommen?
Grundsätzlich ja, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Therapie für angezeigt hält. Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten trägt, hängt vom Einzelfall und von den Voraussetzungen des Sozialgesetzbuchs ab. Die Entscheidung über eine Behandlung liegt immer bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Wie geht die Forschung weiter?
Das Team der Charité fordert größere randomisierte und kontrollierte Studien, um die Ergebnisse zu prüfen und die Dosierung zu klären. Offen sind außerdem die Langzeitverträglichkeit und die Wirkung über drei Monate hinaus.
Quelle: Kratz JW, Voltolini Velho R, Bock S, Sehouli J, Mechsner S: Evaluating the impact of cannabinoid extracts on chronic pain and quality of life in endometriosis patients, a pilot study. PLOS One, 22.09.2026, DOI 10.1371/journal.pone.0356768.




































