In der festgefahrenen Debatte um CBD als Lebensmittel in der EU gibt es erstmals seit Jahren ein positives Signal. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat nach Angaben eines Antragstellers ein erstes befürwortendes Gutachten zu einem konkreten Novel-Food-Antrag für Cannabidiol erstellt. Es wäre die erste positive Bewertung eines einzelnen Dossiers, seit die Behörde ihre Prüfungen 2022 auf Eis gelegt hatte. Diese Meldung knüpft direkt an den vorläufigen Sicherheitswert für CBD an, den die EFSA im Februar 2026 vorgelegt hatte.
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Was die EFSA jetzt bewertet hat
Konkret geht es um einen Novel-Food-Antrag mit der Kennung EFSA-Q-2020-00257. Der antragstellende Hersteller berichtet, die Behörde habe einen positiven Entwurf ihres wissenschaftlichen Gutachtens vorgelegt. Nach eigener Darstellung handelt es sich ausdrücklich nicht um eine negative Bewertung. Das Dossier sei inhaltlich geprüft und in der Sache anerkannt worden.
Wichtig ist die Einordnung. Der Entwurf steht bislang unter Embargo und wurde von der EFSA noch nicht offiziell veröffentlicht. Konkrete Angaben zu Höchstmengen, Reinheitsanforderungen oder Anwendungsbereichen liegen öffentlich noch nicht vor. Erst mit der amtlichen Publikation des finalen Gutachtens werden die Details nachvollziehbar. Bis dahin bleibt die Meldung eine belastbare, aber vorläufige Momentaufnahme aus dem Zulassungsverfahren.
Der lange Stillstand seit 2022
Um die Tragweite zu verstehen, hilft ein Blick zurück. Im Jahr 2022 hatte die EFSA rund 19 offene CBD-Anträge faktisch gestoppt. Die Begründung lautete, die Sicherheit von Cannabidiol lasse sich mit den vorliegenden Daten nicht abschließend feststellen. Offene Fragen betrafen mögliche Effekte auf Leber, Hormonsystem, Nervensystem und Fortpflanzung. Wer wissen möchte, was CBD überhaupt ist und wie es wirkt, findet in unserem Grundlagenartikel die wichtigsten Zusammenhänge.
Erst im Februar 2026 kam wieder Bewegung in das Verfahren. Die EFSA setzte einen vorläufigen sicheren Aufnahmewert von 0,0275 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag fest. Für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen entspricht das rund 2 mg CBD täglich. Der Wert gilt als sehr konservativ, weil die Behörde einen hohen Unsicherheitsfaktor anlegte. Für Menschen unter 25 Jahren, für Schwangere und Stillende sowie für Personen mit Medikamenteneinnahme sah die EFSA die Sicherheit weiterhin nicht als belegt an.
Was ein positives Gutachten für den EU-Markt bedeutet
Ein befürwortendes EFSA-Gutachten ist noch keine Marktzulassung. Es ist aber die wissenschaftliche Grundlage, auf der die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten anschließend entscheiden. Fällt diese Entscheidung positiv aus, wird der Stoff in die Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel aufgenommen. Für die Branche wäre das ein Wendepunkt, denn ein erster erfolgreicher Antrag zeigt, dass der Weg durch das Verfahren grundsätzlich gangbar ist.
Für den deutschen Markt ist die Nachricht besonders relevant. CBD-Nahrungsergänzungsmittel bewegen sich hierzulande seit Jahren in einer rechtlichen Grauzone, von Ölen bis zu wasserlöslichen CBD-Formulierungen. Zuletzt hatte die Regulierung eher Druck aufgebaut. Dazu zählen Frankreichs Verbot von CBD-Edibles und die umstrittene Einstufung durch die ECHA. Ein klarer Zulassungspfad könnte Herstellern endlich Planungssicherheit geben. Wie stark einzelne Unternehmen davon profitieren, zeigt auch, dass ein CBD-Unternehmen bereits Fördermittel des Wirtschaftsministeriums erhielt.
Einordnung und offene Fragen
Bei aller berechtigten Erleichterung ist Zurückhaltung angebracht. Ein einzelnes positives Gutachten macht CBD noch nicht flächendeckend verkehrsfähig. Jeder Hersteller muss sein eigenes Dossier vorlegen und die bekannten Datenlücken schließen. Auch die konservativen Mengenvorgaben und die Ausnahmen für junge und vulnerable Gruppen bleiben vorerst bestehen. Der entscheidende nächste Schritt ist die offizielle Veröffentlichung des Gutachtens und die anschließende politische Entscheidung in Brüssel.
Sollte CBD als Lebensmittel in der EU zugelassen werden?
Häufige Fragen
Ist CBD als Lebensmittel jetzt in der EU zugelassen?
Nein. Ein positives EFSA-Gutachten ist nur die wissenschaftliche Bewertung. Die eigentliche Zulassung entscheiden danach die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten über die Aufnahme in die Unionsliste.
Was bedeutet Novel Food bei CBD?
Novel Food, also neuartiges Lebensmittel, ist eine EU-Kategorie für Produkte ohne nennenswerte Verzehrgeschichte vor 1997. CBD-Extrakte fallen darunter und benötigen deshalb ein eigenes Zulassungsverfahren, bevor sie als Lebensmittel verkauft werden dürfen.
Wie viel CBD gilt laut EFSA als sicher?
Die EFSA nannte im Februar 2026 einen vorläufigen sicheren Wert von 0,0275 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für einen Erwachsenen mit 70 Kilogramm sind das rund 2 mg täglich. Dieser Wert gilt als sehr konservativ.
Warum hatte die EFSA die Prüfung 2022 gestoppt?
Die Behörde sah zu große Datenlücken. Offen waren vor allem mögliche Wirkungen auf Leber, Hormonsystem, Nervensystem und Fortpflanzung. Ohne belastbare Studien ließ sich die Sicherheit nicht abschließend beurteilen.
Was ist der nächste Schritt im Verfahren?
Zunächst muss die EFSA das finale Gutachten offiziell veröffentlichen. Erst danach können die Kommission und die Mitgliedstaaten über eine Aufnahme in die Unionsliste entscheiden. Erst dieser Schritt schafft echte Rechtssicherheit für Hersteller.
Quellen: Cannabis Health News (15.07.2026), EFSA (Provisional safe level for cannabidiol as a novel food, 2026), Business of Cannabis.








































