Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat erstmals in einer großen kontrollierten Studie gezeigt, dass eine Kombination aus THC und CBD die Unruhe bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz deutlich senken kann. Die Ergebnisse der sogenannten LiBBY-Studie wurden Mitte Juli 2026 auf der internationalen Alzheimer-Konferenz in London vorgestellt. Für die Cannabismedizin ist das ein wichtiges Signal, denn Agitation gilt bei Demenz als besonders schwer behandelbar.
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Was die LiBBY-Studie zu Cannabis bei Demenz untersucht hat

Die LiBBY-Studie (Life’s end Benefits of cannaBidiol and tetrahYdrocannabinol) schloss 120 Patientinnen und Patienten mit Alzheimer oder einer anderen Demenzform ein. Alle Teilnehmenden befanden sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium, waren für die Hospizversorgung berechtigt und litten unter starker Unruhe. Die Untersuchung war randomisiert und placebokontrolliert. Das gilt als hoher methodischer Standard.
Ein Teil der Gruppe erhielt über zwölf Wochen ein orales Präparat aus gereinigtem THC und CBD, der andere Teil ein Placebo. Die Tagesdosis lag bei 8 mg THC und 400 mg CBD, in der ersten Woche zunächst halbiert. Zehn medizinische Zentren führten die Studienbesuche direkt bei den Erkrankten zu Hause oder in der Pflegeeinrichtung durch. Finanziert wurde das Projekt unter anderem von den US-amerikanischen National Institutes of Health und der Alzheimer’s Association. Dass Cannabinoide grundsätzlich in das Krankheitsgeschehen bei Demenz eingreifen können, ist schon länger Gegenstand der Forschung, wie unser Überblick zu pflanzlichen Wirkstoffen bei Alzheimer und Demenz sowie die ältere Frage, ob Cannabinoide bei Demenz helfen, zeigen.
Deutlich weniger Agitation nach zwei Wochen

Zur Messung der Unruhe nutzte das Team das Cohen-Mansfield Agitation Inventory, ein etabliertes Instrument mit 29 Kriterien. Bereits nach zwei Wochen fiel der Wert in der Cannabisgruppe im Schnitt um 6,27 Punkte stärker als in der Placebogruppe. Dieser Unterschied blieb auch nach zwölf Wochen deutlich messbar.
Noch anschaulicher ist die klinische Gesamteinschätzung der behandelnden Ärzte. Nach zwei Wochen zeigten 83,9 Prozent der Cannabisgruppe eine Besserung, in der Placebogruppe waren es 30,5 Prozent. Nach zwölf Wochen lag der Anteil bei 87,2 gegenüber 23,6 Prozent. Studienleiter Jacobo Mintzer sprach von einem Ansprechen, wie man es in Demenzstudien zuvor nicht gesehen habe.
Wichtig für die Bewertung ist die Verträglichkeit. Die Rate der Nebenwirkungen unterschied sich zwischen beiden Gruppen kaum, sie lag bei 46,7 gegenüber 42,4 Prozent. Aufgetreten sind vor allem Infekte und Magen-Darm-Beschwerden, wie sie in dieser sehr kranken Patientengruppe ohnehin häufig vorkommen.
Warum die Ergebnisse für Deutschland relevant sind

Unruhe und Aggression zählen zu den belastendsten Symptomen einer fortgeschrittenen Demenz, sowohl für die Betroffenen als auch für Angehörige und Pflegekräfte. In der Praxis werden dagegen oft Antipsychotika eingesetzt, obwohl diese Mittel bei Demenz mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle und Sterblichkeit verbunden sind. Eine besser verträgliche Alternative wäre daher ein echter Fortschritt.
In Deutschland ist Medizinalcannabis seit Jahren verschreibungsfähig, und die Zahl der Patientinnen und Patienten wächst. Das in der Studie verwendete Präparat ist hierzulande zwar nicht zugelassen, doch Ärzte können THC- und CBD-haltige Arzneimittel im Einzelfall verordnen. Wie Cannabis bei älteren Menschen wirkt und welche Risiken zu beachten sind, ordnen wir in unserem Ratgeber zu Cannabis für Senioren ein. Auch der Markt reagiert auf die alternde Zielgruppe, wie das Beispiel Hanfprodukte für Senioren zeigt.
Einordnung und offene Fragen
Bei aller Aufbruchstimmung lohnt ein nüchterner Blick. Die Studie untersuchte ausdrücklich Menschen am Lebensende. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf frühe Demenzstadien übertragen. Zudem wurde die Auswertung bisher nur auf einer Konferenz präsentiert und noch nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet. Bis daraus eine breite Behandlungsempfehlung wird, sind weitere Studien nötig. Klar ist aber, dass die Datenlage zu Cannabinoiden bei neurologischen Erkrankungen wächst, wie auch frühere Untersuchungen zu CBD bei Alzheimer nahelegen.
Häufige Fragen
Kann Cannabis die Unruhe bei Demenz lindern?
Die LiBBY-Studie liefert dafür erstmals starke Hinweise aus einer großen kontrollierten Untersuchung. Eine Kombination aus THC und CBD senkte die Unruhe bei fortgeschrittener Demenz deutlich stärker als ein Placebo. Für eine allgemeine Behandlungsempfehlung sind jedoch weitere Studien nötig.
Welche Dosis THC und CBD wurde in der Studie verwendet?
Die Teilnehmenden erhielten täglich 8 mg THC und 400 mg CBD als orales Präparat. In der ersten Woche wurde die Dosis zunächst halbiert und danach voll gegeben. Die Behandlung dauerte insgesamt zwölf Wochen.
Ist das Cannabispräparat in Deutschland erhältlich?
Das konkrete Studienpräparat ist in Deutschland nicht zugelassen. Ärzte können aber im Einzelfall THC- und CBD-haltige Arzneimittel verschreiben, da Medizinalcannabis hierzulande verordnungsfähig ist.
War die Behandlung gut verträglich?
Die Nebenwirkungen unterschieden sich kaum von der Placebogruppe. Aufgetreten sind vor allem Infekte und Magen-Darm-Beschwerden, die in dieser schwer kranken Gruppe ohnehin häufig sind.
Wer hat die LiBBY-Studie durchgeführt?
Verantwortlich waren Forschende der Medical University of South Carolina und der Georgetown University im Rahmen des NIH-geförderten Alzheimer’s Clinical Trial Consortium. Die Ergebnisse wurden im Juli 2026 auf der Alzheimer’s Association International Conference in London vorgestellt.
Quellen: Georgetown University (Pressemitteilung, Juli 2026), Alzheimer’s Association International Conference 2026, Cannabis Health News, News-Medical.










































