Bis heute wird Cannabis pauschal mit mentalen Defiziten in Verbindung gebracht. In den vergangenen Jahren konnten jedoch immer mehr Studien zeigen, dass Cannabis den Alterungsprozess im Gehirn verlangsamen und daher die Entwicklung von Alzheimer und Demenz stoppen könnte. Während in der breiten Masse lediglich THC und CBD als aktive Komponenten bekannt sind, gibt es Studienergebnisse zu zahlreichen weiteren Inhaltsstoffen, die ebenfalls eine neuroprotektive Wirkung aufweisen.
📑 Inhaltsverzeichnis
Vielversprechende präklinische Hinweise bei CBN
Eine 2025 veröffentlichte US-Studie konnte zeigen, dass CBN zumindest bei Mäusen den Alterungsprozess im Gehirn signifikant verlangsamen kann. Wirksame Behandlungsmethoden durch den kognitiven Abbau bei Alzheimer sind weiterhin begrenzt, sodass die Forschung nach neuen Alternativen unabdingbar ist. In der Vergangenheit konnte bereits durch Studien an Zellkulturen gezeigt werden, dass CBN bestimmte Prozesse in den Mitochondrien von Nervenzellen beeinflussen kann, die in direktem Zusammenhang mit deren reibungsloser Funktion stehen.
Mitochondrien sind vereinfacht gesagt die Kraftwerke von Zellen, so auch von Nervenzellen. Sie stellen ein Molekül namens Adenosintriphosphat (ATP) zur Verfügung, mit dem der Energiebedarf der Zelle gedeckt wird. Ist dieser Prozess gestört, kommt es zum Erliegen dieser Energieversorgung und dem damit einhergehenden Abbau. Bei Nervenzellen ist dies besonders schwerwiegend, da es zu kognitiven Erkrankungen wie Alzheimer kommen kann. Genau in diesen Prozess scheint CBN regulierend einzugreifen. Um frühere Studienergebnisse besser verstehen zu können, untersuchte die aktuelle Studie die Auswirkungen von CBN auf Mäuse, die einen beschleunigten Alterungsprozess im Gehirn haben.
Es zeigte sich, dass CBN bei diesen Mäusen sowohl das Gedächtnis als auch die räumliche Orientierung messbar verbessern konnte. Ferner konnte eine antioxidative Wirkung von CBN festgestellt werden. Oxidativer Stress ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass CBN den Aufbau bestimmter Proteine fördert, die für die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind. Erstaunlich war, dass die beschriebenen Effekte bei weiblichen Mäusen deutlicher ausgeprägt waren. Die Erkenntnisse deckten sich mit früheren Studienergebnissen, die ebenfalls starke Hinweise auf eine entsprechende Wirkung von CBN lieferten.
Erfolgreiche klinische Studie mit CBD und THC
Während sich die Erforschung der Wirkung von CBN noch in der präklinischen Phase befindet, konnten bei THC und CBD bereits Studien am Menschen die Wirkung gegen kognitiven Abbau nachweisen. Im Dezember 2025 wurden die Daten einer klinischen Phase-2-Studie veröffentlicht, welche die Wirksamkeit eines Cannabisextrakts bei Alzheimer-Patienten untersuchte. Bei der brasilianischen Studie wurden Patienten im Alter zwischen 60 und 80 Jahren, bei denen alzheimerbedingte Demenz diagnostiziert wurde, untersucht.
Die Teilnehmer erhielten über einen Zeitraum von 26 Wochen entweder ein Placebo oder eine Kombination aus THC und CBD. Die Cannabinoide wurden hierbei oral verabreicht. Eine Tagesdosis bestand hierbei aus 0,35 mg THC und 0,245 mg CBD. Nach den 26 Wochen wurde die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmer mit einem standardisierten Test überprüft. Zur Anwendung kam hierbei der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Bei diesem handelt es sich um ein Testverfahren, welches speziell zur Erfassung kognitiver Defizite, wie sie bei Demenz auftreten, entwickelt wurde.
Das Ergebnis: Die Cannabisgruppe schnitt bei dem Test deutlich besser ab als die Placebogruppe. Die Behandlung mit dem Cannabisextrakt wurde sehr gut vertragen, hierbei konnte kein Unterschied zur Placebogruppe festgestellt werden. Bei der beschriebenen Studie handelt es sich um die bisher längste klinische Studie am Menschen zum Thema Cannabis und Alzheimer.
Verlangsamte Gehirnalterung bei Cannabiskonsumenten
Eine britische Studie aus 2025 lieferte Hinweise darauf, dass der Konsum von Cannabis Alterungsprozesse im menschlichen Gehirn verlangsamen kann. In dieser Studie wurden die Gehirnscans von über 25.000 Personen aus Großbritannien im Alter zwischen 44 und 81 Jahren analysiert. Dabei zeigten Personen, die angaben, Cannabis zu konsumieren, eine deutliche Veränderung in ihren neurologischen Prozessen, die auf eine verlangsamte Alterung des Gehirns hindeuten.
Nachgewiesen wurde dieser Effekt mithilfe eines speziellen MRT-Verfahrens, welches die Konnektivität verschiedener Gehirnareale misst. Dieses auch als funktionelles MRT, kurz fMRT bezeichnete Verfahren macht sichtbar, wie im Ruhezustand Gehirnareale kommunizieren. Das Erstaunliche dabei war, dass die Konnektivität der Gehirnareale bei Cannabiskonsumenten Muster aufwies, die einem Alterungsprozess entgegengesetzt zu sein schienen. Vielmehr erinnerte die Gehirnaktivität der Konsumenten an ein deutlich jüngeres Gehirn.
Forscher gehen davon aus, dass die beobachteten Effekte in einem direkten Zusammenhang mit dem Endocannabinoidsystem stehen. Dafür sprechen die Verteilungen von CB-1-Rezeptoren in bestimmten Gehirnarealen. Die Vernetzung unter den einzelnen Gehirnarealen war umso besser, je höher dort die Dichte an CB1-Rezeptoren war. Die Forscher betonten, dass das Endocannabinoidsystem in direktem Zusammenhang mit dem Alterungsprozess und dem daraus resultierenden kognitiven Abbau steht.
Cannabiskonsum kann offenbar dazu beitragen, bestimmte altersbedingte Entzündungsprozesse in Gehirnzellen zu hemmen und somit dem Abbau entgegenzuwirken. Entgegen der hartnäckigen Behauptung, dass Cannabiskonsum pauschal dumm macht, scheint ein reflektierter Umgang damit vielmehr die Neuroplastizität des Gehirns zu fördern – ein Faktor, der für die geistige Agilität bis ins hohe Alter entscheidend ist.
Großes Potenzial auch in Terpenen
Nicht nur Cannabinoide, sondern auch Terpene könnten dazu beitragen, dem Abbau der geistigen Fähigkeiten entgegenzuwirken. Eine aktuelle australische Studie untersuchte 12 in Cannabis häufig vorkommende Terpene nach ihrer neuroprotektiven Wirkung. Zumindest bei In-vitro-Versuchen konnte ein entsprechender Effekt nachgewiesen werden. Im Fokus stand hierbei ein bestimmtes Protein, das in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung von Alzheimer und vergleichbaren Erkrankungen steht. Die Entstehung von Alzheimer wird maßgeblich durch das Protein Beta-Amyloid begünstigt. Beta-Amyloid lagert sich krankhaft an den Nervenzellen ab und stört auf diese Weise die Kommunikation untereinander. Im Volksmund wird dies auch als „Verkalkung“ bezeichnet.
Die Forscher untersuchten, ob Terpene in der Lage sind, genau dieses Protein zu blockieren und auf diese Weise die Entstehung von Alzheimer zu verhindern. Zu diesem Zweck wurde eine Zellkultur mit menschlichen Nervenzellen so aufbereitet, dass die destruktive Wirkung von Beta-Amyloid simuliert und die Auswirkungen von Terpenen auf diesen Prozess getestet werden konnten. Das Ergebnis: Die Terpene Alpha-Pinen und Beta-Pinen waren in der Lage, die Aktivität von Beta-Amyloid zu unterbinden, wodurch die Ablagerungen an den Nervenzellen reduziert werden konnten. Eine gewisse neuroprotektive Wirkung konnte auch bei Terpinolen festgestellt werden.
Unabhängig davon konnte eine weitere aus Brasilien stammende Forschungsarbeit, die ebenfalls 2025 veröffentlicht wurde, die neuroprotektive Wirkung von Terpenen weiter unterstreichen. Die Arbeit fasst mehrere Forschungsergebnisse an Zellkulturen und präklinischen Tiermodellen zusammen, die sich mit der Aktivität von Terpenen beschäftigen. Neben der bereits erwähnten Wirkung von Pinen gegen ein Protein, das an Alzheimer beteiligt ist, konnten auch antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen nachgewiesen werden. So konnte bei den Terpenen Linalool, Pinen und Eugenol eine antioxidative Wirkung nachgewiesen werden.
Oxidativer Stress ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen. Neben einer antioxidativen Wirkung weisen zahlreiche Terpene auch eine entzündungshemmende Wirkung auf. Viele degenerative Prozesse sind letztlich auch eine Form von Entzündung. Hemmt man diese, so verlangsamt sich der degenerative Abbau. Auch ein regenerierender Effekt auf die extrazelluläre Matrix konnte nachgewiesen werden. Als extrazelluläre Matrix bezeichnet man den Raum zwischen den Nervenzellen, der aus einem komplexen Netzwerk aus Proteinen besteht. Forscher konnten zeigen, dass die Terpene Linalool, Limonen und Nerolidol in dieser Matrix bestimmte degenerative Enzyme und entzündungsfördernde Zytokine hemmen. Auf diese Weise kann der Erhalt dieses Netzwerks zwischen den Nervenzellen gewährleistet werden.
Quellenverzeichnis
- MMST-Test erklärt: Alzheimer Forschung Initiative e.V.
- Studie zu neurologischen Effekten bei Konsumenten: Research Square 2025
- Wissenschaftliche Untersuchung zu Terpenen (Teil 1): ScienceDirect / NeuroToxicology
- Wissenschaftliche Untersuchung zu Terpenen (Teil 2): ScienceDirect / Biocell 2025









































