Die Europäische Union hat erstmals verbindliche THC-Höchstgehalte für Hanfblättertee festgelegt. Die Verordnung (EU) 2026/1828 ergänzt die Kontaminanten-Verordnung (EU) 2023/915 und gilt ab dem 1. Januar 2027. Für die europäische Nutzhanfbranche ist das Ergebnis zwiespältig, denn die endgültige Anerkennung des Aufgusses als traditionelles Lebensmittel kommt mit Grenzwerten, die ein großer Teil der heute verkauften Ware nicht einhält.
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Was die neue EU-Verordnung für Hanfblättertee regelt

Die Verordnung unterscheidet sauber zwischen dem Rohstoff und dem fertigen Getränk. Getrocknete Hanfblätter, die für einen Wasseraufguss bestimmt sind, dürfen künftig höchstens 40 Milligramm Delta-9-THC-Äquivalente je Kilogramm enthalten. Für den trinkfertigen Aufguss liegt die Grenze bei 0,02 Milligramm je Kilogramm. In einer Tasse von 250 Millilitern entspricht das rechnerisch etwa 0,005 Milligramm THC-Äquivalenten, also einer Menge weit unterhalb jeder spürbaren Wirkung.
Damit stehen Hanfblätteraufgüsse zum ersten Mal direkt im europäischen Kontaminantenrecht. Bisher regelte die EU auf diesem Feld nur die Samen, dort gelten 3 Milligramm je Kilogramm für Samen, Mehl und Protein sowie 7,5 Milligramm je Kilogramm für das Öl. Die Blätter blieben jahrelang eine Leerstelle, weil die Kommission zunächst Daten zum tatsächlichen Vorkommen auswerten wollte.
Der Grenzwert trifft das Blatt, nicht die Tasse

Der eigentliche Engpass liegt beim getrockneten Blattmaterial. Eine deutsche Untersuchung aus dem Jahr 2023 analysierte 23 handelsübliche Hanftees und fand THC-Gehalte zwischen 16 und 935 Milligramm je Kilogramm. Der Mittelwert lag bei 221 Milligramm je Kilogramm und damit beim mehr als Fünffachen des neuen Limits. Wer heute Hanftee abfüllt, muss die Rohware also deutlich enger einkaufen und analysieren lassen als bisher.
Dieselbe Untersuchung zeigte noch etwas anderes. Nur ein kleiner Teil des im Blatt gebundenen THC geht beim Aufbrühen überhaupt ins Wasser über, weil THC fettlöslich ist und sich in heißem Wasser schlecht löst. Genau daran setzt die Kritik aus der Branche an. Ein strenger Wert für das Blatt bringt für die Sicherheit der Konsumenten wenig zusätzlichen Nutzen, wenn das Getränk bereits einen eigenen Grenzwert hat. Wie stark solche Schwellenwerte ganze Produktkategorien verschieben, zeigt sich derzeit in den USA, wo eine neue Hanf-Definition mit einer Obergrenze je Behälter einen milliardenschweren Markt umgepflügt hat und Tennessee rauchbare Hanfprodukte komplett verboten hat.
Der Nutzhanfverband EIHA spricht von einer verpassten Chance
Der europäische Nutzhanfverband EIHA hatte für erhitzte alkoholfreie Getränke einen Wert von 0,08 Milligramm je Kilogramm vorgeschlagen. Durchgesetzt hat sich die viermal strengere Variante. EIHA-Geschäftsführer Francesco Mirizzi begrüßt zwar, dass die EU den Hanfblätteraufguss als traditionelles Lebensmittel anerkennt. Gleichzeitig warnt der Verband, dass sich viele Erzeugnisse aus legal angebautem Industriehanf unter diesen Werten kaum noch vermarkten lassen.
Für das getrocknete Blatt fordert die EIHA eine Anhebung von 40 auf mindestens 400 Milligramm je Kilogramm. Der Verband hat außerdem angekündigt, alle Wege zu prüfen, um den Sektor gegen unverhältnismäßige Beschränkungen zu verteidigen. Eine rechtliche Auseinandersetzung schließt die EIHA dabei nicht aus.
Kennzeichnungspflichten und nationale Sonderwege
Zum Paket gehören konkrete Vorgaben auf der Verpackung. Hanfblätter für den Wasseraufguss müssen den Hinweis tragen, dass sie ausschließlich für die Zubereitung eines Kräuteraufgusses bestimmt sind. Dazu kommen ein Warnhinweis für Säuglinge und Kleinkinder sowie die Auflage, beim Ziehen keine fetthaltigen Zutaten wie Sahne oder Milch zuzugeben. Der letzte Punkt folgt derselben Logik wie der niedrige Wert im Getränk, denn Fett löst THC deutlich besser als Wasser.
Wichtig für Hersteller ist eine zweite Einschränkung. Die Verordnung hebt strengere nationale Regeln nicht auf. Ein einheitlicher Binnenmarkt für Hanfblätter entsteht damit nicht automatisch, und einzelne Mitgliedstaaten dürfen weiterhin härtere Vorgaben machen. Wie unterschiedlich die Aufsicht in Europa arbeitet, zeigt der Fall Portugal, wo neun Abgeordnete Beschlagnahmungen von CBD-Ware im Parlament hinterfragen.
Was das für den deutschsprachigen Markt bedeutet

Hanftee ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein etabliertes Regalprodukt und zugleich eines der ältesten Hanferzeugnisse überhaupt, wie ein Blick auf die Tradition des Hanfaufgusses als sanfte Urmedizin zeigt. Die Verordnung schafft für dieses Produkt zum ersten Mal Rechtssicherheit, verlangt im Gegenzug aber eine engere Qualitätssteuerung. Sortenwahl, Erntezeitpunkt und die saubere Trennung des Blattes von den blühenden Spitzen entscheiden künftig darüber, ob eine Charge verkehrsfähig ist. Wer erst im Dezember 2026 mit dem Messen beginnt, steht am Ende mit einer Ernte da, die niemand mehr abnimmt.
Der Zeitpunkt trifft eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. In Deutschland ringt der Sektor seit Monaten um die Auslegung der Rauschklausel, und die Zahlen zum angeblichen Missbrauch von Industriehanf fallen nüchterner aus als die politische Debatte. Die Grundlagen zum Anbau stehen in unserem Überblick zu Nutzhanf in Deutschland. Rechtlich baut die Regelung auf einer Weichenstellung von 2023 auf, als die EU-Kommission bestätigte, dass Hanfblätter kein Novel Food sind. Was damals als Klarstellung ohne Zahlen begann, hat jetzt seine Grenzwerte bekommen.
Häufige Fragen
Ab wann gelten die neuen THC-Grenzwerte für Hanfblättertee?
Die Werte der Verordnung (EU) 2026/1828 gelten ab dem 1. Januar 2027. Für Ware, die vorher rechtmäßig in den Verkehr gebracht wurde, sind Übergangsregelungen vorgesehen. Hersteller sollten die verbleibende Zeit für die Umstellung der Rohstoffbeschaffung nutzen.
Wie viel THC darf eine fertige Tasse Hanftee enthalten?
Der trinkfertige Aufguss darf höchstens 0,02 Milligramm Delta-9-THC-Äquivalente je Kilogramm enthalten. Bei einer Tasse von 250 Millilitern sind das rechnerisch rund 0,005 Milligramm. Eine berauschende Wirkung ist bei dieser Größenordnung ausgeschlossen.
Warum ist der Grenzwert für getrocknete Blätter das größere Problem?
Handelsübliche Hanftees lagen in einer deutschen Untersuchung von 2023 im Mittel bei 221 Milligramm je Kilogramm. Der neue Wert von 40 Milligramm je Kilogramm liegt deutlich darunter. Viele Chargen müssten also entweder aus anderen Sorten stammen oder anders aufbereitet werden.
Gilt die neue Verordnung auch in der Schweiz?
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und übernimmt die Verordnung nicht automatisch. Für Schweizer Hersteller ist sie trotzdem relevant, sobald sie in die EU liefern. Der Export muss dann die europäischen Höchstgehalte und die Kennzeichnungspflichten erfüllen.
Braucht Hanfblättertee weiterhin eine Novel-Food-Zulassung?
Nein. Wasseraufgüsse aus Hanfblättern ohne blühende und fruchtende Spitzen gelten ausdrücklich nicht als neuartiges Lebensmittel. Sie brauchen deshalb keine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung. Für andere Pflanzenteile und für isolierte Cannabinoide bleibt die Rechtslage davon unberührt.
Quellen: Verordnung (EU) 2026/1828 zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/915, Stellungnahme der European Industrial Hemp Association (EIHA) vom August 2026, HempToday vom 24. August 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom August 2026 wieder und stellt keine Rechtsberatung dar. Er enthält keine Gesundheits- oder Wirkaussage. Für die Verkehrsfähigkeit einzelner Erzeugnisse sind neben Höchstgehalten weitere Vorgaben maßgeblich, darunter das Lebensmittelrecht und die Novel-Food-Verordnung.







































