Mit der Unterschrift unter ein Haushaltsgesetz hat US-Präsident Donald Trump im November 2025 die Spielregeln für die US-Hanfindustrie umgeschrieben. Ab dem 13. November 2026 gilt in den Vereinigten Staaten eine neue, drastisch verschärfte Definition von legalem Hanf: maximal 0,4 Milligramm Total THC pro Verkaufseinheit. Branchenanalysen zufolge betrifft das Verbot rund 95 Prozent aller derzeit am US-Markt befindlichen Hanfprodukte, die jährlich etwa 28,4 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Für die europäische Cannabis- und Hanfbranche wirft das eine unangenehme Frage auf, denn die Auseinandersetzung um Delta-8, Delta-9-THC-Gummies und THCA-Blüten steht in der EU noch bevor.
📑 Inhaltsverzeichnis
Section 781: Wie ein Spending-Bill die Hanf-Definition kippt
Das eigentliche Vehikel der neuen Regelung war ein FY2026 Agriculture Appropriations Act, also ein Haushaltsgesetz, das den Government Shutdown beendete. Im Kleingedruckten, unter Section 781, schrieb der Kongress die zentrale Definition des 2018 Farm Bills um. Hanf wird künftig nicht mehr nur über den Delta-9-THC-Gehalt von 0,3 Prozent definiert, sondern über das sogenannte Total THC. Diese Größe rechnet die nicht-psychoaktive Vorstufe Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) sowie Delta-8-THC vollständig in den Wirkstoffgehalt ein. Damit fallen genau jene Produkte aus der Legalität, die in den vergangenen vier Jahren das Wachstum der amerikanischen Hanfindustrie getrieben haben.
Die zweite Schraube ist mengenbezogen. Pro abgepacktem Behälter dürfen künftig nicht mehr als 0,4 Milligramm Total THC enthalten sein. Eine handelsübliche Gummi-Packung mit zehn 25-Milligramm-Edibles, wie sie heute legal in US-Tankstellen vertrieben wird, läge damit um den Faktor mehr als 600 über der Schwelle. Auch Tinkturen, Vapes und THCA-Blüten verlieren in dieser Logik ihren Rechtsstatus. Verkauf, Transport und Import bleiben theoretisch bis 13. November 2026 erlaubt; danach greift die Bundesstrafbarkeit.
28,4 Milliarden Dollar und 300.000 Arbeitsplätze auf der Kippe

Branchenverbände beziffern den jährlichen Umsatz mit intoxicating Hemp Products in den USA mittlerweile auf rund 28,4 Milliarden Dollar. Schätzungen sprechen von etwa 300.000 Arbeitsplätzen in Anbau, Extraktion, Logistik und Einzelhandel sowie von rund 1,5 Milliarden Dollar an staatlichen Steuereinnahmen. Diese Größen sind in den vergangenen Jahren entstanden, weil das Farm Bill von 2018 eine Lücke geöffnet hatte, die Hersteller mit semisynthetischen Cannabinoiden und THCA-reichen Blüten konsequent ausgenutzt haben. Der föderale Gesetzgeber hatte sich erkennbar nicht vorgestellt, dass aus einer Faserhanf-Regelung ein Multi-Milliarden-Markt für Rauschmittel-Substitute entstehen würde.
Bemerkenswert ist die Reaktion des Präsidenten nach Inkrafttreten der Unterschrift: Trump forderte den Kongress kurz darauf öffentlich auf, das Gesetz noch einmal anzufassen und insbesondere Veteranen sowie kleinere Hersteller herauszunehmen. Dass ein US-Präsident eine eigene Unterschrift kommentiert und reparieren lassen will, ist ungewöhnlich und zeigt, wie politisch das Paket geschnürt wurde. Das Spending-Bill war primär ein Werkzeug, um den Shutdown zu beenden. Die Hanf-Definition war beigepackt.
Folgewirkung für Europa: kein Trockenlauf, sondern eine Blaupause
Für deutsche und europäische Marktteilnehmer ist die Entscheidung aus zwei Richtungen relevant. Zum einen verschieben sich die globalen Marktanteile. US-Hersteller, die bislang Delta-8-Gummies und THCA-Blüten produziert haben, werden Absatzmärkte außerhalb der USA suchen. Erfahrungen aus dem Schwarzmarkt-Schmuggel kalifornischer Blüten nach Frankreich zeigen, dass Nachfrage und Angebot solche Verschiebungen schnell vollziehen. Zum anderen ist Section 781 eine Blaupause für Regulierung über Definitionen statt über Verbote. Wer den Stoff definiert, regelt den Markt, ohne ein neues Strafgesetz schreiben zu müssen.
Genau dieses Muster taucht in Europa bereits in mehreren Varianten auf. Portugal hat das semisynthetische Cannabinoid HHC in die Betäubungsmittel-Tabelle II-A überführt und damit auf einen Schlag aus dem Verkehr gezogen; eine ausführliche Einordnung findet sich in unserer Analyse zum portugiesischen HHC-Verbot. Griechenland verfolgt einen ähnlichen Pfad und arbeitet daran, CBD-Blüten als Genussprodukt zu untersagen, wie unsere Hintergrundberichterstattung zum geplanten griechischen CBD-Verbot dokumentiert. In Frankreich greift seit dem 15. Mai 2026 eine restriktive Auslegung der Novel-Food-Verordnung, die CBD-Edibles vom Markt nimmt.
Total THC, EU-Recht und die offene Flanke der deutschen Hanfindustrie

In Deutschland orientiert sich der zulässige Gehalt für Nutzhanf weiterhin am Delta-9-Wert von 0,3 Prozent in der Trockenmasse. Eine Umstellung auf Total THC, wie sie der US-Kongress jetzt vollzogen hat, wäre EU-rechtlich kompatibel und politisch in Berlin nicht ausgeschlossen, sobald Stoffe wie HHCPO, THCP oder Delta-8 die öffentliche Debatte erreichen. Wer heute in Deutschland intoxicating Hemp Products produziert oder vertreibt, sollte mindestens das Risiko einer ähnlichen Definitionsverschiebung in seine Planung einrechnen. Die strafrechtliche Härte des amerikanischen Modells, mit Bundesstrafbarkeit ab Tag eins nach Übergangsfrist, ist im EU-Recht selten. Die regulatorische Mechanik, also die Verschiebung der Definition statt eines neuen Strafgesetzes, ist es nicht.
Wir hatten den breiteren US-Kontext bereits beleuchtet, als die DEA im Mai die Umstufung von Cannabis auf Schedule III formalisierte. Beide Vorgänge laufen parallel und ergeben zusammen die wahre US-Politik 2026: weniger Verbot in der Medizin, mehr Definitions-Schärfe an der Hanf-Flanke. Mehr dazu in unserer Einordnung zur US-Schedule-III-Entscheidung sowie in unserer Berichterstattung zur französischen Novel-Food-Verschärfung, die das Spannungsfeld in der EU einordnet.
Häufige Fragen
Wann tritt das US-Hanfgesetz in Kraft?
Die neue Definition aus Section 781 des Agriculture Appropriations Act FY2026 wurde am 12. November 2025 von Präsident Trump unterzeichnet. Sie tritt nach einer Übergangsfrist von zwölf Monaten am 13. November 2026 in Kraft. Bis dahin bleiben bestehende Verträge, Lagerbestände und Verkaufslizenzen formal gültig.
Welche Produkte sind konkret betroffen?
Betroffen sind im Wesentlichen alle hanf-derivierten Produkte mit psychoaktivem Potenzial: Delta-8-THC-Gummies und Vapes, Delta-9-THC-Edibles auf Hanfbasis, THCA-reiche Blüten, semisynthetische Cannabinoide wie HHC oder HHCPO sowie Tinkturen und Getränke mit relevantem THC-Wert. Faserhanf, Hanfsamen und Industriehanf-Produkte ohne psychoaktiven Wirkstoff bleiben legal.
Was bedeutet Total THC im Unterschied zu Delta-9-THC?
Delta-9-THC ist die direkt psychoaktive Form des Wirkstoffs. Total THC summiert zusätzlich die Vorstufe THCA, die beim Erhitzen (Decarboxylierung) zu Delta-9-THC wird, sowie verwandte Isomere wie Delta-8-THC. Die neue US-Berechnung erfasst also den potenziellen Wirkstoffgehalt einer Probe und nicht nur den aktuell wirksamen Anteil.
Hat das Auswirkungen auf den deutschen Cannabismarkt?
Direkte rechtliche Folgen für Deutschland gibt es nicht, da US-Bundesrecht in der EU nicht greift. Indirekt sind aber Verlagerungseffekte zu erwarten: US-Hersteller suchen neue Absatzmärkte, und die regulatorische Methodik, also der Wechsel auf Total THC, ist auch in EU-Mitgliedstaaten denkbar. Wer in Deutschland intoxicating Hemp Products vertreibt, sollte sich auf eine politische Debatte vorbereiten.
Wird Trump das Gesetz noch reparieren?
Trump hat den Kongress nach Unterzeichnung des Spending-Bills aufgefordert, korrigierende Anpassungen vorzunehmen, insbesondere mit Blick auf Veteranen und Kleinunternehmen. Ob das gelingt, ist offen. Eine Reparatur über ein eigenständiges Gesetz braucht eine Mehrheit in beiden Kammern; eine Lösung über eine spätere Appropriations-Runde ist wahrscheinlicher, aber nicht garantiert.
Quellen: Akerman LLP (Recriminalization of Hemp-Derived THC Products in Federal Spending Bill, November 2025), Cannabis Business Times (Trump Calls on Congress to Fix Law Imposing a Forthcoming Hemp Product Ban, 2026), Vicente LLP (2026 Federal Hemp Ban: What It Means for the Future of Consumable Hemp Products), MPP Blog (President Trump Signs Ban on Most Hemp Products), Hanfjournal (Trump, THC und der Hanf-Hammer, 26.05.2026).








































