Portugal hat Hexahydrocannabinol (HHC) offiziell verboten. Am 8. Mai 2026 veröffentlichte die Regierung das Gesetz Nr. 19-F/2026, das die berüchtigte portugiesische Drogengesetzgebung aus dem Jahr 1993 ergänzt und das semisynthetische Cannabinoid in die Liste II-A der kontrollierten Substanzen aufnimmt. Bereits einen Tag später trat die Regelung in Kraft. Damit reiht sich Lissabon in eine Welle europäischer Hauptstädte ein, die HHC in den letzten zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen haben – darunter Deutschland und Österreich.
📑 Inhaltsverzeichnis
Was das neue portugiesische HHC-Gesetz konkret regelt
Das Gesetz Nr. 19-F/2026 ändert das Decreto-Lei Nr. 15/93, das in Portugal seit über drei Jahrzehnten den rechtlichen Rahmen für Betäubungsmittel und psychotrope Substanzen bildet. Mit der Novelle wird der vollständige chemische Name des Wirkstoffs aufgenommen, nämlich 6a,7,8,9,10,10a-Hexahydro-6,6,9-trimethyl-3-pentyl-6H-dibenzo[b,d]pyran-1-ol. HHC steht damit auf einer Stufe mit anderen Wirkstoffen der Tabelle II-A. In der Praxis bedeutet das: Produktion, Import, Export, Vertrieb, Verkauf, Besitz und Konsum sind außerhalb gesetzlich genehmigter Kontexte strafbar oder werden als Ordnungswidrigkeit verfolgt.
Die portugiesische Regierung begründet den Schritt mit den Empfehlungen der UN-Suchtstoffkommission aus den Sitzungen 2024 und 2025. Diese hatten mehrere neue psychotrope Stoffe für die internationalen Kontrolllisten vorgeschlagen, unter ihnen HHC. Die Aufnahme in das nationale Recht setzt den UN-Beschluss verbindlich um. Mit der Novelle veröffentlicht Lissabon zudem die gesamten Anhänge des Drogengesetzes neu, um den aktualisierten Rechtsrahmen konsolidiert zugänglich zu machen.
Warum Lissabon erst jetzt handelt
HHC kam in den vergangenen Jahren als angeblich legale THC-Alternative in vielen EU-Ländern auf den Markt. Anbieter nutzten regulatorische Grauzonen rund um neue Cannabinoide. Das Molekül ist semisynthetisch, in der Cannabispflanze nur in winzigen Spuren vorhanden und wird industriell aus CBD hergestellt. Es zeigt psychotrope Effekte, die jenen von Delta-9-THC ähneln, fällt jedoch nicht unter die 0,3-Prozent-THC-Grenze, an der sich viele europäische Hanf-Gesetzgebungen orientieren.
In Portugal wurden HHC-haltige Produkte in stationären Geschäften, in Verkaufsautomaten und auf Online-Plattformen verkauft. Das Sortiment reichte von Pulverblüten und Vape-Cartridges über Gummies bis hin zu Keksen und Ölen. Viele Anbieter vermarkteten ihre Ware als legale Alternative zu Cannabis, oft ohne Laborprüfung und ohne klare Angaben zu Zusammensetzung, Dosis oder Kontaminanten. Genau diese Kombination aus rascher Marktexpansion und mangelnder Datenlage zu Sicherheit, Toxizität und Langzeitwirkungen hat in den vergangenen zwei Jahren mehrere EU-Mitgliedsstaaten zu Restriktionen oder Verboten bewegt.
Mit dem neuen Gesetz folgt Portugal einer europäischen Linie. In Deutschland fiel HHC bereits im Juni 2024 unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, in Österreich erfolgte das Verbot 2023. Belgien, Frankreich und Italien haben in den letzten zwei Jahren ähnliche Schritte unternommen. Eine genauere europäische Übersicht zur Regulierung neuer Cannabinoide findet sich in unserem Hintergrundbeitrag zur europäischen Cannabinoid-Regulierung.
Behörden in Portugal warnen vor dem Whack-a-Mole-Effekt
Mehrere portugiesische Experten weisen darauf hin, dass das Verbot eines einzelnen synthetischen Cannabinoids das Grundproblem nicht löst. Sobald ein Wirkstoff verboten ist, drängen neue, leicht modifizierte chemische Varianten auf den Markt, die genau dafür entworfen wurden, die Gesetzgebung zu umgehen. Diese Whack-a-Mole-Dynamik hat in den vergangenen Jahren Dutzende neue synthetische Cannabinoide hervorgebracht, von HHC-O über THCP bis hin zu H4-CBD. Das frühere portugiesische Drogenmodell, das ab 2001 den persönlichen Konsum entkriminalisierte, ist in seiner Substanz unverändert. Strafrechtlich verfolgt werden weiterhin Herstellung, Handel und Distribution.
Bezeichnend ist die Beobachtung der Behörden, dass HHC-Produkte selbst nach Inkrafttreten des Verbots noch in einzelnen Geschäften, Automaten und vor allem über Online-Shops verfügbar sind. Die Durchsetzung wird Zeit und Ressourcen erfordern. Begleitend dazu macht die ASAE, die portugiesische Behörde für Lebensmittelsicherheit und Wirtschaft, mit der Operação Euforia auf sich aufmerksam: Sie meldete jüngst die Beschlagnahmung von rund 6.800 Artikeln mit Cannabis-Sativa-Extrakten und leitete 19 Strafverfahren ein. Die Definitionen von Hanfblüte, CBD-Produkt und synthetischem Cannabinoid geraten in der Praxis regelmäßig durcheinander.
Was das Verbot für den DACH-Markt bedeutet
Für die deutschsprachige Cannabis-Branche schließt sich mit Portugal eine Lücke im europäischen Flickenteppich. Solange einzelne Mitgliedsstaaten HHC duldeten, blieb der grenzüberschreitende Online-Versand ein offenes Feld. Konsumentinnen und Konsumenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten Vape-Cartridges, Gummies und Blüten aus Portugal bestellen, obwohl die heimische Gesetzeslage dies untersagte. Das neue portugiesische Gesetz schließt diese Versand-Route. Gleichzeitig erinnern die Stellungnahmen portugiesischer Fachleute daran, dass synthetische Alternativen so lange entstehen werden, wie THC selbst in den meisten europäischen Staaten kontrolliert oder verboten bleibt. Auch die deutsche Diskussion um Intoxicating Hemp und CBD-Boom dreht sich genau um diese Frage.
Europa hat nach Schätzungen etwa 24 Millionen Cannabiskonsumenten. Länder wie Deutschland bewegen sich mit dem Cannabisgesetz (CanG) und der laufenden Reform des Medizinal-Cannabisgesetzes auf eine regulierte Abgabe natürlicher THC-Produkte zu. Beobachter sehen darin den effektivsten Hebel gegen den Markt für unregulierte semisynthetische Stoffe. Das österreichische Bundesgesetz, das HHC bereits 2023 verbot, illustriert das Argument: Die Nachfrage wanderte teils auf andere Cannabinoide, teils in den Schwarzmarkt für klassisches THC. Eine vergleichbare Dynamik dürfte nun auch in Portugal zu beobachten sein. Wir haben den österreichischen Fall in unserem Beitrag zum HHC-Verbot in Österreich bereits ausführlich beleuchtet.
Sollte HHC in Europa einheitlich reguliert werden?
Häufige Fragen
Seit wann ist HHC in Portugal verboten?
Das Gesetz Nr. 19-F/2026 wurde am 8. Mai 2026 veröffentlicht. Es trat am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft, also am 9. Mai 2026. HHC ist seitdem in der Tabelle II-A der portugiesischen Drogenliste gelistet.
Welche Strafen drohen bei Besitz von HHC in Portugal?
HHC fällt unter denselben Rechtsrahmen wie andere Substanzen der Tabelle II-A. Produktion, Import, Export, Distribution, Verkauf, Besitz und Konsum außerhalb genehmigter Kontexte können als Straftat oder Ordnungswidrigkeit verfolgt werden. Die genaue Sanktion richtet sich nach Menge und Verwendungszweck. Der Eigenkonsum bleibt in Portugal nach dem Modell von 2001 entkriminalisiert, der Handel wird strafrechtlich verfolgt.
Was unterscheidet HHC von THC?
HHC ist ein semisynthetisches Cannabinoid, das aus CBD hergestellt wird. Es zeigt psychotrope Effekte, die denen von Delta-9-THC ähneln, weist im Labor aber meist THC-Werte unterhalb der 0,3-Prozent-Schwelle auf. Das war der juristische Türöffner, durch den HHC-Produkte in vielen EU-Ländern jahrelang als legale Hanfprodukte verkauft werden konnten.
Wie ist die Lage in Deutschland und Österreich?
In Deutschland fällt HHC seit Juni 2024 unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz und ist damit verboten. Österreich hat das Cannabinoid 2023 untersagt. In der Schweiz ist die Lage in mehreren Punkten noch offen, einzelne Kantone gehen unterschiedlich vor. Portugal schließt mit dem aktuellen Schritt zu den drei DACH-Ländern auf.
Was bedeutet das für Versandhandel in den DACH-Raum?
Bis zum Mai 2026 nutzten viele HHC-Versender Portugal als Standort, weil das Land die Substanz noch nicht reguliert hatte. Mit dem Verbot fällt diese Versand-Route weg. Bestellungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren ohnehin nach nationalem Recht verboten. Die Strafverfolgung gegen Anbieter und Empfänger wird dadurch erleichtert.
Quellen: CannaReporter, Lei n.º 19-F/2026 (Diário da República, 8. Mai 2026), Decreto-Lei n.º 15/93, UN-Suchtstoffkommission (Sitzungen 2024 und 2025), ASAE.











































