Die Kehrtwende kam schneller als erwartet. Nur wenige Wochen nachdem Amsterdam ein Verbot des Cannabis-Verkaufs an Touristen ins Spiel gebracht hatte, ist genau dieses Vorhaben wieder vom Tisch. Die neue Stadtregierung erteilte dem sogenannten Ingezetenencriterium am 3. Juni 2026 eine klare Absage. Auswärtige Gäste dürfen damit weiterhin in den rund 166 Coffeeshops der Stadt einkaufen.
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Im April hatten wir an dieser Stelle noch über die drohende Rückkehr des Coffeeshop-Verbots für Touristen berichtet. Wenige Wochen später sieht die Lage anders aus. Der politische Wind in der niederländischen Hauptstadt hat sich gedreht, und die Branche atmet auf.
Was das Ingezetenencriterium vorsah
Das Ingezetenencriterium, übersetzt das Einwohnerkriterium, hätte den Verkauf von Cannabis auf Personen mit niederländischem Wohnsitz beschränkt. Touristen aus dem Ausland wären vom legalen Bezug ausgeschlossen gewesen. Die Idee kursierte in Amsterdam bereits seit 2021. Bürgermeisterin Femke Halsema hatte sie wiederholt befürwortet, wollte aber eine Mehrheit im Stadtrat hinter sich wissen, bevor sie die Regel einführt.
In mehreren südlichen Grenzstädten der Niederlande gilt ein solches Einwohnerkriterium bereits seit Jahren. Maastricht und andere Kommunen nahe der belgischen und deutschen Grenze hatten es eingeführt, um den Drogentourismus einzudämmen. Für eine Metropole wie Amsterdam stand ein vergleichbarer Schritt lange im Raum, blieb politisch aber umstritten.
Warum die neue Koalition umschwenkt
Die Entscheidung gegen das Verbot fiel im Zuge der neuen Regierungsbildung. Getragen wird sie von einem Bündnis aus PRO Amsterdam, einem Zusammenschluss der Sozialdemokraten und der Grünen, sowie der liberalen D66. Diese Koalition folgte den Argumenten der Coffeeshop-Branche, wonach ein Touristenverbot die Nachfrage nicht beseitigt, sondern lediglich verlagert.
Studien deuten darauf hin, dass sich rund ein Viertel der ausländischen Besucher bei einem Verbot dem Schwarzmarkt zuwenden würde. Genau dieses Muster zeigt sich auch andernorts in Europa, etwa wenn organisierte Banden Lücken in der legalen Versorgung füllen. Wie hartnäckig der illegale Handel selbst in regulierten Märkten bleibt, zeigt der Fall einer aufgedeckten europaweiten Schmuggel-Operation erst kürzlich. Für die Stadt überwog am Ende die Sorge, dass ein Verbot Straßendealer stärken und die Kontrolle über den Markt schwächen würde.
Touristen zahlen trotzdem mehr
Ganz ungeschoren kommen auswärtige Gäste allerdings nicht davon. Statt eines Verkaufsverbots setzt Amsterdam auf die Brieftasche. Die Übernachtungssteuer steigt im kommenden Jahr von 12,5 auf 16 Prozent des Zimmerpreises und soll perspektivisch auf 20 Prozent klettern. Damit liegt die Stadt komfortabel an der Spitze Europas. Wer Amsterdam besucht, soll also weiterhin Zugang zu den Coffeeshops haben, dafür aber spürbar mehr für seine Unterkunft bezahlen.
Der Schritt fügt sich in eine Linie ein, die Amsterdam seit Jahren verfolgt. Die Stadt will den Massentourismus dämpfen, ohne die liberale Drogenpolitik aufzugeben, für die sie international bekannt ist. Auch frühere Reformen zielten in diese Richtung, etwa der staatlich kontrollierte Anbau für Coffeeshops im Rahmen des nationalen Modellversuchs.
Was das aus deutscher Sicht bedeutet
Für deutsche Leserinnen und Leser ist Amsterdam mehr als ein Reiseziel. Das niederländische Coffeeshop-Modell dient in der hiesigen Legalisierungsdebatte seit Jahrzehnten als Referenz, mal als Vorbild, mal als Negativbeispiel. Die jüngste Kehrtwende zeigt, wie stark die Versorgung über legale Kanäle und der Druck des Schwarzmarktes zusammenhängen. Genau diese Abwägung beschäftigt auch die deutsche Politik, während die Modellprojekte der zweiten Säule weiter auf sich warten lassen.
Wer die Wurzeln dieser Kultur verstehen will, findet in unserer Geschichte der niederländischen Coffeeshopkultur den nötigen Hintergrund. Sie macht deutlich, warum ein Touristenverbot in Amsterdam stets ein Bruch mit einer jahrzehntelangen Tradition gewesen wäre. Für den Moment bleibt diese Tradition bestehen, wenn auch zu höheren Übernachtungspreisen.
Häufige Fragen
Dürfen Touristen 2026 in Amsterdam noch legal Cannabis kaufen?
Ja. Die neue Stadtregierung hat das geplante Verkaufsverbot für Auswärtige am 3. Juni 2026 verworfen. Ausländische Gäste dürfen weiterhin in den rund 166 Coffeeshops der Stadt einkaufen.
Was ist das Ingezetenencriterium?
Das Ingezetenencriterium ist ein Einwohnerkriterium, das den Cannabis-Verkauf auf Personen mit niederländischem Wohnsitz beschränkt. In mehreren südlichen Grenzstädten gilt es bereits, in Amsterdam wurde es nun aber nicht eingeführt.
Warum hat Amsterdam das Touristenverbot verworfen?
Die Koalition befürchtete, dass ein Verbot die Nachfrage nicht senkt, sondern auf den Schwarzmarkt verlagert. Schätzungen zufolge hätte sich etwa ein Viertel der Touristen an Straßendealer gewandt.
Was ändert sich stattdessen für Besucher?
Statt eines Verbots erhöht Amsterdam die Übernachtungssteuer. Sie steigt im kommenden Jahr von 12,5 auf 16 Prozent und soll später auf bis zu 20 Prozent klettern. Das ist der höchste Wert in Europa.
Gilt diese Öffnung in allen niederländischen Städten?
Nein. Mehrere südliche Grenzstädte wie Maastricht halten am Einwohnerkriterium fest. Die Amsterdamer Entscheidung betrifft zunächst nur die Hauptstadt und ihre Coffeeshops.
Quelle: High Times (Berichterstattung vom 3. Juni 2026 zur Entscheidung der Amsterdamer Koalition gegen das Ingezetenencriterium).






































