Kann man rohes Cannabis essen und davon high werden? Kurz gesagt: Nein. Rohes Hanfkraut enthält hauptsächlich THCA, die nicht-psychoaktive Vorstufe von THC. Erst durch Erhitzen (Decarboxylierung) wird daraus wirksames THC. Trotzdem gibt es gute Gründe, sich mit rohem Cannabis zu beschäftigen. In diesem Artikel erfährst du, was beim Essen von rohem Gras passiert, welche Wirkstoffe enthalten sind und ob sich der Konsum lohnt.
📑 Inhaltsverzeichnis
Warum rohes Cannabis nicht high macht
Der Wirkstoff THC steckt in den weiblichen Blüten, allerdings in seiner Säureform THCA. Eine Carboxylgruppe am Molekül verhindert die typische psychoaktive Wirkung im Nervensystem. Wenn die Pflanze trocknet und die Wirkstoffe erhitzt werden, wird diese Carboxylgruppe abgespalten. Der Wirkstoff wird decarboxyliert, also „aktiviert“. Man kann es auch so ausdrücken: THC entfaltet erst decarboxyliert die begehrte psychoaktive Wirkung. Auch die beruhigende Wirkung von CBD wird erst von der decarboxylierten Substanz erzielt.
Rohes Cannabis essen: Die Rohsaft-Therapie nach Dr. Courtney
Dr. William L. Courtney, ein amerikanischer Arzt und Cannabisaktivist, propagiert seit einigen Jahren genau das: Die beste Anwendung von Cannabis sei das Trinken von kalt gepresstem Saft oder püriertem Pflanzenbrei aus der ganzen Cannabispflanze, Blüten und Blätter, weibliche und männliche Pflanzen.
Sein wichtigstes Argument ist die Verabreichung großer Mengen THCA, welche für Heilung und Wohlbefinden nötig sei. Die Maximaldosis für aktiviertes THC liegt bei ungefähr 10 mg, mehr ist wegen der starken psychoaktiven Wirkung unangenehm bis unerträglich. Courtney empfiehlt aber eine Dosis, die 200 bis 500 mg THCA enthält. Bei der Herstellung solle deshalb immer auf niedrige Temperaturen geachtet werden, damit kein Wirkstoff aus Versehen aktiviert wird.
Wirkt rohes Gras überhaupt? Was die Wissenschaft sagt
Völlig abwegig ist die Einnahme von Rohhanf nicht. Die Säureformen THCA und CBDA wirken erwiesenermaßen entzündungshemmend. Auch eine immunmodulierende Wirkung ist anzunehmen. Richtig ist auch, dass man nichtaktiviertes THCA in hundertfacher Menge zu sich nehmen kann, ohne die unangenehme Nebenwirkung eines überdosierten THC-Rausches.
Fraglich bleibt aber, ob wirklich die Masse der Cannabinoide die heilsame Wirkung erhöht. Der deutsche Cannabis-Arzt Dr. Franjo Grotenhermen hat das Konzept bereits 2013 als äußerst fragwürdig zurückgewiesen. Kann man denselben Heileffekt nicht auch mit einer viel geringeren Dosis aktivierter Cannabinoide erzielen? Tatsächlich erschließen aktivierte Cannabinoide ein ungleich breiteres Wirkungsspektrum, vor allem CBD ist als aktivierte Substanz deutlich wertvoller als sein Vorläufer CBDA.
Nachteile: Warum Weed essen ohne Erhitzen Verschwendung sein kann
Ein großes Problem der Rohsaft-Therapie ist der enorm hohe Hanfverbrauch. Für die empfohlene Tagesdosis verbraucht Courtney gerne mal eine ganze Pflanze. Da Cannabis oft noch unter Strafe steht oder als teures medizinisches Produkt angebaut wird, ist das wenig praktikabel. Wer rohen Hanf konsumiert, verzichtet auf einen Großteil der Wirkung und verschwendet Material.
Wer Cannabis zu sich nehmen möchte, ist mit einer Cannabutter oder anderen Cannabis Edibles deutlich besser bedient. Dort werden die Wirkstoffe vorher aktiviert und entfalten ihre volle Wirkung.
Wann es trotzdem Sinn macht, rohes Cannabis zu essen
Rund um Hanf, Phytocannabinoide und Terpene ist noch viel zu erforschen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Zusammenspiel der einzelnen Wirkstoffe wichtig für die Wirkung ist. Es wäre also möglich, dass die Inhalte von Blatt und Stängel zusammen mit THCA und CBDA eine besonders heilsame Mischung ergeben.
Eine niederländische Studie fand heraus, dass Hanfblütentee, richtig gekocht, eine angenehm ausgewogene Mischung von aktivierten und sauren Cannabinoiden enthält. Der heiße Kräutertee ist eine traditionelle Zubereitungsform, bekannt überall, wo Hanf als Nutz- und Heilpflanze diente.
Häufige Fragen zum Thema Cannabis essen
Was passiert, wenn man rohes Gras isst?
Wenn du rohes Cannabis isst, nimmst du hauptsächlich THCA auf, die nicht-psychoaktive Vorstufe von THC. Du wirst davon nicht high. THCA hat jedoch entzündungshemmende Eigenschaften und könnte gesundheitliche Vorteile bieten, auch wenn die Forschung hier noch am Anfang steht.
Kann man von Cannabis Edibles high werden?
Ja, aber nur wenn das Cannabis vorher erhitzt (decarboxyliert) wurde. Bei richtig zubereiteten Edibles wird THCA zu THC umgewandelt, das dann über den Verdauungstrakt aufgenommen wird, oft mit stärkerer und längerer Wirkung als beim Rauchen. Übrigens: neue Lipid-Technologien sorgen dafür, dass Edibles teils schon nach 15–30 Minuten anfluten.
Wie viel rohes Cannabis müsste man essen, um eine Wirkung zu spüren?
Dr. Courtney empfiehlt 200–500 mg THCA täglich für therapeutische Zwecke, was etwa einer ganzen Pflanze entspricht. Für einen psychoaktiven Rausch müsstest du extrem große Mengen essen, und selbst dann wäre die Wirkung minimal, da nur ein kleiner Teil des THCA im Körper zu THC umgewandelt wird.
Was ist Hanfsaft und wie wirkt er?
Hanfsaft entsteht, wenn frische, ungetrocknete Cannabisblätter und -blüten kalt gepresst werden. Da nicht erhitzt wird, bleiben THCA und CBDA in ihrer Säureform – psychoaktiv ist der Saft also nicht. Ihm werden entzündungshemmende und immunmodulierende Effekte zugeschrieben, die noch erforscht werden. Wer rohen Hanftee oder Hanfsaft nutzen will, braucht große Mengen frisches Pflanzenmaterial.
Ist rohes Cannabis essen gesund?
Rohes Cannabis liefert Ballaststoffe, Chlorophyll, Terpene und die Säureformen THCA und CBDA. Studien deuten auf entzündungshemmende und antiemetische Effekte hin – belastbare klinische Daten fehlen aber. Ähnliche Heileffekte werden auch Hanföl mit CBD als Booster für die Wundheilung zugeschrieben. Für Genusskonsum lohnt es sich kaum: Ohne Decarboxylierung bleibt die typische THC-Wirkung aus. Wer therapeutische Effekte sucht, sollte das mit einem Arzt abstimmen.
Macht decarboxyliertes Gras essen high?
Ja. Sobald Cannabis erhitzt (decarboxyliert) wurde, entsteht aus THCA das psychoaktive THC – egal ob anschließend pur gegessen oder zu Cannabutter verarbeitet. Die Wirkung tritt nach 30–90 Minuten ein und hält 4–8 Stunden an, deutlich länger als beim Rauchen.
Quellen
Dr. Franjo Grotenhermen, Dr. William L. Courtney, Niederländische Studie zu Hanftee











































