Durch den zumindest theoretisch erleichterten Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland und die darauffolgenden unzähligen Anträge auf eine Kostenübernahme ist es nun selbst für Kritiker schwierig, das medizinische Potenzial der Cannabispflanze und ihrer Cannabinoide zu leugnen. Neben THC erregt auch CBD die Aufmerksamkeit vieler Menschen mit den verschiedensten Beschwerden. Vor allem in der Schweiz und in Österreich scheint das Geschäft mit Cannabidiol auf viel Zuspruch zu stoßen. Viele Hersteller spezialisieren sich auf Blüten, CBD-Öle sowie diverse Nahrungsmittel, in denen das wertvolle Cannabinoid enthalten ist. Jetzt erregt ein anderes Cannabinoid, dem bis dato eher weniger Aufmerksamkeit zuteilwurde, das Interesse vieler Hanffreunde und Patienten: Cannabigerol oder CBG.
📑 Inhaltsverzeichnis
- CBG – Cannabigerol
- Cannabigerol als Alternative zu CBD?
- Medizinisches Potenzial von CBG
- CBG Studien
- Wie CBG im Körper wirkt: das Rezeptorprofil
- Psychoaktiv oder nicht: eine Frage der Begriffe
- Was die Studienlage zu CBG heute hergibt
- Anwenderberichte: was 127 CBG-Nutzer angeben
- Dosierung, CBG-Öl und die Rolle von Fett
- Woher CBG-Blüten und CBG-Öle heute stammen
- Rechtlicher Rahmen für CBG in Deutschland
- 💬 Fragen? Frag den Hanf-Buddy!
CBG – Cannabigerol
Cannabigerol (CBG) ist ein Phytocannabinoid der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu Endocannabinoiden, die im menschlichen Körper gebildet werden, kommen Phytocannabinoide in Pflanzen vor. Ebenso wie Cannabidiol besitzt CBG keine psychoaktive Wirkung. 1964 wurden Forscher erstmals auf das Cannabinoid aufmerksam. Man fand heraus, dass das Cannabinoid einer der ersten Inhaltsstoffe ist, die zu Beginn der Blütephase gebildet werden. 2013 analysierten Forscher der TU Dortmund den Cannabinoidgehalt einer medizinischen Sorte aus den Niederlanden. In Laufe der Blütephase von acht Wochen führte man jede Woche eine Analyse durch. Es stellte sich heraus, dass der CBG-Gehalt in der sechsten Woche am höchsten war. In den meisten Sorten kommt CBG für gewöhnlich in einer Konzentration von weniger als 1 % vor.

Man nimmt an, dass CBG als Ausgangsstoff vieler anderer Cannabinoide ist. Wie bereits erwähnt, findet man Cannabigerol in einer höheren Konzentration zu Beginn der sich entwickelnden Cannabispflanze. Zunächst kommt es in saurer Form vor und ist als CBGA oder Cannabigerolsäure bekannt. Im Laufe der Blüte wird CBGA durch Enzyme entweder zu THCA (Tetrahydrocannabinolsäure) oder CBDA (Cannabidiolsäure) abgebaut. Durch das Trocknen und Aushärten der Blüten bilden sich aus den Säuren die nicht-sauren Cannabinoide THC, CBD und eben CBG. Man geht davon aus, dass sich alle Cannabinoide, die sich während dieses Vorgangs entwickeln, ursprünglich aus CBGA gebildet werden. Amerikanischen Forschern ist es nun erstmals gelungen, diesen Prozess zu stoppen und CBG in der Pflanze in einer hohen Konzentration zu behalten.
In einem Basler Shop setzt man nun auf das unbekannte Cannabinoid, das auch in Deutschland legal erhältlich ist.
Cannabigerol als Alternative zu CBD?
In Adam‘s CBD Shop erhalten Kunden nun exklusiv die Möglichkeit, Cannabigerol zu testen. Der Inhaber Mazlum Alcar ist nach eigenen Angaben der bisher einzige Händler in der Schweiz, bei dem dieses interessante Cannabinoid erhältlich ist.

Von seinen Kunden erhält er eine durchwegs positive Rückmeldung. Obwohl CBD bei Menschen mit verschiedensten Beschwerden hoch im Kurs steht, greift Mazlums Kundschaft lieber auf CBG zurück. Das Cannabinoid ist zwar doppelt so teuer, aber die meisten Kunden, die es ausprobiert haben, ziehen es dem CBD vor, so der Besitzer des Ladens an der Heuwaage. Seine Frau kann die Wirkung von Cannabigerol nur bestätigen. Sie behandelt damit erfolgreich ihre extremen Kopfschmerzen und ist nicht mehr auf Schmerztabletten angewiesen. Nach dem Konsum sei sie bereit fürs Sofa und wolle nur noch entspannen, so Irmark Alcar.
Bisher konnten sie über Weedz AG aus Zürich eine beachtliche Meneg beziehen. Für die Zukunft hofft Mazlum jedoch, die Pflanzen selbst anbauen zu können.
Medizinisches Potenzial von CBG
Hinsichtlich der medizinischen Wirkung geht man davon aus, dass Cannabigerol als schwacher Antagonist des CB1-Rezeptors wirkt. So kann es die Wirkung von CB1-Agonisten, wie THC, hemmen und die Effekte anderer Cannabinoide unterdrücken. Ähnliches lässt sich bei der Wirkung von CBD beobachten. Es ist noch nicht eindeutig geklärt, ob CBD auf den CB2-Rezeptor eine agonistische oder antagonistische Wirkung ausübt.
Die Forschung über die Wirkung und das medizinische Potenzial vermeintlich unbekannter Cannabinoide steckt noch in den Kinderschuhen. Dennoch lassen Studien der vergangenen Jahre das medizinische Potenzial des Cannabinoids erahnen. So konnten Forscher der University of Reading (UK) in zwei Studien aus den Jahren 2016 und 2017 die appetitanregende Wirkung von CBG belegen. Bereits im Jahr 2013 untersuchte man an der italienischen Universität Neapel Frederico die Auswirkungen von Cannabigerol auf entzündliche Darmerkrankungen. Es stellte sich heraus, dass CBG entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzt.
Wir dürfen gespannt sein, welche neuen Erkenntnisse uns die Forschung in Zukunft über dieses noch unbekannte Cannabinoid liefert. Trotz mangelnder wissenschaftlicher Belege scheint CBG jedoch ein weiteres Cannabinoid der Cannabispflanze mit enormen medizinischem Potenzial zu sein.
CBG Studien
- Appetitanregende Wirkung von Cannabigerol aus dem Jahr 2016
- Und aus dem Jahr 2017
- Eine Italienische Studie zum Thema CBG
- Die Studie der TU Dortmund zum Thema CBG
Wie CBG im Körper wirkt: das Rezeptorprofil
Die Annahme, Cannabigerol sei vor allem ein schwacher Gegenspieler am CB1-Rezeptor, beschreibt nur einen Teil der Pharmakologie. Eine vielzitierte Arbeit der Gruppe um Maria Grazia Cascio, 2010 im British Journal of Pharmacology veröffentlicht, hat dieses Bild erheblich erweitert. CBG bindet dort mit auffallend hoher Wirkstärke an den α2-Adrenozeptor und verhält sich an dieser Zielstruktur als Agonist. Der halbmaximale Effekt lag bei 0,2 Nanomol pro Liter, also im subnanomolaren Bereich.
Der α2-Adrenozeptor gehört zum noradrenergen System. Er reguliert unter anderem Wachheit, Blutdruck und die Verarbeitung von Schmerzreizen. Arzneistoffe wie Clonidin greifen an derselben Stelle an. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die berichteten Effekte von CBG anders ausfallen als die von Cannabidiol, obwohl beide Cannabinoide keinen Rausch auslösen. Zusätzlich wirkt CBG in derselben Untersuchung als mäßig starker Antagonist am 5-HT1A-Rezeptor, mit einem Kennwert von 51,9 Nanomol pro Liter. Dieser Serotonin-Rezeptor ist eine zentrale Zielstruktur bei Angst und Stimmung.
Bemerkenswert ist die Richtung dieser Wirkung. CBD gilt am 5-HT1A-Rezeptor als indirekter Agonist, CBG dagegen als Antagonist. Die beiden Cannabinoide arbeiten an dieser Stelle also gegenläufig. Am CB1-Rezeptor bestätigte die Arbeit den kompetitiven Antagonismus, allerdings erst in einer Konzentration von 10 Mikromol pro Liter. Für die Bindung an CB1 und CB2 fanden sich messbare Werte, die zwischen denen von THC und CBD liegen. Wie diese Rezeptoren grundsätzlich funktionieren, erklären wir im Beitrag über die Cannabinoid-Rezeptoren in unserem Körper.
| Zielstruktur | Verhalten von CBG | Kennwert |
|---|---|---|
| α2-Adrenozeptor | Agonist, sehr hohe Wirkstärke | EC50 0,2 nmol/l |
| 5-HT1A-Rezeptor | mäßig starker Antagonist | KB 51,9 nmol/l |
| CB1-Rezeptor | kompetitiver Antagonist | wirksam ab 10 µmol/l |
| CB2-Rezeptor | messbare Bindung, Funktion offen | ohne belastbaren Wert |
Psychoaktiv oder nicht: eine Frage der Begriffe
CBG löst keinen Rausch aus. Das ist der Kern der Aussage, das Cannabinoid sei nicht psychoaktiv, und daran hat die neuere Forschung nichts geändert. In der Fachsprache werden allerdings zwei Dinge getrennt, die im Alltag zusammenfallen. Berauschend, genauer psychotrop, ist ein Stoff, der Wahrnehmung und Bewusstsein deutlich verändert. Das trifft auf THC zu, auf Cannabigerol nicht.
Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob ein Stoff überhaupt im Zentralnervensystem ankommt. Ein Molekül, das am 5-HT1A-Rezeptor und am α2-Adrenozeptor angreift, wirkt dort zwangsläufig. Genau deshalb finden sich in Anwenderberichten Angaben zu Ruhe, Wachheit oder Schlaf. Wer nach dem Rausch fragt, erhält bei CBG eine eindeutige Antwort: er bleibt aus. Wer nach messbaren Effekten auf Anspannung und Stimmung fragt, bekommt eine differenzierte Antwort, und die Studienlage dazu ist inzwischen belastbarer als 2018.
Was die Studienlage zu CBG heute hergibt
Die erste kontrollierte Untersuchung am Menschen erschien 2024 in Scientific Reports. Die Arbeitsgruppe um Carrie Cuttler gab 34 gesunden Erwachsenen in einem doppelblinden, placebokontrollierten Cross-over-Versuch 20 Milligramm CBG aus Nutzhanf. Die Angstwerte lagen 20, 45 und 60 Minuten nach der Einnahme unter denen der Placebogruppe, die Stresswerte am ersten Messpunkt. Auffällig war zudem eine bessere freie Wiedergabe von Wortlisten. Kognitive oder motorische Einschränkungen traten nicht auf. Die Details dieser Untersuchung haben wir in einem eigenen Beitrag zur angstlösenden Wirkung von CBG aufgearbeitet.
Alles Weitere steht auf präklinischen Füßen, also auf Zellversuchen und Tiermodellen. Eine Rostocker Arbeitsgruppe hat die Wirkung von CBG und CBC auf Lungenkrebszellen untersucht. Eine israelische Gruppe berichtete über eine deutlich verringerte Ausschüttung des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 im Modell der rheumatoiden Arthritis. Weitere Arbeiten befassen sich mit Cannabinoiden gegen Krankenhauskeime, mit der Gedächtnisleistung und mit neuartigen CBG-Derivaten.
Diese Befunde sind interessant, aber sie sind keine Therapie. Aus Zelldaten lässt sich keine Wirksamkeit am Patienten ableiten, und ein zugelassenes Arzneimittel mit Cannabigerol gibt es bislang nicht. CBG-Produkte werden entsprechend nicht als Medikament verkauft. Die appetitanregenden Befunde aus Reading und die entzündungshemmenden Ergebnisse aus Neapel ordnen sich in dieses Bild ein. Es gibt viele Signale aus dem Labor und wenige Daten am Menschen.
Anwenderberichte: was 127 CBG-Nutzer angeben
Wer nach Erfahrungen mit CBG sucht, findet in der Fachliteratur genau eine größere Erhebung. Ethan Russo und Kollegen befragten 2022 in Cannabis and Cannabinoid Research 127 Personen, die in den vorangegangenen sechs Monaten CBG-dominante Zubereitungen verwendet hatten. Als Grund nannten 51,2 Prozent Angstzustände, 40,9 Prozent chronische Schmerzen, 33,1 Prozent depressive Beschwerden und 30,7 Prozent Schlafstörungen. Diese vier Anwendungsbereiche deckten den größten Teil der Nennungen ab.
Bei den unerwünschten Wirkungen gaben 44 Prozent der Befragten an, keine bemerkt zu haben. Genannt wurden ansonsten Mundtrockenheit von 16,5 Prozent, Müdigkeit von 15 Prozent, ein gesteigerter Appetit von 11,8 Prozent und trockene Augen von 8,7 Prozent. Absetzerscheinungen verneinten 84,3 Prozent. Der gesteigerte Appetit ist dabei ein aufschlussreicher Punkt, weil er zu den appetitanregenden Befunden aus den britischen Tierversuchen passt.
Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Es handelt sich um Selbstauskünfte ohne Kontrollgruppe, und die Teilnehmer haben sich selbst für die Befragung gemeldet. Wer ein Mittel als hilfreich erlebt, antwortet eher als jemand, bei dem es nichts bewirkt hat. Als Wirksamkeitsnachweis taugt eine solche Erhebung nicht. Sie zeigt aber, in welchen Bereichen Menschen CBG einsetzen, und das deckt sich auffällig gut mit den Ergebnissen des Angstversuchs von 2024.
Dosierung, CBG-Öl und die Rolle von Fett
Zur Verträglichkeit höherer Dosen liegen inzwischen erste Daten vor. In einer Untersuchung an zwölf gesunden Erwachsenen wurden 25, 50, 100 und 200 Milligramm CBG-Isolat in mittelkettigen Triglyceriden verabreicht, also in einem klassischen Trägeröl. Die Substanz war über den gesamten Dosisbereich gut verträglich und löste kaum spürbare Effekte aus. Die Leberwerte blieben auch bei den beiden höchsten Dosen im Normbereich. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied zu den Diskussionen um hohe Cannabidiol-Dosen, die wir bei den Nebenwirkungen von Cannabidiol aufgeschlüsselt haben.
Praktisch wichtiger ist ein zweiter Befund. Eine Vergleichsuntersuchung gab 25 Milligramm CBG einmal zusammen mit einer fettreichen und einmal mit einer fettarmen Mahlzeit. Mit der fettreichen Mahlzeit fiel die Spitzenkonzentration im Blut deutlich höher aus. Cannabigerol ist stark fettlöslich, und ohne Fett im Magen kommt entsprechend weniger im Blut an. Wer CBG-Öl auf leeren Magen einnimmt, nutzt also nur einen Teil der enthaltenen Menge.
Auffällig war in beiden Untersuchungen die große Streuung zwischen den Teilnehmern. Dieselbe Dosis führte zu deutlich unterschiedlichen Blutspiegeln. Eine allgemeine Dosierungsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten, und die genannten Mengen sind Studiendosen, keine Anwendungsempfehlung. Wer Medikamente einnimmt, sollte den Einsatz von Cannabinoiden ohnehin mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abstimmen.
Woher CBG-Blüten und CBG-Öle heute stammen
Was 2018 die Nischenposition eines einzelnen Basler Händlers war, ist heute eine eigene Produktkategorie. Der Grund liegt in der Züchtung. Gesucht sind Pflanzen, bei denen die enzymatische Umwandlung der Cannabigerolsäure zu Tetrahydrocannabinolsäure oder Cannabidiolsäure weitgehend ausbleibt. In solchen Pflanzen bleibt die Vorstufe liegen, und nach dem Trocknen und der Decarboxylierung findet sich CBG statt THC oder CBD. Warum diese Vorstufe als Ausgangspunkt aller Cannabinoide gilt, zeigt unser Beitrag über CBGA, die Mutter der Cannabinoide.
Schweizer Züchtungen erreichen auf diesem Weg CBG-Gehalte von bis zu etwa 16 Prozent. Im Handel haben sich Sortennamen wie White CBG oder Super Glue CBG etabliert, die ausdrücklich auf einen hohen Cannabigerol-Anteil und einen minimalen THC-Gehalt hin selektiert wurden. Parallel dazu sind CBG-betonte Nutzhanfsorten in den europäischen Sortenkatalog gelangt, was den legalen Anbau in der EU erst praktikabel macht. Wie früh diese Entwicklung begann, zeigt eine Sortenzulassung im EU-Pflanzenkatalog.
Der Preisunterschied zu CBD, den der Basler Händler bereits 2018 beschrieb, hat damit einen nachvollziehbaren Hintergrund. Die Anbaufläche für CBG-dominante Sorten ist kleiner, die Nachfrage schwankt stärker, und die Isolierung des einzelnen Cannabinoids ist aufwendiger als bei CBD. Ein Teil des Marktes arbeitet deshalb mit Isolaten aus konventionellem Nutzhanf, statt eigene CBG-Sorten anzubauen.
Rechtlicher Rahmen für CBG in Deutschland
Cannabigerol selbst steht nicht in den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes, und es ist auch kein Stoff, den das Konsumcannabisgesetz erfasst. Maßgeblich ist stattdessen das Ausgangsmaterial. Zulässig ist Nutzhanf, dessen THC-Gehalt die geltende Grenze von 0,3 Prozent nicht überschreitet. Wer CBG-Blüten anbietet, muss diesen Nachweis über die gesamte Charge führen können.
Die zweite Hürde ist lebensmittelrechtlich. Für verzehrfertige Cannabinoid-Extrakte greift die europäische Novel-Food-Verordnung, weil ein nennenswerter Verzehr vor dem 15. Mai 1997 nicht belegt ist. Entsprechend werden CBG-Öle in Deutschland überwiegend als Aroma- oder Kosmetikprodukt verkauft und nicht als Nahrungsergänzungsmittel. Wie zäh sich dieses Verfahren gestaltet, zeigt der Stand bei Cannabidiol, wo erst 2026 ein positives EFSA-Gutachten vorlag. Wer gewerblich mit CBG handelt, sollte die Einordnung des eigenen Produkts im Einzelfall juristisch prüfen lassen.
Häufige Fragen zu CBG
Was ist Cannabigerol (CBG)?
Cannabigerol (CBG) ist ein Phytocannabinoid der Cannabispflanze, das bereits 1964 entdeckt wurde. Es gilt als Ausgangsstoff vieler anderer Cannabinoide: In saurer Form als Cannabigerolsäure (CBGA) wird es im Laufe der Blüte enzymatisch zu THCA oder CBDA umgewandelt, aus denen später THC und CBD entstehen. In den meisten Sorten liegt der CBG-Gehalt unter 1 Prozent.
Ist CBG psychoaktiv?
Nein. Ebenso wie CBD besitzt CBG keine psychoaktive Wirkung. Man geht davon aus, dass Cannabigerol als schwacher Antagonist des CB1-Rezeptors wirkt und dadurch die Wirkung von CB1-Agonisten wie THC sogar hemmen kann. Wie CBG und andere Cannabinoide im Körper andocken, erklären wir in unserem Beitrag zu den Cannabinoid-Rezeptoren im Körper.
Wie wirkt CBG?
Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, doch mehrere Studien deuten das Potenzial an: Forscher der University of Reading belegten 2016 und 2017 eine appetitanregende Wirkung, und eine italienische Studie aus Neapel (2013) zeigte entzündungshemmende sowie antioxidative Eigenschaften bei entzündlichen Darmerkrankungen. Wie schwierig sich die Wirksamkeitsforschung an Cannabinoiden gestaltet, zeigt auch ein ungewöhnlicher Versuch des Warschauer Zoos.
Warum ist CBG so selten und teuer?
Weil CBG in den meisten Cannabissorten in einer Konzentration von unter 1 Prozent vorkommt und als Vorstufe im Laufe der Blüte größtenteils zu THC und CBD abgebaut wird – laut einer Analyse der TU Dortmund ist der Gehalt erst in der sechsten Blütewoche am höchsten. Entsprechend ist reines CBG in der Praxis oft etwa doppelt so teuer wie CBD. Worin sich beide Cannabinoide unterscheiden, lesen Sie im Vergleich der Wirkung von CBD und CBG; einen Eindruck von neuen cannabinoidbasierten Extrakten gibt der CBD-Ersatz-Extrakt von Synbiotic SE.
Wie schnell wirkt CBG?
In der ersten kontrollierten Untersuchung am Menschen aus dem Jahr 2024 zeigten sich die niedrigeren Angstwerte bereits 20 Minuten nach der Einnahme von 20 Milligramm CBG. Sie waren auch nach 45 und nach 60 Minuten noch messbar. Bei öligen Zubereitungen hängt der Zeitpunkt zusätzlich davon ab, ob gleichzeitig etwas Fettreiches gegessen wird, weil das die Aufnahme verbessert.
Welche CBG-Dosis wurde in Studien eingesetzt?
Der Angstversuch von 2024 arbeitete mit einer Einzeldosis von 20 Milligramm. Eine Verträglichkeitsuntersuchung an zwölf gesunden Erwachsenen prüfte 25, 50, 100 und 200 Milligramm CBG-Isolat in Trägeröl, ohne dass die Leberwerte den Normbereich verließen. Das sind Studiendosen und keine Anwendungsempfehlung, zumal die Blutspiegel zwischen einzelnen Personen stark schwankten.
Macht CBG müde oder wach?
Beides wird berichtet, und eine eindeutige Antwort gibt die Forschung derzeit nicht. In der Anwenderbefragung von 2022 nannten 15 Prozent der Teilnehmer Müdigkeit als unerwünschte Wirkung, während 30,7 Prozent CBG gerade wegen Schlafstörungen einsetzten. Der Angriff am α2-Adrenozeptor spricht ein System an, das Wachheit reguliert, weshalb die Wirkung individuell unterschiedlich ausfallen dürfte.
Kann man CBG und CBD zusammen einnehmen?
In Vollspektrum-Extrakten kommen beide Cannabinoide ohnehin gemeinsam vor. Pharmakologisch ist die Kombination allerdings nicht trivial, denn am 5-HT1A-Rezeptor wirken die beiden Stoffe gegenläufig. Welche Unterschiede zwischen den beiden Cannabinoiden belegt sind, haben wir im Vergleich der Wirkung von CBD und CBG zusammengestellt.
Ist CBG in Deutschland legal?
Cannabigerol ist selbst kein Betäubungsmittel und wird auch nicht vom Konsumcannabisgesetz erfasst. Entscheidend ist das Ausgangsmaterial, das die Grenze von 0,3 Prozent THC einhalten muss. Für verzehrfertige Extrakte kommt die Novel-Food-Verordnung hinzu, weshalb CBG-Öle meist als Aroma- oder Kosmetikprodukt angeboten werden. Eine rechtssichere Bewertung des Einzelfalls kann dieser Beitrag nicht ersetzen.









































