Polens Landwirte haben ihre Nutzhanffläche in diesem Jahr fast verdoppelt. Ende Juli standen rund 2.171 Hektar im Register, 89 Prozent mehr als Ende 2025. In Deutschland zeigte die amtliche Statistik zuletzt in die entgegengesetzte Richtung. Der Vergleich der beiden Nachbarn lohnt sich, weil er zeigt, woran Hanfanbau in Europa tatsächlich hängt.
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Nutzhanf in Polen: Die Zahlen des Registers
Die Daten stammen vom Nationalen Zentrum für Landwirtschaftsförderung KOWR. Die Behörde führt seit 2022 das polnische Register für Industriehanf. Ende 2025 waren dort 1.146 Hektar verzeichnet, bis zum 31. Juli 2026 stieg die Fläche auf rund 2.171 Hektar. Das ist der höchste Wert seit der Umstellung auf das Registersystem.
Auch die Zahl der eingetragenen Anbauer wächst. Zum Stichtag waren es 1.681, nach 1.592 Ende 2025 und nur 425 im Übergangsjahr 2022. Gegenläufig entwickelt sich die Abnehmerseite. Die Zahl der Unternehmen, die Hanf von Landwirten ankaufen dürfen, sank von 87 im Jahr 2024 auf 76 in diesem Jahr. Mehr Fläche trifft also auf weniger registrierte Käufer.
Der Aufschwung ist nicht der erste. Schon 2020 wuchs die polnische Hanffläche auf rund 3.500 Hektar. Damals trieben vor allem Spekulanten am Ende des CBD-Booms den Anbau, und die Flächen brachen danach ein, als der Markt für CBD-Biomasse zusammenfiel. Hinzu kamen Probleme mit der Körnersorte FINOLA, die zeitweise EU-Fördergelder blockierten.
Körnerhanf und Futtermittel statt CBD-Biomasse
Diesmal steht nach Einschätzung der Branche echte Nachfrage hinter dem Wachstum. So formuliert es Maciej Kowalski, seit vielen Jahren in der polnischen Hanfwirtschaft aktiv. Witold Czeszak, Leiter des Hanfprogramms am staatlichen Institut für Naturfasern und Heilpflanzen IWNiRZ, sieht den Sektor auf dem Weg zurück zu seinen industriellen Wurzeln. Auf den Feldern dominieren wieder Körner- und Fasersorten.
Die wichtigste Sorte ist Henola, eine polnische Körnerzüchtung des IWNiRZ. Sie steht auf etwa 833 Hektar und damit auf mehr als einem Drittel der Gesamtfläche. Über das wirtschaftliche Potenzial dieser Hanfsorte aus Polen hatten wir bereits früh berichtet. Daneben sind FINOLA sowie die Fasersorten Białobrzeskie und Futura 75 verbreitet. Die größten Anbaugebiete liegen in der Region Lublin an der ukrainischen Grenze und im Norden des Landes, in Ermland-Masuren und Kujawien-Pommern.
Getragen wird die Körnernachfrage vor allem vom Futtermittelsektor. Einzelne Landwirte berichten, dass Hanf ihnen inzwischen mehr einbringt als klassisches Getreide. Die Branche hofft, darauf aufbauend Proteinpulver und ähnliche Produkte für die menschliche Ernährung zu entwickeln. Wie viel ernährungsphysiologisch im Hanfkorn steckt, zeigt unser Beitrag über gekeimte Hanfsamen und was beim Keimen passiert.
Was Polen 2022 geändert hat
Mit der Reform von 2022 schaffte Polen die jährlichen Anbaugenehmigungen und die regionalen Beschränkungen ab. Seitdem genügt die Eintragung beim KOWR. Der zulässige THC-Gehalt liegt landesweit bei 0,3 Prozent und entspricht damit dem Feldwert der EU. Wie lange über diese Grenze gestritten wurde, zeigt schon unsere Meldung zum neuen THC-Grenzwert für Hanfpflanzen in Polen aus dem Jahr 2020. Der Hanfsektor ist dabei nicht das einzige Feld, auf dem Polen seine Cannabisregeln geöffnet hat. Medizinalcannabis ist dort bereits seit 2017 zugelassen, wie wir damals in „Endlich kann Cannabis auch in Polen helfen“ beschrieben haben.
Deutschland: mehr Fläche, aber weniger Betriebe
Der Blick über die Grenze relativiert die polnische Erfolgsmeldung zugleich. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) meldeten 2025 in Deutschland 496 Betriebe Nutzhanf auf 5.274 Hektar an. Die deutsche Fläche ist also noch immer mehr als doppelt so groß wie die polnische. Allerdings verlor Deutschland gegenüber dem Rekordjahr 2024 mit 7.116 Hektar rund ein Viertel seiner Fläche, und die Zahl der Betriebe sank zum dritten Mal in Folge. Die Hintergründe haben wir im Beitrag Indien öffnet den Hanfanbau, während Deutschlands Nutzhanffläche schrumpft eingeordnet.
Auffällig ist der Unterschied in der Betriebsstruktur. Ein deutscher Hanfbetrieb bewirtschaftet im Schnitt knapp elf Hektar. In Polen kommen rechnerisch nur etwa 1,3 Hektar auf jeden registrierten Anbauer. Hanf ist dort vielfach eine Ergänzungskultur kleiner Höfe, hierzulande eher ein Spezialbetrieb mit Vertragsanbau. Beide Modelle haben dieselbe Schwachstelle. Ohne verlässliche Abnahme in erreichbarer Entfernung wächst die Fläche nicht nachhaltig, und in Polen schrumpft die Zahl der Abnehmer bereits.
Ein direkter Vergleich hat Grenzen. Die polnische Zahl ist ein Stand zur Jahresmitte, die deutsche ein Jahreswert aus 2025. Die BLE hat ihre Zahlen für 2024 und 2025 jeweils Ende September oder Anfang Oktober veröffentlicht, die Daten für 2026 stehen noch aus. Welche Regeln für den Anbau in Deutschland gelten, erklärt unser Überblick Nutzhanf in Deutschland: Anbau, Genehmigung und Verwendung.
Häufige Fragen
Wie viel Nutzhanf wird in Polen angebaut?
Nach Angaben des polnischen Zentrums für Landwirtschaftsförderung KOWR waren bis Ende Juli 2026 rund 2.171 Hektar Industriehanf registriert. Ende 2025 waren es 1.146 Hektar. Das entspricht einem Anstieg um 89 Prozent und dem höchsten Wert seit Einführung des Registers im Jahr 2022.
Warum wächst der Hanfanbau in Polen?
Treiber ist vor allem die Nachfrage nach Hanfkörnern für Futtermittel. Anders als beim Aufschwung 2020 stehen diesmal keine Spekulationen auf CBD-Biomasse im Vordergrund. Zudem hat die Reform von 2022 den Einstieg vereinfacht, weil statt jährlicher Genehmigungen eine Registrierung genügt.
Welcher THC-Grenzwert gilt für Nutzhanf in Polen?
In Polen gilt für Industriehanf ein THC-Grenzwert von 0,3 Prozent. Das entspricht dem Wert, der in der Europäischen Union für die Pflanze auf dem Feld gilt. Auch in Deutschland ist dieser Feldwert maßgeblich.
Wird in Deutschland mehr Nutzhanf angebaut als in Polen?
Ja, gemessen an der Fläche. Die BLE verzeichnete für 2025 in Deutschland 5.274 Hektar bei 496 Betrieben. Die Tendenz ist jedoch gegenläufig, denn Deutschland verlor gegenüber 2024 rund ein Viertel seiner Fläche, während Polen stark zulegt.
Welche Hanfsorten werden in Polen angebaut?
Am weitesten verbreitet ist die polnische Körnersorte Henola mit etwa 833 Hektar. Daneben werden die finnische Körnersorte FINOLA sowie die Fasersorten Białobrzeskie und Futura 75 häufig angebaut. Damit dominieren Sorten für Körner und Fasern, nicht für die Blütengewinnung.
Quellen: Registerdaten des polnischen Nationalen Zentrums für Landwirtschaftsförderung (KOWR), Stand 31. Juli 2026, nach HempToday vom 17. September 2026; Pressemitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung „Nutzhanfanbau 2025: Weniger Betriebe bauen weniger an“ vom 29. September 2025.






































