Während in Deutschland die Nutzhanffläche schrumpft, öffnet ein indischer Bundesstaat den Anbau erstmals im großen Stil. Himachal Pradesh hat im Juli 2026 ein Lizenzsystem in Kraft gesetzt und die Einstiegshürden Ende August deutlich gesenkt. Der Vergleich der beiden Regelwerke lohnt sich, weil er genau die Fragen berührt, über die in Europa seit Jahren gestritten wird.
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Was Himachal Pradesh beschlossen hat

Zuständig ist das Department of State Taxes and Excise, das die Regeln im Juli 2026 vorgelegt und Ende August nachgebessert hat. Der zulässige THC-Gehalt liegt bei 0,3 Prozent und damit auf demselben Niveau, das in der Europäischen Union auf dem Feld gilt. Eine Anbaulizenz kostet 2.000 Rupien je Bigha und Jahr, also umgerechnet rund 23 US-Dollar. Für Verarbeiter werden 11.500 Dollar jährlich fällig, für Labore 1.150 Dollar, für Lagerstätten 115 Dollar.
Die Auflagen sind streng. Vor der Aussaat muss ein Abnahmevertrag mit einem lizenzierten Verarbeiter vorliegen. Das Saatgut muss zertifiziert und aus autorisiertem Vertrieb stammen. Vor der Ernte steht eine THC-Prüfung, und die Flächen werden per GPS erfasst. Politisch verfolgt der Bundesstaat damit ein doppeltes Ziel. Der legale Anbau für Textilien, Baustoffe und Papier soll die illegale Charas-Produktion in den Bergregionen zurückdrängen.
Die entscheidende Korrektur kam nach vier Wochen
Der eigentlich bemerkenswerte Vorgang steckt nicht in der ersten Fassung, sondern in ihrer Überarbeitung. Ursprünglich waren mindestens drei Acre Anbaufläche vorgeschrieben, und wer eine Verarbeitung aufbauen wollte, musste 11,5 Millionen Dollar investieren. Beide Schwellen wurden Ende August kassiert. Statt drei Acre genügen nun fünf Bighas, was in Himachal Pradesh ungefähr einem Acre entspricht. Die Investitionsschwelle für Verarbeiter sank auf rund 575.000 Dollar.
Für einen einzelnen Landwirt bedeutet das Einstiegskosten von etwa 215 Dollar. In der ersten Fassung wäre der Markt faktisch an eine Handvoll Großinvestoren vergeben worden. Kleinbauern, die in den Bergregionen die Mehrheit stellen, hätten weder die Fläche noch das Kapital aufbringen können. Wer neue Hanfmärkte beobachtet, sollte deshalb weniger auf den THC-Grenzwert schauen als auf die Mindestflächen und Investitionsschwellen. Sie entscheiden darüber, wer überhaupt teilnehmen darf.
Deutschland verliert Fläche, obwohl der Rahmen offen ist

In Deutschland zeigt die amtliche Statistik in die andere Richtung. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung meldeten 2025 insgesamt 496 Betriebe den Anbau von Nutzhanf auf 5.274 Hektar. Gegenüber dem Rekordjahr 2024 mit 7.116 Hektar ist das ein Minus von 1.842 Hektar. Die Zahl der Betriebe ging zum dritten Mal in Folge zurück. Nach Gesamtfläche führt Niedersachsen mit 1.478 Hektar, die größten Flächen je Betrieb liegen mit 37 Hektar in Sachsen-Anhalt.
Der rechtliche Rahmen ist dabei nicht der Engpass. Welche Sorten zulässig sind, wie das Anzeigeverfahren läuft und welche Pflichten gelten, haben wir in unserem Überblick zum Nutzhanfanbau in Deutschland zusammengefasst. Es fehlt vielmehr an verlässlicher Abnahme und an Verarbeitungskapazität in erreichbarer Entfernung. Genau an diesem Punkt setzt Himachal Pradesh mit der Pflicht zum Abnahmevertrag an, wenn auch aus Kontrollgründen und nicht aus wirtschaftspolitischer Absicht.
Der Streit über 0,3 Prozent geht in die nächste Runde

Dass der Feldwert in der EU bei 0,3 Prozent liegt, ist selbst ein Ergebnis jahrelanger Auseinandersetzung. Bis zur laufenden Förderperiode galten 0,2 Prozent. Warum der Wert für viele Betriebe weiterhin zu knapp bemessen ist, haben wir im Beitrag zum Streit um den THC-Grenzwert ausführlich dargestellt.
Die European Industrial Hemp Association fordert inzwischen 1 Prozent und bringt diese Forderung in die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik für den Zeitraum 2028 bis 2032 ein. Ihr Argument lautet, dass moderne Faser- und Samensorten unter dem engen Wert kaum züchterisch weiterentwickelt werden können. Welche Weichen in Brüssel gestellt werden, hatten wir bereits mit Blick auf die anstehende EU-Entscheidung zur Zukunft des Nutzhanfs beschrieben.
Der internationale Vergleich rückt die europäische Position zurecht. Indien steigt direkt mit 0,3 Prozent ein, also mit dem Wert, den europäische Verbände über Jahre erstreiten mussten. Ecuador hat den Grenzwert bereits auf 1 Prozent festgelegt. Der europäische Wert ist damit kein Maßstab mehr, sondern Mittelfeld.
Was das für europäische Verarbeiter bedeutet
Himachal Pradesh zielt ausdrücklich auf Fasern, Baustoffe und Papier, also auf jene Segmente, in denen europäische Verarbeiter ohnehin unter Preisdruck stehen. Ein zusätzlicher Anbieter mit Lizenzkosten im zweistelligen Dollarbereich verschärft diesen Druck tendenziell weiter. Das ist eine Einschätzung und keine Prognose, denn der Bundesstaat hat weder Flächenziele noch Exportmengen genannt.
Kurzfristig dürfte der Effekt gering bleiben. Transportkosten, Zertifizierung und die eigenen Anforderungen der EU an Lebensmittelqualität wirken als Bremse. Mittelfristig ist die Lage anders zu bewerten. Wenn eine Region mit niedrigen Arbeitskosten, ganzjährig nutzbaren Lagen und einem funktionierenden Lizenzsystem in den Fasermarkt eintritt, verschiebt das Angebot. Für europäische Betriebe spricht das eher für Spezialisierung auf Qualität und kurze Wege als für einen Wettbewerb über den Preis.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der THC-Grenzwert für Nutzhanf in Indien und in der EU?
In Himachal Pradesh gilt für Industriehanf ein Höchstwert von 0,3 Prozent THC. In der Europäischen Union liegt der zulässige Gehalt auf dem Feld ebenfalls bei 0,3 Prozent, nachdem er zuvor bei 0,2 Prozent lag. Beide Werte beziehen sich auf die Pflanze im Anbau und nicht auf das fertige Erzeugnis.
Was kostet eine Hanf-Anbaulizenz in Himachal Pradesh?
Die Anbaulizenz kostet 2.000 Rupien je Bigha und Jahr, umgerechnet rund 23 US-Dollar. Nach der Absenkung der Mindestfläche auf fünf Bighas ergeben sich für einen Landwirt Einstiegskosten von etwa 215 Dollar. Verarbeiter zahlen dagegen 11.500 Dollar im Jahr.
Warum ist die Nutzhanffläche in Deutschland zurückgegangen?
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung weist für 2025 noch 496 Betriebe auf 5.274 Hektar aus, nach 7.116 Hektar im Rekordjahr 2024. Als Ursachen gelten vor allem die fehlende Abnahmesicherheit und die dünne Verarbeitungsstruktur. Der Rückgang der Betriebszahl hält bereits das dritte Jahr in Folge an.
Fordert die Branche in Europa einen höheren THC-Grenzwert?
Ja. Die European Industrial Hemp Association setzt sich für eine Anhebung auf 1 Prozent ein und bringt die Forderung in die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik für 2028 bis 2032 ein. Begründet wird das mit der Züchtung leistungsfähigerer Faser- und Samensorten. Eine Entscheidung steht noch aus.
Wirkt sich der indische Anbau auf europäische Preise aus?
Kurzfristig ist kaum ein Effekt zu erwarten, weil Transport, Zertifizierung und die EU-Anforderungen an Lebensmittelqualität wirksame Hürden bleiben. Mittelfristig kann ein zusätzlicher Anbieter im Fasersegment jedoch auf die Preise drücken. Belastbare Zahlen dazu gibt es bislang nicht, da Himachal Pradesh keine Flächen- oder Exportziele veröffentlicht hat.
Quellen: HempToday zur Lizenzverordnung des Department of State Taxes and Excise in Himachal Pradesh und zu den Änderungen von Ende August 2026; Pressemitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zum Nutzhanfanbau 2025 vom 29. September 2025; Positionspapiere der European Industrial Hemp Association zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik.







































