Der deutsche Markt für Medizinalcannabis verändert sich rasant. Eine neue Analyse im International Journal of Drug Policy zeigt, wohin die Reise geht. Patientinnen und Patienten greifen bevorzugt zu hochprozentigen Blüten, während die Preise pro Gramm deutlich sinken. Die Zahlen zeichnen das Bild eines Marktes, der seit dem Cannabisgesetz erwachsen wird.
📑 Inhaltsverzeichnis
Was die Studie zum Cannabismarkt untersucht hat
Grundlage der Auswertung sind die Verkaufsdaten einer einzelnen deutschen Versandapotheke zwischen Dezember 2024 und November 2025. In diesem Zeitraum analysierten die Forschenden rund 1.000 verschiedene Cannabisblüten-Produkte mit einer kumulierten Nachfrage von etwa 1,58 Tonnen.
Die Autorinnen und Autoren betonen selbst die wichtigste Einschränkung. Die Daten stammen von nur einer Apotheke und bilden nicht zwingend den Gesamtmarkt ab. Dennoch decken sich die Ergebnisse mit dem allgemeinen Trend, den die Branche seit Inkrafttreten des Cannabisgesetzes im April 2024 beobachtet.
Hochprozentige Blüten dominieren die Nachfrage
Das auffälligste Ergebnis betrifft den THC-Gehalt. Produkte mit 20 bis 30 Prozent THC machten mehr als zwei Drittel der gesamten Nachfrage aus. Der Trend zu potenten Sorten ist damit klar belegt und deckt sich mit dem, was Apotheken und Telemedizin-Anbieter aus der Praxis berichten.
Warum das so ist, hat mehrere Gründe. Wer regelmäßig therapiert, kommt mit weniger Gramm aus, wenn der Wirkstoffgehalt höher liegt. Gleichzeitig orientieren sich viele Konsumierende an den Erfahrungswerten aus dem Freizeitmarkt, in dem hohe THC-Werte seit Jahren als Qualitätsmerkmal gelten.
Preise im freien Fall
Parallel zur Nachfrage bewegt sich der Preis, und zwar nach unten. Der mittlere Grammpreis fiel im Untersuchungszeitraum von 8,64 Euro auf 5,95 Euro, ein Rückgang von rund 31 Prozent. Rechnet man den Preis auf die tatsächlich enthaltene Wirkstoffmenge um, wird der Effekt noch deutlicher. Die Kosten pro 10 Milligramm THC sanken um etwa 36 Prozent.
Andere Marktdaten stützen diese Entwicklung. Der Telemedizin-Anbieter Bloomwell wertete nach eigenen Angaben 3.528 Patientenprofile aus und nannte für März 2026 einen Durchschnittspreis von 4,52 Euro pro Gramm. Zugleich sei die Zahl der Verordnungen im Vergleich zu März 2024 um mehr als 4.500 Prozent gestiegen.
Was die Zahlen für Patienten bedeuten
Für Patientinnen und Patienten sind sinkende Preise auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Der Selbstzahlermarkt wird günstiger, der Zugang breiter. Doch die politische Großwetterlage weist in die Gegenrichtung. Der Bundestag hat beschlossen, Cannabisblüten aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, wie unser Bericht zum Vorrang für Fertigarzneimittel erläutert. Wer künftig auf Kostenübernahme hofft, muss oft erst zugelassene Präparate ausprobieren, wie die Analyse dazu, wer von diesem Vorrecht profitiert, zeigt.
Wie sich der Preis eines Cannabis-Arzneimittels überhaupt zusammensetzt, hängt an komplexen Mechanismen wie dem AMNOG-Verfahren. Für alle, die neu in die Therapie einsteigen, lohnt ein Blick in den kompletten Patientenguide. Dass Cannabis dabei zunehmend als Alternative zu klassischen Schmerzmitteln gesehen wird, zeigen auch Auswertungen mit mehreren tausend Patienten.
Häufige Fragen
Welchen THC-Gehalt bevorzugen deutsche Cannabispatienten?
Laut der Studie entfielen mehr als zwei Drittel der Nachfrage auf Blüten mit 20 bis 30 Prozent THC. Hochprozentige Sorten dominieren den Markt also deutlich.
Wie stark sind die Preise für Medizinalcannabis gefallen?
Der mittlere Grammpreis der untersuchten Apotheke sank innerhalb eines Jahres von 8,64 Euro auf 5,95 Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 31 Prozent.
Ist die Studie repräsentativ für den gesamten deutschen Markt?
Nur eingeschränkt. Die Auswertung beruht auf den Daten einer einzigen Versandapotheke. Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass die Ergebnisse den Gesamtmarkt nicht vollständig abbilden.
Warum steigt die Nachfrage nach Medizinalcannabis so stark?
Seit dem Cannabisgesetz von 2024 ist der Zugang über Ärztinnen, Ärzte und Telemedizin einfacher geworden. Anbieter berichten von Verordnungszahlen, die sich gegenüber 2024 vervielfacht haben.
Zahlt die Krankenkasse weiterhin für Cannabisblüten?
Künftig nur noch eingeschränkt. Der Bundestag hat beschlossen, Blüten aus der Regelerstattung der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen und Fertigarzneimitteln den Vorrang zu geben.
Quellen: International Journal of Drug Policy, Bloomwell, Krautinvest (Juli 2026).








































